Valerie konnte es auch in den nächsten Tagen nicht erklären, aber sie mochte Uzin einfach nicht. Die Mädchen schwärmten reihenweise von dem dunklen Ministeriumsangestellten, der auch noch aus Russland kommt, aber sie beobachtete lieber sein Verhalten.
Sie hatte bereits bemerkt, dass er sich vor allem in den Gängen bei den Gemeinschaftsräumen aufhielt. Im Unterricht war er immer kühl und manchmal mehr als sarkastisch und er brachte so ziemlich keinem Schüler Höflichkeit entgegen, was keinen außer Valerie wirklich zu stören schien.
„Ich weiß nicht, was dich an ihm so stört, er ist ein guter Lehrer", meinte Lily neben ihr, als sie am Abend durch die Gänge liefen, auf der Suche nach einem versteckten Klassenzimmer, in dem sie weiter den Patronus trainieren konnten.
Das Zaubern außerhalb des Klassenzimmers, ohne Aufsicht, war strengstens untersagt, was Valerie nur halb verstand. Es sollte hierbei wohl genau niedergeschrieben werden, um welche Zauber es sich handelten, die verboten sein sollten, denn ein Patronus zählte zu keinem bösartigen Zauber, der etwas anstellen konnte.
Der Zauber bestand aus purem Glück, dass sich in Form eines Tieres zeigte und der Kreaturen wie Dementoren hier in Großbritannien verjagte. Er diente aber die meiste Zeit eher als Nachrichtenüberbringer, da er einfach schneller war als eine Eule und der dazugehörige Brief.
„Deshalb ist seine Rate an Schülern, die bereits erfolgreich appariert sind, auch so hoch", schnaubte Valerie, aber Lily verdrehte nur die Augen. Die meisten haben noch nicht einmal Seit-and-Seit appariert. Sie wissen nicht, wie es sich anfühlt, wie sollen sie es dann auch bei Anhieb schaffen? Nicht jeder ist ein Reinblut"
Die Worte wogen schwer und Valerie schluckte. Da hatte Lily schon recht, aber sie konnte auch nicht nachvollziehen, warum die Versuchsquote dann überhaupt so schlecht ausfiel. „Aber ich dachte, mit einem heißen Lehrer lernt es sich leichter?", wiederholte sie Sinngemäß die Worte, die die Mädchen in der ersten Unterrichtsstunde verwendet hatten.
Lily nickte und stieß dann eine Tür zu einem Klassenzimmer auf. Es war ein Zauberkunstraum, der wohl nur mehr als Abstellkammer diente. Valerie fand es schade, dass es so viele Zimmer gab, die ungenutzt blieben, sie könnte sich vorstellen, fabelhaftes aus diesen Räumen zu machen.
„Gibt ihm Zeit. Er kennt uns Schüler nicht, er weiß noch nicht, wo unsere Schwachpunkte liegen, und wir kennen ihn noch nicht wirklich", fügte Lily noch an. Für sie schien es das letzte Wort gewesen zu sein in dieser Diskussion. Valerie jedoch dachte bei sich, dass sie nicht einmal wollte, das Uzin wusste, wo ihre Schwachpunkte liegen. Das war etwas, das Widerstrebte ihr einfach nur vernehmend.
„Zeig mir doch einmal, wie weit du bist", begann sie dann schließlich mit ihrer kleinen Nachhilfestunde und blickte Lily auffordern an. Das Mädchen legte ihre Bücher zu Seite und zog ihren Zauberstab.
Sie schloss konzentriert ihre Augen und schwang dann ihren Zauberstab währen sie die Formel murmelte. Silbriger Nebel schoss aus der Spitze hervor und wirbelte im Raum herum. Feine Linien zeichneten sich ab, aber noch zu undeutlich, als dass man ein Tier erkennen könnte.
„Fantastisch", rief Valerie begeistert und klatschte erfreut in ihre Hände, „Wenn ich doch auch nur so Fortschritte machen würde" Lily sah sieh an und Valerie konnte Verständnis in ihren Augen erkennen.
„Ich bin mir sicher, es wird sich alles geraderücken", nickte sie zuversichtlich. Die Französin kaute nur auf ihrer Unterlippe und setzte sich auf eine der wenigen Tische, die in dem Raum kreuz und quer herumstanden.
„Wenn du meinst", murmelte sie, zuckte dann aber mit den Schultern und wischte den Gedanken zu Seite. „Noch einmal", befahl sie dann und Lily schwang wieder den Zauberstab. Mit jedem Mal, wo sie ihn probierte, wurden die Linien sichtbarer.

DU LIEST GERADE
Pure Blood
FanfictionEin Trank, der ihrer Mutter Schmerzen zufügt, treibt Valerie in die Enge. Ohne groß darüber nachzudenken, entscheidet sie sich für die Rettung ihrer Mutter, doch war es das wert, ihre Freiheit aufzugeben? Ihre Geschwister zurück zu lassen? „Ich glau...