Der Duft von gebackenen Keksen lag in der Luft und alle möglichen farblichen Geschenkpapiere waren am Boden verteilt. Band und Klebstoff wurden von Person zu Person weitergereicht und jeder hatte das Versprechen gegeben, seine Augen bei sich zu behalten, um ja keinen vorwitzigen Blick auf die Geschenke der anderen zu riskieren.
Es funktionierte sogar wirklich gut. Es wurde gelacht und Geschichten und Anekdoten erzählt, die besonders witzig waren. Valerie fühlte sich so heimisch, wie noch nie und konnte die Gedanken an ihre Mutter auf die Seite schieben.
Es war nicht mehr lange bis Weihnachten vor der Tür stand und Eulen flogen mehr als sonst durch die Lüfte um Hogwarts. Die Streitereien zwischen den Häusern waren etwas abgeflaut, da keiner etwas vor Weihnachten anfangen wollte. Freundlich gingen sie miteinander trotzdem noch nicht um.
Die Freude auch auf den Winterball war groß und Mädchen rannten von Freundin zu Freundin, um Neuigkeiten auszutauschen, wer mit wem ging und was wer tragen möchte und gekauft hatte.
Valerie hatte nur gegrinst. War der Halloweenball ein Ball ohne zwingendem Date gewesen, so war am Weihnachtsball Begleitung besonders gerne gesehen. Die Französin hatte gestern ein großes Paket von ihrer Mutter erreicht, die sich bei ihr nach ihrem Wohlbefinden erkundigt hatte und dem Mädchen das Kleid geschenkt hatte, von dem sie schon lange träumte.
Es war ein ultramarinblaues, gebundenes Kleid, welches ihre Taille umschmeichelte und ihre Augenfarbe unterstrich. Sie hatte es schon öfters in der Place Cachée gesehen und hatte es schon mehrmals einfach nur probiert, aber ihre Eltern hatten abgelehnt es ihr zu kaufen. Sie meinten, für ein solches Kleid, brauche es einen wichtigen Anlass.
Ihre Mutter schien wohl endlich der Meinung gewesen zu sein, dass dieser Zeitpunkt jetzt da war. Valerie war zu Tränen gerührt gewesen, als der leichte, flüssige Stoff durch ihre Finger glitt und faltenlos zurück ins Paket fiel.
„Valerie, kannst du mir noch einmal so eine Masche machen?", fragte Alice und hielt ihr ein fertig verpacktes Paket entgegen, worauf die Bänder lose herumflogen. Valerie lehnte sich vor und zog mit flinken Fingern eine perfekte Masche, die sie mit ein bisschen Glitzer lebendig machte.
„Ich wusste schon immer, dass es ein Vorteil sein wird, die Schulsprecherin als beste Freundin zu haben", grinste Dorcas und trank gleich noch einen Schluck von der heißen Schokolade. Lily lachte und deutete Dorcas, dass sie durch den Schaum einen kleinen Bart auf der Oberlippe hatte.
Marlene stand auf und drehte die Platte im Plattenspieler um. Es war eine Muggelplatte, die Lily mitgebracht hatte, aber es dudelten Weihnachtslieder durch den Raum und verbreiteten eine angenehme Stimmung.
„Wirst du deine Eltern besuchen fahren?", fragte Dorcas und sah Valerie an. Sie selbst würde zu ihrer Mutter nach Hause fahren, sobald der Zug nach dem Ball gehen würde. Lily würde mit Marlene hierbleiben, aber Alice würde ihre Familie besuchen gehen.
„Nein. Ich fürchte nicht. Ich glaube, ich könnte es nicht aushalten, sie zu sehen und dann wieder nicht" Die Mädchen nickten verstehend, aber sie verstanden eigentlich gar nichts. Sie wollte zurück, aber sobald sie zu Hause wäre, würde sie die Familie Black verletzen und beleidigen. Sie durfte das Essen nicht vergessen, zu dem sie eingeladen worden war.
Wenn sie nur daran dachte, bekam sie Bauchschmerzen, aber sie musste da durch. Vielleicht wurde es ja überhaupt nicht so schlimm, wie sie es sich ausmalte?
„Ich bin fertig. Kommt noch wer mit hinaus? Quaffel werfen?", fragte Marlene und streckte sich, während sie sich aus der gemütlichen Position vom Boden erhob. Kurz überlegte Valerie und nickte schließlich.
„Klar, lass mich das Päckchen noch fertig machen", meinte sie und band es schnell fertig, bevor sie sich erhob. Sie war schon lange auf keinem Besen mehr gesessen und sie war sich sicher, sie würde es genießen.
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Pure Blood
FanfictionEin Trank, der ihrer Mutter Schmerzen zufügt, treibt Valerie in die Enge. Ohne groß darüber nachzudenken, entscheidet sie sich für die Rettung ihrer Mutter, doch war es das wert, ihre Freiheit aufzugeben? Ihre Geschwister zurück zu lassen? „Ich glau...