-15-

78 5 3
                                        

POV: Jessica

"Oh, Frau Winkler, was sagt denn ihr Terminkalender?", lachte er mich an, "Steht dir aber gut."
"Vielen Dank, werter Herr Strobel.", zwinkerte ich, setzte meine Arbeitsplatzbrille ab und legte sie zurück in das Etui.

"Ich habe mir Gedanken gemacht, was wir heute Nachmittag machen können. Berlin kenne ich so gut wie meine Westentasche.", sprach ich zu ihm.
"Ach schade, Sightseeing fällt also aus?", mit großen Augen sah er mich an und lachte kurz darauf.
"Sehr witzig, Herr Strobel. Was hältst du vom Dungeon? Ich war damals auf der Abschlussfahrt in London gewesen und habe es geliebt, da ich ja noch eine Schuld begleichen muss, lade ich dich ein."
"Du zuckst zusammen, wenn ich hinter dir stehe und meinen Mund öffne und willst jetzt Geld bezahlen, dich erschrecken zu lassen. Klar, warum nicht, soll ich heute fahren? Ich konnte vorhin mein Auto aus der Werkstatt holen und stehe in der Seitengasse."
"Hmm... Also ich weiß nicht...", blickte ich ihn an.
"Warum? Der Typ auf der Motorhaube schläft doch nur.", zitierte er seinen eigenen Text.
"Na ja, wenn man so manchen Interviews Glauben schenken kann... Ich habe ja gehört, Alligatoah spielt Karten bei der Fahrt...", lachte ich, "also nichts wie los." Lukas verdrehte die Augen, nahm meine kleine Tasche vom Bett und ging zur Tür, um mir diese zu öffnen.

Er hielt mir die Tür der Beifahrerseite seines schwarzen Audis auf und ich nahm Platz, Lukas stieg auf der Fahrerseite ein.
"Ich bin sehr für Gleichberechtigung, da ich gestern im Auto über die Musik verfügen durfte, darfst du heute... Aber... Mich hat schon die Neugier gepackt, was sich in deiner 'on the road'-Playlist befindet."
"Das wirst du bereuen, das sag' ich dir jetzt schon.", lachte ich und sah zu ihm, direkt in seine blauen Augen.
"Wir sind doch auf dem Weg ins Gruselkabinett, dann lass mich doch mal hören.", er startete den Wagen.
"Na gut du hast es so gewollt.", er blickte stumm auf den Bildschirm, als er den ersten Titel las, er schüttelte den Kopf und schmunzelte.

"How you choose to express yourself
It′s all your own and I can tell
It comes naturally, it comes naturally
You follow, what you feel inside..."

Nach einer halben Stunde Fahrt parkte er vorm Dungeon und blickte mich an.
"Gut... Jetzt erschreckt mich nichts mehr. Ich habe wirklich etwas anderes erwartet."
"Ich hatte Sie gewarnt, mein werter Herr Strobel.", grinste ich ihn an, löste den Gurt und stieg aus dem Wagen.

POV: Lukas//Alligatoah

- Oh Mann... diese Frau steckt auch voller Überraschungen, das kann ja noch lustig werden. - Ich öffnete die Tür der Fahrerseite, schloss das Auto ab und ging zu Jessica auf den Bürgersteig. Sie sah auf ihre Uhr, las den Aushang im Schaukasten und drehte sich zu mir.

"Also, die Einlasszeiten sind so gesehen im Viertelstundentakt, das heißt, dass wir um fünfzehn Uhr dreißig rein können. Ich würde vorher noch eine rauchen, wenn es dich nicht stört."
"Klingt gut, ich würde mich dir anschließen.", ich zog die Zigarettenschachtel aus meiner Hosentasche hervor.
"Du rauchst?", fragte sie erstaunt.
"Ja... Der Alltagsstress...", mit hochgezogenen Augenbrauen zwinkerte ich ihr zu.
"Stimmt, das habt ihr ja in euren Blogs und nicht zu vergessen auf den DVDs so oft erwähnt." Bei dem Satz musste ich schmunzeln. "Ihr habt schon kein leichtes Leben, hoffentlich ende ich nicht auch, auf meiner Reise mit einer gebrochenen Achse an einer Tanke... Ich meine natürlich im Stau...", zwinkerte Jessica mir zu, "Mit dem Schokozauber... Dem Vanillezauber... Und natürlich nicht zu vergessen, eine Flasche saure Kirsche.", sie sah mich mit einem zum Lächeln gezogenen Mundwinkel an.
"Das ist jetzt nicht fair, aus unserer Sicht betrachtet, war das wirklich nicht witzig... So wie du mich ansiehst, komme ich aus der Nummer nicht mehr raus... Soll ich dir meinen Tanz von der Tanke vorführen?", ihr Lachen konnte sie nicht mehr zurückhalten, das sollte sie auch nicht, es war so schön, sie Lachen zu sehen.
"Gleich hier oder beim nächsten Privatkonzert?", ich verschluckte mich bei ihrer Frage am Rauch der Zigarette und fing an zu husten.
Die peinliche Situation versuchte ich zu überspielen und warf den Zigarettenstummel auf den Boden.
"Wollen wir dann?", fragte ich mit noch leichtem Husten und kratziger Stimme.
"Gern, geht es wieder?", sie sah mich besorgt mit ihren Rehaugen an.
"Ja, alles in Ordnung, na komm, lass uns hineingehen."
Wir drehten uns zur Eingangstür, dankend betrat Jessica das Dungeon als ich ihr die Tür aufhielt und sie ging geradewegs auf die Kasse zu. Mit einem niedlichen Grinsen kam sie mit zwei Karten in ihrer Hand auf mich zu.
"Kurz vor halb vier sollen wir uns dort vorne mit zu den anderen stellen und dann kann der Spaß anfangen.", sie zeigte nach links.

"So, du magst also Horror?"
"Willst du die Wahrheit wissen?", lachend blickte sie mich an.
"Meine Frage war schon ernst gemeint."
"Absolut nicht, aber nach London wollte ich unbedingt noch einmal durch."
"Das ist nicht dein Ernst?! Du gibst hier fünfzig Euro aus, damit ich dich dann hier raustragen darf?"
"Jetzt gibt es kein Zurück mehr, außerdem habe ich vor mehr als zwei Jahren über fünfzig Euro bezahlt, damit mir Alexander Marcus vor ein paar Tagen auf dem Trailerpark-Konzert zwanzig Minuten lang mein Trommelfell zum Bluten brachte. Da... schau, es geht los.", sie packte mich am Handgelenk und zog mich wie ein kleines Kind zu der Gruppe bestehend aus schätzungsweise achtzehn Personen.

Wie zuhause - 1Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt