POV: Jessica
Mit knapp zweihundert Kilometern pro Stunde auf dem Tachometer raste ich auf der linken Spur über die Autobahn, auf dem Weg zu Stevens Wohnung, nach Braunschweig. Ich hatte so viel Unruhe in das Leben der Gruppe gebracht und machte mir Vorwürfe, ich musste mich Steven erklären, auch wenn er mich mit großer Wahrscheinlichkeit nicht sehen wollte.
"This'll be the last time that I spin our life
Never gonna play again
You′re not the one I want in my bed
I′m not the song you want in your head..."
Nervös lag mein Zeigefinger auf der Klingel, neben dem Namensschild 'Matyssek', ohne eine Meldung über die Gegensprechanlage wurde mir die Haustür geöffnet. Tim begrüßte mich mit einer herzlichen Umarmung an der Wohnungstür, er strich mir über den Rücken und flüsterte mir ins Ohr, dass Steven wieder halbwegs bei Verstand sei und ich im Flur warten sollte.
"Wer war das?", hörte ich Steven fragen.
"Versprich mir bitte einfach nicht auszuflippen.", sagte Tim und rief nach mir. Nervös ging ich den Flur entlang, im Türrahmen des Wohnzimmers blieb ich stehen und blickte Steven an.
"Hey...", sagte ich leise.
"Tim, was soll das?", Steven sah Tim mit einem aufgelösten Blick an. Er schien vom Alkohol noch leicht benebelt zu sein. Die Flasche Jonny Walker stand noch immer auf dem Couchtisch, vor ihm.
"Sud, Jessie möchte sich erklären. Sie hat sich genau so Sorgen um dich gemacht, wie die anderen." Steven atmete tief durch, Tim verließ das Wohnzimmer und schloss hinter sich die Tür.
Steven stützte seinen Arm auf seinem Oberschenkel ab und legte seinen Kopf auf seine Faust. Er blickte geradewegs aus dem Fenster und kniff seine Augen zusammen, eine einzelne Träne lief über seine Wange. "Ich liebe dich, Jessica... Dich so in der Wohnung von Lukas, einem meiner besten Freunde, zu sehen hat mich komplett zerrissen.", sagte Steven, senkte seinen Blick auf den Boden und rieb sich die Hände.
"Es tut mir leid, was ich dir angetan habe. Ich glaube dir, dass dir dieses Bild mehr als nur weh tat. Aber ich kann deine Gefühle nicht erwidern, Steven."
Steven rümpfte die Nase. "Ich weiß... Ich habe mich so darauf fokussiert, auch durch unsere gemeinsame Nacht... Ich habe dich zu meinem Ziel gemacht und dabei habe ich alles andere übersehen und vergessen. Und das ist mir in dem Moment, als du dort bei ihm im Flur standest, bewusst geworden.", er lehnte sich tiefer in sein Sofa.
"Wie ich es vor ein paar Wochen sagte, es war alles nie meine Absicht gewesen. Weder die Nacht mit dir noch, dass ich mich jemals so zu Lukas hingezogen fühle...", ich atmete tief durch.
"Aber es ist jetzt so gekommen.", sein leerer Blick bohrte sich in mein Herz.
"Steven... Ich will doch einfach eine normale Basis zu dir. Du bist mir als Freund unglaublich wichtig und ich weiß, wie verletzend sich das gerade anhört, aber bitte gib dieser Freundschaft eine Chance.", ich blickte in seine glasigen Augen, Steven nickte und verstummte.
Stille erfüllte den Raum, Minuten vergingen, in denen wir uns einfach nur anstarrten. Über die Wange von Steven kullerte wieder eine Träne, er griff nach meiner Hand und sah mir in die Augen. "Ich werde mit der Situation umgehen müssen. Ich bin der Letzte, der versuchen würde, sich zwischen zwei Menschen zu stellen, die sich lieben. Aber ich werde auch Zeit brauchen, um das zu verarbeiten." Er wischte sich eine Träne aus dem Augenwinkel und schmollte, ich zog ihn an mich, in eine feste Umarmung. "Oh Gott... Jessie...", flüsterte er und begann zu weinen. "Es tut mir leid.", sanft strich ich Steven über den Hinterkopf.
Es vergingen einige Minuten, bis wir uns aus dieser Umarmung lösten, stumm blickten wir uns an und begannen plötzlich zu lachen. Ein Gefühl von Wohlsein umgab uns, als hätte sich alles Schlechte um uns und von uns abgewandt. Wir nickten uns zu und ich stand auf, um Tim wieder in das Wohnzimmer zu holen.
Ich griff nach der Türklinke und drückte die Tür auf; ein dumpfer Schlag war zu hören. "Ah... Fuck!", schnell zog ich die Tür wieder zu und sah zu Steven. Wir sahen, wie die Türklinke heruntergedrückt wurde; Tim öffnete die Tür und hielt sich die Stirn.
"Soll ich das nächste Mal anklopfen?", lachte ich.
"Ha ha... Wo ist das Mitgefühl?", fragte er schmollend.
"Aus dem Kopf geschlagen...", zuckte ich mit den Schultern, Tim begann leicht zu lachen. "Geht's dir jetzt besser?"
"Nein.", er presste die Lippen aufeinander, rieb sich noch einmal die Stirn und zwinkerte. "Und? Wie sieht es bei euch aus?"
"Ich denke, wir haben das klären können.", sagte Steven mit einem recht freudigen Blick und zog einen Mundwinkel zu einem Lächeln.
Tim setzte sich zu Steven auf die Couch und legte seinen Arm um ihn, mit dem anderen Arm winkte er mich dazu. "Ach Mensch, doch noch so viel Liebe im Trailerpark.", lachte Tim und zog uns an sich, zum Knuddeln. "So und jetzt was anderes. Basti hatte mir vorhin geschrieben, ob er seinen Geburtstag bei mir feiern kann. Er will reinfeiern, aber der vierzehnte November ist dieses Jahr an einem Montag...", Tim sah mich mit hochgezogenen Augenbrauen an.
"Ich habe in der Woche vom vierzehnten November Urlaub und fahre am sechzehnten zu meiner Verwandtschaft nach Berlin rüber. Also ich habe Zeit und Ena hat an Montagen sowieso immer frei."
Wir trugen ein paar Stichpunkte zusammen, was wir organisieren könnten und stießen noch einmal auf die Freundschaft mit einem Glas Wasser an.
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Wie zuhause - 1
FanfictionDie Crackstreet-Boys waren gerade auf dem Weg nach Berlin, um ihr letztes Konzert zu spielen. Als sie von dem Rasthof an der A2 wieder starten wollten, sprang ihr Bus nicht mehr an. Sie trafen auf Jessica, eine Mechatronikerin aus Göttingen, die das...
