Am Freitag nach der Arbeit stehe ich unsicher vor meinem Kleiderschrank. Schon in den letzten Tagen habe ich immer wieder überlegt, was ich zu dem Gespräch beim Zirkel anziehen soll, bin aber zu keiner zufriedenstellenden Lösung gekommen. Zu sehr nach Vorstellungsgespräch will ich nicht aussehen, zu leger sollte es auch nicht sein. Zu freizügig sicher auch nicht, zu konservativ will ich aber auch nicht wirken.
Letztenendes bringt der Zeitdruck eine Entscheidung und kurz bevor Marco mich abholt, betrachte ich mich zufrieden im Spiegel. Eine moosgrüne, schlichte Bluse, eine klassische, schwarze Stoffhose und schwarze Pumps. Meine Haare trage ich offen. Ich ziehe meinen dünnen, grauen Mantel über und warte an der Straße auf Marco.
Am Anfang der Fahrt unterhalten wir uns über das, was wohl gleich passieren wird. Aber je näher wir dem Gelände des Zirkels kommen, desto mehr ebbt unser Gespräch ab, Nervosität liegt in der Luft.
Marco biegt auf den Feldweg ab und wir fahren langsam auf das Anwesen zu. Am Tor erwartet uns eine junge Frau, die nach einem Blick auf die Einladung mit einem freundlichen Lächeln einen schönen Aufenthalt wünscht.
Wir parken vor der Villa, die im hellen Tageslicht wesentlich weniger spektakulär wirkt, als nachts mit der Beleuchtung. Man sieht dem Haus sein Alter deutlich an, der Gärtner, welcher gerade dabei ist, eine Hecke zu trimmen, lässt das ganze viel alltäglicher wirken, als bei Nacht.
Als wir auf den Eingang zugehen, öffnet sich die Tür und Andy in schwarzem Hemd und schwarzer Hose tritt heraus. Er begrüßt uns herzlich mit einer Umarmung und bittet uns dann hinein. "Ich weiß, dass das nicht viel hilft, aber es gibt keinen Grund, nervös zu sein."
Er führt uns vorbei an der Bar über die geschwungene Treppe in den ersten Stock, in einen Bereich, der aussieht, als ob er in jedem beliebigen Bürogebäude sein könnte. Keine Stuckverzierungen und Säulen, keine Marmorböden, sondern ein schnöder beige gestrichener Gang mit gleichförmigen schlichten Holztüren zu beiden Seiten und grauem 70er-Jahre-Linoleum.
Nachdem Andy an die Türe am Ende des Ganges geklopft und die Tür geöffnet hat, betreten wir ein modern eingerichtetes Büro, welches durch Glas und Metall dominiert wird und mit seinem dunklen Teppichboden und den hellen Lounge-Möbeln in der Ecke hier so gar nicht her passt.
Hinter dem Schreibtisch erhebt sich ein älterer Herr im schlichten Anzug, den ich erst auf den zweiten Blick als den Princeps erkenne. Ohne weißen Umhang wirkt er eher wie der Senior-Chef eines mittelständischen Betriebes, als wie der Vorstehende dieses super-geheimen Zirkels. Er gibt Marco und mir lächelnd die Hand und deutet in Richtung der Sitzecke.
An Andy gewandt meint er: "Callidus, hole Lemna und komm zu uns."
Andy verlässt den Raum und wir setzen uns gegenüber des Princeps.
"Schön, dass Sie zu uns gefunden haben. Callidus und Lemna haben mir schon ein bisschen was von Ihnen erzählt. Ich würde einfach mal anfangen, Ihnen vom Zirkel zu erzählen und danach haben Sie die Möglichkeit, Fragen zu stellen. Ist das in Ordnung?"
Wir nicken und in dem Moment kommen Andy und Hanna in den Raum. Während Andy sich setzt, fragt er uns, was wir trinken wollen. Hanna, ebenfalls in schlichtem Schwarz gekleidet, kümmert sich ohne Aufforderung um die Getränke, während der Princeps erzählt.
Das Meiste ist mir schon bekannt, ein paar Details sind jedoch neu. Zum Beispiel, dass wir uns Namen aussuchen dürfen, aber bis zur Prüfung jedem freigestellt ist, ob er oder sie sich mit Klarnamen oder gewähltem Namen ansprechen lässt. Erst nach der Prüfung werden einheitlich die gewählten Namen verwendet, um die Identitäten der vollen Mitglieder zu schützen.
"Es gibt noch eine weitere Sache, die die Privatsphäre der Mitglieder betrifft. Sie können sich bei Ihrem Beitritt entscheiden, ob Sie dem Zirkel Ihre beruflichen oder privaten Expertisen zugänglich machen wollen. Das ist eine freie Entscheidung, die Sie als Mitglieder auch jederzeit ändern können. Sie können dann von den Expertisen anderer Mitglieder profitieren. Wir haben zum Beispiel Ärzte und Rechtsanwälte, die sich auch mit Fällen auskennen, in denen BDSM eine Rolle spielt und Piercer und Tätowierer, die auch speziellere Wünsche mit dem richtigen Mindset umsetzen. Aber auch abseits vom BDSM können Sie von den Synergien hier profitieren. Egal ob IT-Spezialist oder Steuerexpertin," er nickt Andy und Hanna zu "Bauunternehmerin, Trauredner oder Mechaniker, wir stellen da gerne den Kontakt her. Wie gesagt, es steht Ihnen frei, ob Sie Ihre eigenen Expertisen den anderen Mitgliedern zugänglich machen möchten.
Ich denke, das war alles, was ich Ihnen im Moment zu erzählen hatte. Haben Sie aktuell noch Fragen?" will der Princeps wissen.
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Mina II
General Fiction[E] markiert Kapitel mit sexuellem Inhalt. Im letzten halben Jahr ist viel passiert! Neue Bekanntschaften, neue Erfahrungen, neuer Job. Ich habe begonnen, die Welt des BDSM für mich zu entdecken. Doch was macht das mit mir? Wie geht der Weg weiter...
