[E] Wankelmut und Neugier

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Am Abend kocht Marco ein Curry. Wir essen gemeinsam, und überlegen, was wir am Abend unternehmen können.

"Hast du Lust, auszugehen?" will Marco wissen.

"Hm, ich weiß nicht. Ich habe nicht mal was zum Anziehen dabei." überlege ich laut. "Und irgendwie wäre es mir sowieso mehr nach Sofa als nach Menschen."

Marco lacht verständig. "Gut, dann bleiben wir hier. Wenn du magst, können wir ja gleich mal die Liste durchgehen."

"Gerne."

"Ich hole sie. Wein dazu?"

Marco holt die Liste und den Wein und wir setzen uns aufs Sofa.

"Ich habe den Eindruck, dass wir echt ziemlich kompatibel sind." erklärt Marco. "Aber bevor wir anfangen, was hältst du eigentlich von einem Kaffee?"

"Gute Idee, gerne."

Da Marco keine Anstalten macht, aufzustehen, gehe ich in die Küche und mache uns Kaffee.

Als ich mit den Tassen zurückkomme, blättert Marco durch die Liste. Ich sehe, dass er manche Dinge farblich markiert hat. "Das Meiste hast du ja ausgefüllt, ein paar Zeilen sind leer. Sind das die Dinge, zu denen du Fragen hast?"

"Genau." bestätige ich seine Vermutung.

"All die Dinge, zu denen du Fragen hast, gehören zum D/s-Teil. Aber das ist vielleicht auch der kritischste Teil an der ganzen Liste. Okay, dann gehen wir die Sachen mal durch. 24/7."

Er schaut mich erwartungsvoll an und ich erkläre: "Ich bin mir ehrlich gesagt nicht ganz sicher, was damit gemeint ist. Also ich habe mich natürlich informiert, was das ist, aber ich kann es mir einfach nicht vorstellen. Heißt das echt, dass man damit das komplette Leben in diesem Machtverhältnis verbringt?"

"Ja und nein. Also es heißt zwar, dass das Machtverhältnis prinzipiell dauerhaft existiert, aber nicht, dass es immer ausgelebt wird. Also jeder behält grundsätzlich sein eigenes, selbstbestimmtes Leben, aber man hat eben dauerhaft die Möglichkeit, Macht auszuüben. Das erfordert aber ein hohes Maß an Vertrauen und Kommunikation, damit das funktioniert."

"Wie sieht sowas konkret aus? Heißt das, du könntest mir zum Beispiel einfach, wenn ich arbeiten bin, befehlen, mich auszuziehen und ich müsste das tun?"

"Nein, die Grundlage muss immer sein, dem Anderen damit nicht zu schaden. Und wie weit das tatsächlich auch in den Alltag eingreifen sollte, den man getrennt voneinander verbringt, muss man individuell entscheiden. Ein Element von 24/7 sind meist Alltagsregeln. Zum Beispiel so Dinge, wie dass du jedes Mal, bevor du einen Orgasmus willst, fragen musst oder so."

"Hm, okay. Spannend klingt das schon irgendwie, aber ich weiß nicht, ob das das Richtige für mich ist. Vielleicht können wir ja mal etwas in die Richtung probieren. Also dass du auch mal etwas außerhalb von Sessions machst und ich schaue, wie sich das anfühlt."

"Gerne. Ich vermerke mal 'neugierig' in der Liste. Der nächste Punkt ist Kennzeichnung."

"Was ist damit gemeint? Etwas entfernbares, wie ein Halsband oder etwas dauerhaftes, wie ein Tattoo?"

"Gute Frage. Ich hatte spontan eher etwas Dauerhaftes im Sinn, aber du hast Recht, eindeutig ist das nicht."

"Also etwas wirklich dauerhaftes würde ich zum aktuellen Zeitpunkt als Hard Limit einordnen, etwas temporäres bei 'neugierig'."

"Ist notiert. Vorführen?"

"Dabei habe ich ehrlich gesagt das Bild von so einem Hunde-Wettbewerb vor Augen. Was ist damit wirklich gemeint?"

Mina IIWo Geschichten leben. Entdecke jetzt