Ich fühlte mich wie im falschen Film. Im falschen Genre, im falschen Hintergrund und definitiv im falschen Abschnitt meines Lebens. Das hatte ich doch hinter mir gelassen, sollte man meinen.
Ich stand einige Sekunden wie paralysiert da und starrte auf das Schauspiel vor mir, auf einen Überfall durch Waffengewalt.
Vor etwas mehr als einem Jahr hatte ich mich in der gleichen Situation wiedergefunden - alleine in einer dunkeln Gasse, ein Verbrechen beobachtend.
Es war fast schon ironisch, wie sehr die heutige Nacht jener von damals ähnelte. Da gab es das wehrlose Opfer, mehrere, skrupellose Täter und mich, die Zeugin. Es wehte ein kühler Wind, die Strassenlaternen waren zu weit entfernt, um genaueres erkennen zu können.
Aber es gab auch Unterschiede im Bezug auf meine Vergangenheit. Ja, ein wichtiges Detail hatte ich bei meiner ganzen Aufzählung vergessen, denn ich war nicht mehr dieselbe.
Mein Name war nicht mehr Cierra, ich wohnte nicht mehr in meiner Heimatstadt, ich hatte nicht mehr dieselben Freunde, meine gesamte Familie war ausgerottet worden und ich - ich hatte mich von Grund auf verändert.
Ausserdem hatte ich einen der grössten Verrate ertragen müssen, den ich mir hätte denken können. Mir war das Herz gebrochen worden von meiner grossen Liebe. Und all das hatte aus mir einen anderen Menschen gemacht.
Ich war nicht mehr das kleine, hilflose Mädchen von damals, die mit mehr Glück als Recht eingegriffen und sich in höchste Lebensgefahr gebracht hatte. Nein, heute, über ein Jahr später, war ich stark und nicht mehr dazu bereit, mich von Typen herumschupsen und mies behandeln zu lassen.
Heute Abend, in meinem persönlichen Déjà-vu Erlebnis, würde ich die Vergangenheit für mich umändern und sie zum Besseren wenden.
Genau von dieser Szene, ich allein in einer Gasse, hatte ich jede Nacht Alpträume und jetzt hatte ich endlich die Chance, dass zu ändern.
Ich würde mir und meinem Unterbewusstsein beweisen, dass mir so etwas nicht nochmal passieren könnte.
Ich hatte die Möglichkeit, den Anfang meiner Geschichte umzuschreiben und neu zu beginnen, so wie ich es wollte.
Ich atmete deshalb tief durch, ballte meine Hände zu Fäusten und überquerte schnellen Schrittes die Strasse, um auf der anderen Seite direkt neben den Typen stehen zu bleiben, die immer noch mit dem Ausrauben ihres Opfers beschäftigt waren.
„Hey ihr Idioten!" schrie ich wütend und legte meinen Kopf schief, „was soll die Scheisse?! Geht verdammt nochmal nach Hause!"
„Und wieso sollten wir auf dich hören?! Willst du etwa die Nächste sein, Zicke?" fragte mich einer der drei Männer und grinste, was seine schmutzigen Zähne zum Vorschein brachte.
Ich verzog angewidert das Gesicht, blieb aber unbeeindruckt und erwiderte: „Das könntest du nicht mal schaffen, wenn du es wolltest, du Dreckskerl. Also versuch es besser gar nicht. Haut einfach ab bevor ich euch noch weh tun muss."
„Hast du kleines Ding etwa keine Angst vor uns? Willst du nicht zu deiner Mami?" nahm mich der grösste von den Dreien hoch und lachte über seinen eigenen Scherz, gemeinsam mit seinen ekligen Kumpanen. Sie kamen sich vor wie die Grössten, aber sie würden mickrig sein, wenn ich erstmal mit ihnen fertig sein würde.
Ich würde sie zerquetschen wie Fliegen.
„Nein, ich hab keine Angst vor euch," antwortete ich wahrheitsgemäss, „und wehe, du wagst es, noch einmal von meiner Mutter zu sprechen, dann passiert was. Jetzt lass ihn los!" Ich schaute zwischen dem Opfer und den drei Typen hin und her. Einer von ihnen hatte ihn immer noch an den Schultern gepackt und drückte ihn an die Wand. Das Opfer, ein vielleicht 25 Jahre alter Mann, sagte kein Wort.
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Gangs 2 - Lost Boys
Novela JuvenilCierra Foster hat vieles hinter sich, das sie lieber vergessen möchte. Aber selbst mit neuem Namen und neuem Wohnort muss sie lernen, dass man seiner Vergangenheit nicht so einfach aus dem Weg gehen kann...
