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MAXIM

                                     MAXIM

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(Triggerwarnung)

Das hohe Kreischen der verräterischen Ratte schnitt mir durchs Trommelfell, wie ein glühendes Messer durch heiße Butter. Das war der Teil meiner Arbeit, den ich wirklich verabscheute. Nicht das Foltern und Töten... nein, das war Teil der Jobbeschreibung und um ehrlich zu sein, nach gut zwanzig Jahren war das Ganze irgendwie in Fleisch und Blut übergegangen.
Nicht, dass ich es gerne tat, aber hin und wieder war bedauerlicherweise etwas Nachhilfe bei meinen Männern angesagt, wer hier verdammt noch mal der Boss war.
So auch in diesem Fall... mein bester Freund und Stellvertreter hatte gestern doch glatt einen Maulwurf erwischt, der sich brisante Infos über die Transportroute unserer nächsten Waffenlieferung für die scheiß Konkurrenz aus meinem Computer heruntergeladen hatte.
Und das schlimmste von allem: der Verräter war nicht mal ein einfacher Fußsoldat, nein... es war Sascha, einer meiner Bodyguards... an meiner Seite, seit ich die Bratwa vor fünfzehn Jahren von meinem Vater übernommen hatte.
Fünfzehn verschissene Jahre!
Und wofür?
Für ein bisschen Cash?
Denn keine andere Organisation, die etwas auf sich hielt, würde jemals einen Verräter in ihren Reihen aufnehmen, unabhängig welche Geschenke der Judas mitbrachte.
Sascha hatte also seine Integrität, seine Familie und sein Leben für ein paar Millionen weggeworfen... und ich war mehr als nur angepisst! Ich hatte dem Wichser vertraut... buchstäblich mit meinem Leben und nun sah ich äußerlich unbeteiligt zu, wie Diego - mein Mann fürs wirklich Grobe - Sascha langsam in kleine Stücke schnitt. Meine rechte Hand und engster Freund seit Kindertagen stand unbewegt von dem Geschrei und Gebettel neben mir und wischte sich die Blutstropfen mit einem feuchten Tuch von den Händen.
„Was ist, Pakhan? Bereust du den Tod dieses Stück wertlosen Abfalls?" Ich schnaubte verächtlich und warf Sergej einen spöttischen Blick zu. „Klar, und die Sonne geht im Norden auf! Das einzige, was ich bereue, ist, dass ich mir jetzt ernsthaft die Frage stellen muss, wem ich noch vertrauen kann. Sascha war fast mein halbes Leben lang an meiner Seite und hat mich dennoch betrogen! Das ist schon eine bittere Pille... Hast du eigentlich herausgefunden, an wen er die Infos verscherbeln wollte?"
Interessiert beobachtete ich, wie Diego just zum Zahnarzt umschulte und jetzt am noch lebenden Objekt die Extraktion der Beißer mit der Kneifzange probte. Sascha kreischte wie eine Todesfee in Ausbildung und Sergej schnauzte: „Himmel, reiß dich zusammen! Sonst brauche ich gleich eine Aspirin, weil dein Gejaule mir Kopfschmerzen verpasst!"
Ich schüttelte tadelnd den Kopf und sagte nachlässig: „Du musst den Ärmsten schon verstehen... wenn ein zweihundert Kilo schwerer Gorilla wie Diego auf deiner Brust hockt und völlig ohne Ausbildung an deinem Gebiss herumhantiert und du nicht mal eine Betäubung drin hast, kann es schon mal ein wenig zwicken. Hab etwas Verständnis..."
Sergej grinste böse und murmelte: „Ach, wenn es doch nur eine Moral in diesem ganzen Dreck geben würde... wie zum Beispiel: BESCHEIẞ DEINE FAMILIE NICHT! Uh, ich glaub, jetzt sind die Weisheitszähne dran. Hast du Ohropax, Chef? Ich fürchte sonst brennen uns gleich bei der Lautstärke alle Sicherungen durch!"
Kaum hatte mein Freund die Warnung ausgesprochen, erklomm die Tonlage von Saschas Geschrei neue Höhen. Immer für einen Witz gut zog der Spaßvogel neben mir ein Dezibel-Messgerät aus der Tasche und sah mich unschuldig an.
„Was?"
Ich schüttelte nur den Kopf. Diego stieg vom Brustkorb der Ratte und kam auf uns zu, während er die Sound schluckenden Kopfhörer abnahm.
„Wollt ihr eigentlich irgendetwas von dem Kerl noch wissen? Noch kann ich ihn fragen... als Nächstes wollte ich die Zunge herausschneiden. Danach ist mit reden nix mehr."
Ich sah zu Sergej und der zuckte mit den Achseln.
„Ich vertraue dem Wort eines Verräters nicht. Speziell dann, wenn er gefoltert wird und weiß, dass seine Zeit auf diesem Planeten ausgesprochen begrenzt ist. Zumal ich längst weiß, für wen die Infos gedacht waren." Ich hob eine Augenbraue und musterte das wimmernde Häuflein blutverschmierten Drecks.
Dann sagte ich: „Tob dich aus. Serge hat recht. Verrätern kann man nicht trauen. Nimm es mit deinem Handy auf und schick es als abschreckendes Beispiel an die Mitglieder der Organisation. Jeder von ihnen soll verstehen, was mit Menschen passiert, die unsere Bratwa hintergehen. Ach, und Sergej wird dir nachher den Namen derjenigen nennen, welche die Infos bekommen sollten. An die wird dann dieselbe Botschaft geschickt."
Diego salutierte und flittertete bereits intensiv mit dem hervorragend ausgestatteten Messerblock auf dem fahrbaren Metalltisch.
Mein Stellvertreter und ich verließen gleichzeitig den Raum, kurz bevor das Markt erschütternde Geschrei von vorne losging.
„Aspirin?"
Sergej und antwortete mit einem vergnügten Glucksen in der Stimme: „Nee, lass mal. Aber gegen ein Glas Wodka hätte ich jetzt nichts einzuwenden."
Ich verdrehte abermals die Augen... Russen und Wodka... Was für ein Klischee!
Grinsend öffnete ich die Tür zu meinem Büro und trat ein, schritt zur Bar und goss uns beiden ein Glas von dem stereotypischen Getränk ein.
„Auf die Familie!"
Ich hob mein Glas zu dem Trinkspruch und stürzte den Alkohol hinunter. Zufrieden seufzte ich, als das Brennen des Schnapses es durch meine Kehle bis in meinen Bauch hineinflutete.
„Also, lass hören... Wer könnte so viel Geld geboten haben, dass einer meiner ältesten Leibwächter mir in den Rücken gefallen ist?"
Sergej ließ sich in einen der Ledersessel plumpsen und drehte das Kristallglas zwischen den Fingern. "Das wird dir nicht gefallen, mein Freund." murmelte er, und ich setzte mich ihm gegenüber.
Das versprach, interessant zu werden... und mein Stellvertreter enttäuschte mich nicht, sondern sah mich aus seinen eisblauen Augen seltsam ruhig an.
„Er wollte die Infos den Smirnovs anbieten."
Ich richtete mich auf.
Echt jetzt?
Ausgerechnet den.
Der Familie meiner zukünftigen Frau Sarina Smirnov... Bratwaprinzessin, eingebildetes Püppchen und Fluch meiner Existenz. Seit Jahren schob ich die Heirat bereits vor mich her. Eine arrangierte Ehe, die unsere Großeltern beschlossen hatten und weder Sarina noch ich waren sonderlich angetan von dem Ganzen. Genauer gesagt hassten wir uns beide wie die Pest...

Aber ich befürchtete, dass ich das Ganze nicht mehr sehr lange vor mich hinschieben konnte. Erst gestern war meine Mama Ira aus Moskau angereist und hatte mir den Verlobungsring meiner Großmutter - Gott, hab sie selig - in die Hände gedrückt. Das ausgesprochen wertvolle Schmuckstück kam natürlich in Kombination mit einer liebevollen, mütterlichen Gardinenpredigt, dass ich doch allmählich für die nächste Generation zu sorgen hatte. Mit anderen Worten, meine liebe Mutter wollte unbedingt Enkel zum Betüddeln haben! Und mein hochgeschätzter Vater wollte, dass die Bratwa bei einem blutsverwandten Nachfolger in sicheren Händen war.
Was ich wollte, spielte keine Rolle...
Als treu sorgender und einziger Sohn hatte ich zu gehorchen.
Das Kästchen mit dem Ring stand auf meinem Schreibtisch und als wollte mich die Welt verhöhnen, fiel ein Lichtstrahl auf den lupenreinen fünf Karat schweren runden Diamanten im Prinzessschliff, der von zwei Sternsaphiren im Kissenschliff flankiert wurde. Das breite, mattiert gebürstete goldene Band, welches die drei wertvollen Steine hielt, zeigte mit seinem satten gelben Glanz von der hohen Qualität des Schmuckstücks.
Sergej folgte meinen Blick und verzog mitfühlend das Gesicht.
„Vielleicht kannst du Sarina nach der Hochzeit ja mit einer Kreditkarte aus Versehen an der Côte d'Azur verlieren.."
‚Das war definitiv mal eine Option', dachte ich seufzend und holte den Wodka, um diese Idee zu begießen..

Es begann mit einem RingWo Geschichten leben. Entdecke jetzt