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„Das ist vollkommen verrückt und das weißt du auch!", zischte Raphael mich an

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„Das ist vollkommen verrückt und das weißt du auch!", zischte Raphael mich an.
Frustriert warf ich die Hände hoch und fauchte leise: „Und was sollen wir deiner Meinung nach machen? Zulassen, dass Alessia und ihr Kind von meinen größenwahnsinnigen Eltern umgebracht werden? Ich mag ja die Tochter meiner Erzeuger sein, aber das bedeutet nicht, dass ich ihre Ansichten teile. Alessia ist eine süße und unschuldige junge Frau und das Kind? Das Kleine ist einfach nur Zucker. Und sie noch so jung, sie hat ihr ganzes Leben noch vor sich! Da kann ich einfach nicht wegschauen."
Mein Geliebter schüttelte den Kopf und spähte kurz um die Ecke, um sicherzugehen, dass wir nach wie vor alleine waren.
„Ich verstehe dich ja, Sarina. Wirklich, das tue ich. Ich will auch nicht, dass den beiden was zustößt und vor allem will ich nicht, dass du Maxim heiratest! Aber mal ganz ehrlich: Hilfe bei diesem Bastard zu suchen, meinst du nicht, dass das ein bisschen zu drastisch ist?"
Ja, vermutlich schon.
Aber mir ging die Optionen aus.
Genauer gesagt hatte ich gar keine Option ... es war entweder Maxim und seine Hilfe oder Helena und wahrscheinlich auch Rafael würden Alessia und dem kleinen Mädchen im Grabe Gesellschaft leisten.
Ich schüttelte den Kopf und ergriff Rafael Hände.
„Ich weiß, dass ich gerade viel von dir verlange. Du musst dich sprichwörtlich in die Hölle des Löwen begeben und wir beide wissen, dass die Chancen, dass dich der durchgeknallte Folterexperte ein wenig mit seinen Messern kitzelt, schon ziemlich hoch sind. Aber du musst Helena in Sicherheit bringen! Und sicher ist sie nur bei Maxim."
Raphael stöhnte.
Seine Frustration lag nicht an der Gefahr für sich selber, sondern an der Gefahr, in die ich mich sehr bald wieder begeben würde. Aber er wusste auch, dass ich recht hatte. Der einzige, der diese Hochzeit noch weniger wollte als mein Liebhaber und ich war nun einmal Maxim.
Denn der wollte Alessia.
Und dazu kam noch, dass er der einzige war, der es Macht-technisch mit meinem Vater spielend aufnehmen konnte.
Schließlich nickte er bedrückt und sagte: „Vielleicht kann ich deine Mutter morgen dazu überreden, dass Helena einen kleinen Ausflug mit mir macht. Ich kann der Alten sagen, dass wir nach einem Geschenk für deine Hochzeit suchen werden. So wie ich deine reizende Frau Mutter kenne, wird sie uns eine riesige Liste mit Juwelenwünschen mitgeben, die dich das Kotzen lehren werden."
Mir stieg bei dem Gedanken an das Geklunker bereits jetzt die Galle hoch.
Wenn dieser ganze Scheiß vorbei war, brauchte ich dringend Urlaub ... am besten irgendwo am anderen Ende der Welt, auf einer kleinen, einsamen und verlassenen Insel mit einem blütenweißen Sandstrand.
Oh, und mit Palmen und Cocktails.
Ja, ich wollte Cocktails, unbedingt!
Aber zurück zum Wesentlichen... realistisch betrachtet hatte der Plan meines Bodyguards Hand und Fuß. So sehr mich die Aussicht auf noch mehr protzigen Schmuck auch zum Reihern bringen wollte, so sehr wahrscheinlich würde das Vorhaben auch klappen.
Vor allem, wenn Raphael durchblicken ließ, dass er auch ein Geschenk für meine Mutter mitbringen würde.
Dieses geldgeile, materialistische Miststück konnte der Aussicht auf kostbare Geschenke niemals widerstehen.
Ein letzter Blick, ob wir nach wie vor alleine waren, dann packte Rafa mich und küsste mich so tief und innig, sodass ich die Sterne funkeln sah.
Wenn alles glattlief, würden wir beide vielleicht sogar eine Zukunft zusammen haben.
Träumen durfte Frau ja schließlich!
Als ich schließlich zurück in mein Zimmer ging - ich hatte 'ne Weile gebraucht, um meinen Verstand wieder zu ordnen, da mich mein Liebster in Grund und Boden geknutscht hatte - stellte ich gedanklich eine Liste zusammen.
Alessia war krank ...
Ich hatte das Pfeifen in ihren Lungen deutlich gehört und wusste, dass sie eine Riesenladung Medikamente brauchte, sehr viel Ruhe in einem möglichst trockenen Zimmer und ein treusorgenden Maxim, der wie eine Glucke an ihrem Bett saß und ihr das Händchen hielt.

Ich war alles andere als eine ausgebildete Medizinerin und so wusste ich nicht so recht, was ich ihr mitbringen konnte.
Denn zu meinem Hausarrest gehörte leider auch totales Medienverbot. Mit anderen Worten, die Minions meiner Mutter hatten nicht nur mein Handy und mein Tablet konfisziert, nein der Laptop war auch futsch. Somit war ein Recherchieren bei Tante Google bedauerlicherweise derzeit nicht möglich.
Helena brauchte ich gar nicht erst zu fragen, denn sie hatte keine elektronischen Geräte. Meine Mutter hatte immer gesagt, es wäre vergebene Liebesmüh'. Meine Schwester wäre sowieso zu dämlich, um einen Computer überhaupt nur einzuschalten.
Gott, wie sehr ich diese traurige Entschuldigung einer Mutter verabscheute!

Was ich aber wusste, war, dass Alessia dringend ein Aufputschmittel brauchte. Irgendetwas, was sie auf den Füßen und in Bewegung hielt, und sei jetzt auch nur für eine halbe Stunde.
Danach waren wir entweder tot oder bei Maxim und der hatte Zugang zu den besten Medizinern dieses Landes.
Und Kleidung ... Ja, warme Kleidung sollte ich auch mitbringen.
Und zumindest einen Pullover für das Mäuschen.
Ich hatte vorhin gesucht, aber ich hatte Chiara nicht finden können, und das machte mir echt Sorgen. Irgendwo musste die Kleine doch sein, ich weigerte mich zu glauben, dass sie dem Höllenloch bereits zum Opfer gefallen war.
„Sarina?"
Ich verdrehte stöhnend die Augen und wappnete mich, denn nur kurze Zeit später marschierte meine Mutter ins Zimmer und musterte mich skeptisch.
Getreu meinem Wort von gestern hatte ich mich dieses Mal tatsächlich aufgebrezelt. Ich trug wieder meine geliebten High Heels und war geschminkt wie eine Bordsteinschwalbe auf dem Weg zur Arbeit.
Zufrieden nickte das Muttermonster und sagte: „Gut ... das ist so wenigstens ein wenig annehmbar. Egal ... Ich wollte dir nur Bescheid sagen, dass das Familiendinner heute ausfällt. Dein Vater wird mich in den Sky Room ausführen. Ich gebe dir also hiermit die Erlaubnis, mit Helena heute gemeinsam zu Abend zu essen."
Wow!
Wo kam das denn her?
Hatte meine Mutter ihre sozialen fünf Minuten?
Hatte sie ihre Menschlichkeit wieder gefunden?
Oder gar ihre Seele?
Gut, das war alles sehr unwahrscheinlich.
Aber einem geschenkten Gaul schaut man nun nicht ins Maul!

„Morgen entscheiden wir dann über die finale Sitzordnung und ich habe noch ein paar Änderungen an den Blumenarrangements durchgeführt. Die wollte ich dir auch noch präsentieren. Und danach wirst du Maxim anrufen und auf die baldige Eheschließung drängen. Ende der Woche! Das sind vier Tage, die wir ihm noch zugestehen."
Ich seufzte scheinbar resigniert und nickte schließlich.
„Da ich ja sowieso nicht mehr aus der Nummer herauskomme, geb ich dir recht. Es wird Zeit, dass wir endlich Nägel mit Köpfen machen ... diese Warterei raubt mir echt den letzten Nerv! Und außerdem möchte ich echt gern mal wieder raus." stimmte ich dem Biest in den goldenen Jimmy Choos der Mailänder Sonderedition vor mir zu und Mamilein lächelte zufrieden.
Sie mochte es, wenn ich keine Widerworte gab. Insofern passten sie und mein Vater wirklich hervorragend zusammen.
Beides herzlose hardcore Narzissten wie aus dem Bilderbuch.
Meine Mutter tätschelte mir die Wange, eine Berührung, die ich fast gar nicht spürte - zu sehr war ich in meinen Gedanken versunken, dann entschwebte sie auch schon wieder.
So lobte ich mir doch die Besuche.
Kurz und knackig, aber vor allem ... KURZ!
Denn je weniger ich von diesem Miststück sah, desto besser war es für mein Nervenkostüm!
Allerdings nahm ich ihr Geschenk zum Anlass, postwendend meine sehr luxuriöse Gefängniszelle zu verlassen und in die Küche hinunterzulaufen.
Angeblich, um mit dem Chef de Cuisine das Menü für heute Abend abzustimmen, in Wahrheit sah ich mich aber unauffällig um. Ich brauchte Medikamente!
Schließlich fragte mich der Koch: „Fräulein Sarina? Suchen Sie etwas?"
Okay, ich war wohl nicht ganz so subtil, wie ich dachte.
Ich lächelte zerknirscht und murmelte: „Machen Sie sich keine Sorgen ... Ich hab nur ein bisschen Kopfschmerzen. Wissen Sie zufällig, wo die Aspirin sind?"
Mitfühlend betrachtete mich der englische Küchenchef, dann deutet er auf einen Schrank zu seiner Rechten, nur um sich dann wieder um seine Gemüsekasserolle zu kümmern.
Ich schlenderte betont gleichgültig zu dem besagten Schrank und ... wowsa!
Damit konnte man bestimmt eine halbe Armee versorgen. Neugierig nahm ich eine Tablettenschachtel heraus, auf der irgendwas mit Coffein geschrieben stand.
Muntermacher!
Jackpot!
Als ich nach Schmerzmitteln greifen wollte, ertönte die Stimme des Kochs: „Die lieber nicht. Das sind ziemlich starke Schlaftabletten. Nimmt deine Mutter immer nach Tagen, wenn dein Vater seinen Willen gegenüber den anderen Pakhans nicht durchsetzen konnte. Diese Dinger knocken dich für Stunden aus und dann wird aus deinem schönen Abendessen mit deiner Schwester nichts! Das dort sind die Aspirin."
Na, wärmsten Dank!
Für diese Information verzieh' ich dem englischen Schnösel auch, dass er mich gerade für zu dumm gehalten hatte, Aspirin zu erkennen.
Jetzt musste ich nur noch einen Weg finden, die Schlaftabletten Vaters Arme da unten einzutrichtern.
Das sollte doch wohl nicht so schwer sein, oder?

Es begann mit einem RingWo Geschichten leben. Entdecke jetzt