Wer hätte das gedacht?
Eigentlich war meine Planung doch so einfach.
Alles was ich wollte, war:
1. In Ruhe gelassen werden.
2. mir mindestens drei Katzen zulegen.
3. ja niemandem auffallen.
4. mich soweit wie irgendmöglich mich von meiner Alkoholi...
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Ok ... lasst es mich einmal zusammenfassen. Ich war definitiv nicht tot. Das war doch schon mal etwas ... und dem Himmel sei Dank hatte es mich nicht so schlimm erwischt, wie es zunächst ausgesehen hatte. Klar, ich hatte eine beeindruckende Sammlung an Hämatomen und Prellungen, von dem Blutverlust durch den Streifschuss will ich gar nicht erst reden. Oh, ja ... und da war die Gehirnerschütterung und Unterernährung. Aber ich war noch am Leben! Der ältere Arzt, der mich recht rigoros untersucht hatte, verordnete mir eine strenge Bettruhe, eine ausgewogene Ernährung und blätterte dann in den Unterlagen herum, die unter anderem meine Blutuntersuchungsergebnisse enthielten. Dann musterte er mich über den Goldrand der schmalen Lesebrille, hob eine Augenbraue und stellte mit seiner nächsten Aussage meine ganze Welt auf den Kopf. Nachdem er mich erneut (zum vermutlich zwanzigsten Mal) an absolute Bettruhe erinnert hatte, verließ er das Zimmer und ich war allein mit meinen verwirrten Gedanken.
Ich war schwanger ... SCHWANGER! Ich meine ... so was von schwanger ... An etwas anderes konnte ich gar nicht mehr denken. Und da Maxim der erste Mann in grob geschätzt drei Jahren war und zudem der einzige, mit dem ich Blödfisch es auch noch ungeschützt getrieben hatte, musste ich auch nicht lange überlegen, wer der glückliche Daddy war. Ich war also nicht nur schwanger ... Nope, es musste natürlich auch noch von einem Boss des organisierten Verbrechens sein. Abtreibung kam für mich nicht infrage. Klar, ich war pro Choice und ja, es würde garantiert nicht einfacher werden, neben Kiki auch noch ein zweites Kind großzuziehen, aber ich wusste, dass ich das irgendwie hinbekommen würde! Ich war jung, stark und schon bald wieder auf den Beinen. Zur Not würde ich mir das Baby auf den Rücken schnallen, während ich in irgendeinem Callcenter mir einen Wolf telefonierte. Kiara würde eine wunderbare große Schwester sein ... wir hatten soviel bereits hinter uns gebracht, eine Familienerweiterung konnte uns nicht das Genick brechen! Ich durfte nur dem besagten Boss des organisierten Verbrechens, nicht von der Schwangerschaft erzählen. Ich hatte so das Gefühl, dass Maxim da ganz sachte besitzergreifend reagieren würde.
Ein leises Klopfen unterbrach den wilden Strudel meiner durcheinander tanzenden Gedanken und dann streckte Sarina den Kopf ins Zimmer. „Hey ... Du bist ja doch wach", flüsterte sie und betrat den Raum, nachdem ich sie hereingebeten hatte. Sie setzte sich neben mich und spielte mit den Falten in der Bettdecke. „Es tut mir so leid!", wisperte sie kaum hörbar und sah schuldbewusst auf mich herab. Ich switchte den Schalter meiner inneren Stimme auf Off, damit etwas anderes als das Wort SCHWANGER mit diversen Ausrufezeichen Platz in meinem Kopf hatte und richtete meine Aufmerksamkeit auf die blonde Bratwaprinzessin. „Was meinst Du?", krächzte ich und Sarina reichte mir sofort einen Becher Wasser (das geschmolzene Eis von Maxim), welches ich dankbar und sehr gierig herunterstürzte. Meine Freundin nahm den leeren Becher wieder an sich und räusperte sich nervös. „Die Flucht ist ja nicht wirklich nach Plan verlaufen ..." Ich lachte ungläubig auf und fragte: „Was genau davon meinst Du denn? Der Teil, wo sowohl meine Kleine, als auch ich und auch Du noch am Leben sind? Oder dass wir frei sind? Klar, der Weg hierhin war ziemlich holprig, aber das war nun wirklich nicht Deine Schuld! Gemessen an den Umständen würde ich sagen, sollten wir für den Rest unseres Lebens jeden Tag eine Kerze in der Kirche anzünden, dass wir es da überhaupt an einem Stück heraus geschafft haben. Ohne Dich wären Kiara und ich jetzt tot. Ich werde das schon überstehen. Und meine Kleine auch. Und DU ebenfalls! Außerdem wurde nicht nur ich verletzt ... Dich hat's doch auch erwischt." Sarina winkte ab „Anscheinend haben unsere Schutzengel Überstunden geschoben, die Kugel hat nichts Lebenswichtiges getroffen. Sondern anscheinend nur leeren Raum. Ja, es hat ordentlich geblutet und ja, der Arzt sagt, ich solle mich die nächste Zeit erst mal ein bisschen ausruhen und am besten wilde Verfolgungsjagden für die nächste Zeit auslassen, aber alles in allem sind wir echt glimpflich davon gekommen, würde ich sagen." Erleichtert atmete ich auf. Wäre Sarina schlimmer verletzt gewesen, hätte ich mich nie wieder mit gutem Gewissen im Spiegel ansehen können.
„Hat Dr. Calvers gesagt, wie lange Du hierbleiben musst?" „Hm?" Anscheinend hatte das Miststück von innerer Stimme den Schalter gefunden und brüllte mir just immer wieder und interessanterweise in verschiedenen Sprachen zu, dass ich in etwa sieben Monaten ein winziges, krähendes Bündel an meine Brust drücken konnte. Sarina schmunzelte leicht und stich mir über den Handrücken. „Wo bist Du denn gerade mit Deinen Gedanken? Ich fragte, ob Du schon weißt, wann Du hier wieder raus kannst." Also, wenn es nach mir ginge, sofort! Ich war noch nie ein Fan von Krankenhäusern gewesen, und dieses sehr sterile Interieur schlug mir tierisch aufs Gemüt. Plus, ich wollte unbedingt mein kleines Mädchen wieder in die Arme nehmen. Oh, und natürlich meine Katze! Verdammt, ich wollte die nächsten Wochen einfach nur durch Schmusen. Ob das Vieh nun willig war oder nicht, war mir relativ egal! Doch dann fiel mir ein, dass ich keinen Ort hatte, wo ich hingehen konnte. Ich war mir sehr sicher, dass nach sieben Wochen ohne Miete meine Wohnung nicht mehr meine Wohnung war. Zumal ich bereits davor seit zwei Monaten mit den Zahlungen im Rückstand gewesen war. Zu Miss Miller zurückgehen, wäre jetzt im Moment vermutlich ein wenig zu umständlich. Ich wollte ihre Freundlichkeit sowieso nicht weiter ausnutzen. Sarina legte den Kopf schief, musterte mich und schien auf einmal zum Telepaten mutiert zu sein, denn sie sagte: „Also ... Deine kleine Maus ist ja im Moment bei Maxim und wird von ihrer neuen Oma betüttelt. Und ich bin mir ziemlich sicher, dass Dein geliebter heißer Bösewicht, Dich Neandertaler mäßig in seine Höhle schleifen wird. Gut, vielleicht nicht unbedingt schleifen, wohl eher dahin tragen, aber es kommt aufs Gleiche raus. Und ich glaub' nicht, dass Du im Moment da großartig mitreden kannst. Denn seien wir mal ehrlich, keiner von uns kann sich gegen Maxim Suderow durchsetzen, der mit seinem Dickschädel durch die Wand will!"
Das war nun wirklich nicht unbedingt das, was ich im Moment hören wollte. Denn würde ich einmal erst in diesem riesigen Nobelhobel Schuppen eingezogen sein, konnte ich mit ziemlicher Sicherheit sagen, dass ich da so einfach wahrscheinlich nicht wieder herauskommen würde. Speziell, wenn besagter Bratva Boss geschnallt hatte, dass ich sein Kind unterm Herzen trug. Wenn ich dann noch die nach Enkelkindern verrückte Mutter mit einbezog, war mir klar, dass ich sowas von am Arsch war. Andererseits ... wäre es wirklich so schlimm, wenn ich das Ganze, sage ich mal für einen Monat genießen würde? Ich meine, so wirklich konnte man einen Babybauch doch erst ab dem zweiten Trimester sehen. Und bis dahin war ich mit Sicherheit auf freiem Fuß und weit weg von New York und Maxim. Meine innere Stimme machte für einige Herzschläge lang Pause von dem ständigen, SCHWANGER-Gebrüll und sagte ziemlich hämisch: „Und wovon träumst Du nachts so, Mädel?" Nur, um dann wieder dazu überzugehen, diesmal auf Französisch, mir um die Ohren zu hauen, dass da etwas in meinem Uterus heranwuchs. Dem konnte ich tatsächlich nichts entgegensetzen ... Aber ... Ich war so müde. Die letzten Wochen in Gefangenschaft hatten mir viel von meinen Kraftreserven gestohlen, die, seien wir ehrlich, bereits von den Monaten nach Kathis Tod nicht mehr sonderlich ausgeprägt gewesen waren. Während ich noch so mit der Pro und Contra Liste beschäftigt war, von der die Pro-Liste eindeutig länger und länger wurde, wurden draußen Stimmen laut und dann flog die Tür regelrecht aus den Angeln. Sarina verdrehte die Augen, wandte den Kopf zu den drei Eindringlingen um und fauchte: „Echt jetzt, ihr dämlichen Dummdödel? Alessia hat eine Gehirnerschütterung! Meint ihr wirklich, dass es sonderlich hilfreich ist, wenn ihr laut durch irgendwelche Türen kracht? Sie braucht Ruhe! Viel davon! Und am besten das Ganze in einem komfortablen Bett, mit dicken, schweren Vorhängen vor den Fenstern, damit sich der Raum auch schön abdunkeln lässt. Wie zum Beispiel in Deiner Villa, Maxim!"
Echt jetzt? Mein Blick war eine Mischung aus genervter Gereiztheit und fassungslosen Unverständnis, den die blonde Schönheit nur mit einem breiten und frechen Grinsen beantworte. Sie neigte sich zu mir und flüsterte: „Sorry, meine Liebe, ich bin mir zwar ziemlich sicher, dass die Hochzeit zwischen mir und Maxim vom Tisch ist, aber ich will da keine Risiken eingehen. Der Kerl steht auf Dich und deswegen werfe ich Dich jetzt leider dem Löwen zum Fraß vor!" Sie beugte sich noch weiter vor, küsste mich auf die Stirn und erhob sich dann elegant. Kurz blitzte ein Hauch von Schmerz in ihren Augen auf, und eine Hand wanderte unwillkürlich zu der Stelle, wo sie vor gar nicht allzu langer Zeit eine Kugel getroffen hatte. Und das nahm mir augenblicklich den Wind aus den Segeln. Diese Frau hatte buchstäblich im Leben für mich riskiert, sich mit ihrer Familie überworfen, nur um mich und mein Kind zu retten – meine Kinder! Da konnte ich nicht böse sein. Der dunkelhaarige Russe marschierte auf mich zu, zupfte kurzerhand die Elektroden von meiner Brust, deutete auf den Infusionsständer und knurrte: „Sergej? Mitnehmen!" Dann hob er mich hoch und der Stellvertreter dackelte brav hinter uns her, den Infusionsständer vor sich herschiebend, während der riesige Muskelprotz und Sarina das Schlusslicht unserer Kolonne bildeten.