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Die Stille, die nun herrschte, war seltsam erdrückend

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Die Stille, die nun herrschte, war seltsam erdrückend ...
Der Geruch von Schießpulver und Blut lag in der Luft und ließ mich dezent vor mich hin würgen. Meine Gesichtsfarbe schien einen ungesunden Grünton angenommen zu haben und das wiederum schien mein kleines Mädchen echt wütend zu machen, denn nachdem sie mit tränenüberströmtem Gesicht mich frenetisch gestreichelt und mir immer wieder versichert hatte, dass Onkel Dego die bösen Menschen verhauen würde, erhob sie sich und marschierte, wie ein kleiner Rohrspatz schimpfend in den zerballerten Laden hinaus.
Ich tauschte einen entsetzten Blick mit Mutter Suderow und Sarina, dann krabbelte ich im Panikmodus hinter dem furchtlosen kleinen Ding her.
„KIARA! Was machst du denn? Komm sofort zurück! Du kannst dich nicht einfach ..." kreischte ich und erstarrte entgeistert, denn Kiki hopste auf der Brust eines Asiaten herum, der von einem sehr angepissten Gorilla von Bodyguard zu einer handlichen Salami zusammen geschnürt worden war.
„Du! Wolltest! Meiner! Mami! Wehtun!" fauchte sie dabei und ihre blonden Löckchen hüpften im Takt mit.
Diego stand stolz wie Oskar daneben und grinste wie ein moppeliges Kind, das für eine lange Nacht in Willy Wonkers Schokoladenfabrik eingeschlossen worden war.
„Äh ...", sagten Sarina und ich gleichzeitig und blinzelten wie kurzsichtige Eulen mit Gehirnerschütterung vor uns hin. Maxims Mutter hingegen seufzte mit einem breiten, strahlenden Lächeln, während sie zufrieden nickend dem wütenden Kleinkind zusah.
Sarina überwand ihre Entgeisterung als erste, zuckte mit den Achseln und meinte: „Auch 'ne Möglichkeit der Stressbewältigung!"

Dann trottete sie vor sich hin pfeifend zu Kikis neustem Trampolin und begann dessen Taschen zu filzen. Triumphierend grinsend zog sie ein dickes Bündel großer Geldscheine hervor und nahm sich den nächsten Eingeschnürrten vor. Als sie zurückkam, reichte sie der völlig aufgelösten Ladenbesitzerin ihre Ausbeute, die grob gerechnet vermutlich so um eine halbe Million betrug.
„Ein guter Anfang, Sarina," lobte Maxims Mutter. „Wenn die Renovierung und Wiederbeschaffung Ihrer Ware mehr kostet, so schicken Sie die Rechnung an Maxim Suderow.
Sie legte eine Visitenkarte zu dem Geldberg und sah dann zu mir. Ich hockte inmitten von Scherben, zerfetzten Fabrikaten delikater Seide und verschossener Munition und musste mir wohl oder übel eingestehen, dass mein Gehirn sich abgeschaltet hatte.
Das Einzige, was in Dauerschleife durch die gähnende leere Weite (inklusive im Wind davon rollenden Präriegras-Ballen) meines Kopfes lief, war das Lied von der Vogelhochzeit ...
irgendwie passend zur Location, das musste ich mir schon geben...

Das Quietschen von Reifen, welche beeindruckende Bremsspuren auf Asphalt hinterließen, holte mich halb aus meiner Umnachtung.
Bei der Vogelhochzeit war ich inzwischen bei den Finken angekommen und bemerkte nun leicht verwundert, dass meine Kleine sich neben mir zusammengerollt und ihren Kopf auf meinem Schoß gekuschelt hatte.
„Sing weiter, Mami ...", bettelte Kiki halb eingeschlummert und mir wurde klar, dass ich die ganze Zeit laut dieses alte deutsche Kinderlied gesungen hatte.
Auch Sarina und Maxims Mutter saßen im Schneidersitz neben mir, selbst die Wand aus schlechter Laune, Muskeln und Testosteron stand wieder schützend aufgereiht an der Tür.
Ein rasches Durchzählen offenbarte, dass wir anscheinend niemanden verloren hatten, was man von den Aggressoren jetzt leider nicht behaupten konnte.
Abgesehen von Kiaras Ex-Trampolin waren noch fünf weitere zusammengeschnürte Gesellen in einer Ecke des Ladens abgelegt worden, streng bewacht von Sarinas Liebsten Raphael, der mit einer fies aussehenden Knarre versuchte, Atemlöcher in diverse Schädeldecken zu bohren, so sauer war der Gute.
Die Toten waren säuberlich auf dem Gehsteig für die örtliche Abfallbeseitigung gestapelt worden ... man konnte der Suderow Bratwa ja viel vorwerfen, aber wenigstens räumten sie hinter sich wieder auf.
Einer der schrankartigen Riesen schwang sogar hier drin den Besen ... löblich!
Äußerst löblich!
Dann wichen die drohend dreinblickenden Leibwächter wie in einer gut einstudierten Choreografie auseinander und wie ein bis aufs Blut gereizter Stier stürmte Maxim mit gesenktem Kopf schnaubend in den Laden.
Dicht gefolgt von seinem Stellvertreter und Schatten höchstpersönlich.

„Alessia? Geht es dir gut? Mutter? Blondes Gift? Kleines Krümelchen?"
Es war schon fast amüsant, wie dieser professionelle Killer und Anführer einer ganzen Armee vor mir auf den Knien herumrutschte und mit fast zitternden Händen nach mir tastete.
„Finken!", brachte ich höchst verständnisvoll hervor und kraulte meinem kleinen Mädchen sanft den Rücken.
Verwirrt betrachtete Maxim mich und sah dann voller Panik zu seiner Mutter hin.
„Geht es ihr gut? Hat sie etwas auf den Kopf bekommen?" Mrs. Suderow schüttelte nur mit einem nachsichtigen Lächeln den Kopf und murmelte irgendetwas von Schock und Abschalten.
Scherzkeks Sergej kratzte sich verwirrt mit dem Lauf seiner Pistole an der Schläfe und ich hoffte doch sehr, dass er die Sicherung drin hatte, da wir sonst doch noch einen Verlust in unseren Reihen beklagen müssten. Bei dem Gedanken, wie sich der stellvertretende Waffenchef meines baldigen Verlobten vor lauter Zerstreuung selbst die Rübe wegballerte, fing ich hysterisch an zu kichern.
„Ja, seh ich auch so, Maxim, Sohn? Bring bitte deine Zukünftige auf dem direkten Weg ins nächste Krankenhaus, damit Dr. Calvers sie einmal durchcheckt und sichergeht, dass es auch dem Baby gut geht. Kiara, meine Süße ... möchtest du mit deiner Mami gehen?"
Die ältere Dame sah fragend auf das erschöpfte Kind in meinen Armen, und Kiki schüttelte den Kopf.
„Onkel Deeeegooo ...", jammerte mein Schatz und auch wenn es mir das Herz brach, dass sie lieber mit der wandelnden Waffenkammer gehen wollte, so verstand ich es irgendwie auch.
Ich bekam ja schon Angstschweiß-Ausbrüche, wenn er mich anfunkelte und das, obwohl ich wusste, dass er sich ohne Zögern zwischen eine Kugel und mich werfen würde ... wie sich da ein Bösewicht mit finsteren Absichten fühlte, wenn dem funkelnden Blick dann prompt ein ziemlich gut platziertes Wurfmesser folgte, wollte ich mir jetzt gerade nun echt nicht ausmalen!
Da blieb ich doch lieber bei der Vogelhochzeit ... Während Maxim mich hochhob, sang ich also als Nächstes die Strophe mit dem Drosselein und saß kurz darauf in der gepanzerten Limousine auf dem Schoß meines Baldigen und zerzauste seine Haare, während ich mit der anderen Hand an seinem Hemd herumfummelte.
Aus der alles verschlingenden Panik war nämlich ohne Umwege eine ziemlich tropfende Geilheit geworden, wenn ihr versteht, was ich meine.
Hey, ich habe nie gesagt, dass ich gerade zu irgendetwas fähig war, was auch nur ansatzweise nach rationalem Denken aussah.
Das, was ich wusste, war, dass mein kleines Mädchen bei einem Gorilla mit lockerem Abzugsfinger in Sicherheit war und wir alle eine Schießerei überlebt hatten und dass ich jetzt rattiger war als ein Knasti auf dem ersten Freigang nach zwanzig Jahren!

Dass der Kerl, an dessen Schoß ich mir gerade wie eine lüsterne Schlampe einen abschubberte, aussah, als käme er direkt vom Karl Lagerfelds Laufsteg, trug jetzt auch nicht unbedingt dabei, meine völlig außer Rand und Band geratene Libido in den Griff zu bekommen.
Was sich allerdings als echt lästig herausstellte, war, dass die russische Sahneschnitte nicht auf meine Avancen eingehen wollte!
Er war zwar buchstäblich spitz wie Nachbars Lumpi, allerdings holte er das Objekt meiner verzweifelten Begierde nicht raus.
Das trug nicht wirklich zu meiner Befriedigung bei, und ich wurde allmählich frustriert.
„Liebes ...!"
„Was?", fauchte ich zurück und triumphierte Sekunden später, als ich der Knopfleiste des schicken dunklen Armanihemdes den Gar ausmachen konnte.
Mit einem Stöhnen senkte Maxim seinen Kopf auf meine Schulter und knurrte leise: „Du solltest wirklich jetzt aufhören, meine schöne Diebin! Wir müssen erst sichergehen, dass es dir und dem Baby in deinem Bauch gut geht ... dann leg' ich dich mit Freuden auf der nächsten Krankenhausliege flach! Aber wir werden nicht jetzt hier im Auto ficken!"

„Na, wärmsten Dank dafür!" grummelte Sergejs Stimme säuerlich vom Fahrersitz her.
Upsiiii ... wir hatten Publikum ...
Mit Mühe und Not sammelte ich mich noch verhältnismäßig rechtzeitig, denn wir fuhren just am Krankenhaus vor. Hastig richtete ich mein Outfit und stieg äußerst ladylike aus dem Wagen, insofern zumindest, als man zerwühlte Sexhaare als ladylike betiteln konnte.
Maxim sah dagegen wesentlich mitgenommener aus, seine Haare in Halbacht-Stellung - von der beeindruckenden Erektion wollte ich gerade echt nicht reden - und die kläglichen Überreste des einst sehr teuren Hemdes flatterten um seinen muskulösen Körper herum.
Sahneschnitte trat auf mich zu, grinste breit und flüsterte mir ins Ohr:  „Du sabberst, Liebling!"
Dann legte er einen Arm um mich und dirigierte mich auf das wartende Personal zu. Sergej folgte uns kopfschüttelnd und brummelte sich irgendetwas von Hormonen und Sex besessener Mumu vor sich hin.
Konnte mir gerade echt nicht egaler sein!
Das Einzige, was mich durch den Untersuchungsmarathon bringen würde, war die Aussicht auf das versprochene Flachgelegt werden.

Und morgen würde ich meinen heißen Russen überreden, mir Waffentraining zu geben. So hilflos und panisch wie heute wollte ich mich nie mehr fühlen.
Der nächste, der meinen Kindern und mir Schaden zufügen wollte, würde sich echt flauschig anziehen müssen!

Es begann mit einem RingWo Geschichten leben. Entdecke jetzt