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In Erwartung meines durchgeknallten russischen Gefängniswärters kauerte ich mich zu einem kleinen Ball zusammen und versuchte verzweifelt, meinen Nervenzusammenbruch wieder in den Griff zu bekommen

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In Erwartung meines durchgeknallten russischen Gefängniswärters kauerte ich mich zu einem kleinen Ball zusammen und versuchte verzweifelt, meinen Nervenzusammenbruch wieder in den Griff zu bekommen.
Mit recht bescheidenem Erfolg leider ...
„Oh, Shit!" zischte eine Frauenstimme und leise Schritte eilten schnell an meine Seite. „Alessia? Hey, sieh mich an ..."
Tränenblind hob ich völlig verwirrt den Kopf und sah die besorgten Augen der blonden Frau aus dem Mexican Delight.
Meine Kaffeefreundin ...
Oh, Gott ... warum war sie nur hier?
War sie von dem Arschloch, welches mich weg geknüppelt hatte, ebenfalls entführt worden?
„Du musst hier weg! Was machst du denn nur hier? Wenn der Kerl dich hier findet ..."
Panisch versuchte ich Sarina davon zu überzeugen, dass sie sich in Sicherheit bringen sollte und wenn sie schon mal dabei war, gleich am besten einem S.W.A.T. Team verklickern, wo ich und mein Kind zu finden war.
„Schsch ... still, Lessa! Beruhige dich doch. Scheiße, Gott ... es tut mir so unfassbar leid."
Oooookay, was hatte ich jetzt nicht mitbekommen?
Warum und vor allem wofür entschuldigte sie sich denn?
Ich denke, meine Verwirrung war mir buchstäblich vom Gesicht abzulesen, denn Sarina seufzte leise, sah schnell über die Schulter und flüsterte dann hektisch: „Du befindest dich hier in den Kellerräumen meines Elternhauses. Ich fürchte leider, dass es mein verschissener Erzeuger war, der dich hier hat einsperren lassen. Weil Maxim ein Auge auf dich geworfen hat und das den Plänen meines Alten bedauerlicherweise entgegenarbeitet."
Entsetzt starrte ich die blonde Schönheit vor mir an. Diese Enthüllung hatte gereicht, um mich aus meiner Abwärtsspirale zu reißen und mein Geheule und Rumgestammel verstummten.
Ähm ...
BITTE WAS?
IN WELCHEM VERKACKTEN ALPTRAUM WAR ICH HIER DENN BITTE GELANDET?

Die wollten mich doch wohl verhohnepiepeln! Nur weil so ein größenwahnsinniger Dämlack nicht seinen Willen bekam, saß ich seit zig Tausend Wassertropfen in diesem Loch fest, ganz zu schweigen von der Entführung meines Babys?
Wer hatte dem Drecksack eigentlich ins Gehirn geschissen?
Oh, was war ich wütend und erleichtert stellte ich fest, wie viel besser dieser mörderische Zorn war! Wäre just in diesem Moment mein Kidnapper hereingeschlendert, hätte ich ihn umgehauen und den Scheißkerl dann ohne Probleme - und ohne Gewissensbisse - mit seinem eigenen Schwanz zwangsernährt! Sarina nickte zufrieden und wisperte: „Gut ... Wut ist besser als Angst! Ich muss jetzt wieder gehen, aber ich komme wieder, Alessia, hörst du? Ich hole dich hier raus! Du musst nur noch ein wenig länger durchhalten!"
Bevor sie sich abwenden und verschwinden konnte, packte ich ihren Arm und flüsterte schnell zurück: „Was ist mit Kiki? Sie ist auch hier!"
Das Gesicht der schönen Blondine verdunkelte sich merklich. Dann nickte sie mit zusammengepressten Lippen.
„Ich hab so was schon befürchtet! Das Miststück von Mutter hat gestern so einen Kommentar fallen lassen. Ich hab es nicht eher hier heruntergeschafft ... du wirst ähnlich gut bewacht wie Fort Knox! Aber ich kümmere mich darum. Um alles! Vertrau mir! Du versuchst, dich auszuruhen. Wenn ich wiederkomme, kann es sein, dass wir sehr schnell laufen müssen!"
Zögernd nickte ich und Sarina zog sich rasch ihre dicke Strickjacke aus und streifte diese mir über. Dann strich sie mir noch einmal aufmunternd über den Scheitel und schon huschte die Schönheit davon.
Sie ließ mich in der Dunkelheit zurück und ich schmiegte mich enger in die wärmende Merinowolle.
Zum ersten Mal, seit ich in der kalten Finsternis meines Gefängnisses aufgewacht war, stieg zaghafte Hoffnung in mir auf. Und mit diesem Glimmer Hoffnung, welcher nun mit Schlag meines Herzens pulsierte, befolgte ich die Anweisung Sarinas, wickelte mich enger in die warme Jacke und rollte mich auf der Decke zusammen.
Wenn Sarina zurückkam und Kiara und mir half aus diesem Höllenloch zu entkommen, würde ich bereit sein.
Und wenn ich hier herauskriechen musste!

Erneut polterten schwere Schritte auf meinen Kerker zu und ich wachte rechtzeitig auf, um die Strickjacke auszuziehen und sie unter der zerschlissenen Decke zu verstecken. Dann krachte die Tür in die Wand und die russische Mauer erschien in Rahmen.
„Hrallo, Blümchän ...!" schnarrte der Typ und irgendwie ahnte ich schon, dass es keine weitere Dusche geben würde.
Angst ließ mich zittern, was der Mann dem Himmel sei Dank auf die Temperaturen meines Schlaflagers zurückführte. Ein letzter Hauch von Stolz brachte mich auf die Füße, damit der Wichser nicht noch mehr Möglichkeiten hatte, mich gegen meinen Willen zu befummeln.
Als Antwort darauf bekam ich nur ein spöttisches Grinsen, dann er packte mich ohne viel Erlesenes am Arm und zerrte mich hinter sich her.
Ich stolperte bei seinem Tempo - nicht nur, dass der Kretin gut zwei Köpfe größer war und rund achtzig Kilo mehr an Masse auf die Waage brachte, er hatte darüber hinaus auch noch einen Stechschritt drauf, bei dem ich bereits hätte joggen müssen, wäre ich körperlich fit gewesen.
Und so war es nicht weiter verwunderlich, dass ich röchelnd wie ein sterbender Ackergaul auf dem Betonboden aufschlug, als der russische Kavalier mich in einen Raum stieß.
Sauerstoffzelt!
Ich brauchte ein Sauerstoffzelt!
Als sich die schwarzen Flecken in keiner Dicht wieder lichteten und ich etwas anderes wahrnehmen konnte, als das vorherrschende Bedürfnis, Luft in meine Lungen zu bekommen, sah ich auf.

Vor mir stand ein Mann, der ... ähm ... nun ja, sagen wir, er machte mir mehr Angst, als mit einer blutenden Wunde in haiverseuchtem Gewässer für einen Triathlon zu trainieren. Nicht, weil er ein Riese mit mehr Muskeln als Verstand war, nein ... es war andersrum.
Er war eher ein Normalo.
Nur wenig größer als ich, nicht sonderlich durchtrainiert, ein teurer Armani Dreiteiler mit goldener Uhrenkette verbarg den leichten Wohlstandsbauch.
Und doch rutschte mir das Herz in die Hose ... diesem Mann sah man an, dass mit ihm nicht gut Kirschen essen war, dass er den Begriff Skrupellos quasi erfunden hatte und er sah dabei so eingebildet und selbstverliebt aus, dass mir die Galle hochkam.
Wenn man im Brockhaus unter Narzisst nachschlug, würde dort vermutlich ein Bild dieses Arschlochs abgebildet sein.
Ohne dass er sich vorstellen musste, wusste ich einfach, dass er der Grund für meinen unfreiwilligen Aufenthalt hier war und er somit Sarinas Vater sein musste.
Oh, verdammt ...
Ich war ja sowas von am Arsch.
In den eisigen schwarzen Augen glomm eine derartige Bosheit, dass mein Fluchtinstinkt hart getriggert wurde.
Meine inneren Stimmen von Vernunft und Paranoia lagen sich wimmernd in den Armen und kreischten in einer Tonlage, die eigentlich nur noch für Hunde hörbar war, dass ich gefälligst meine Füße bewegen und mich so schnell verkrümeln sollte, dass nur noch eine cartoonmäßige Staubwolke zurückblieb.
Bitte, bitte ... bitte!
Wenn es einen Gott gab, so flehte ich ihn angstvoll um Kraft und Durchhaltevermögen an.
Und um Coolness ... tonnenweise davon!
Ich musste schlau sein und auf Zeit spielen, um Sarina die Möglichkeit zu geben, Kiki und mich hier herauszuholen.

Oder zumindest aber Kiara ... für den Fall, dass ich es nicht schaffen sollte.

Es begann mit einem RingWo Geschichten leben. Entdecke jetzt