Wer hätte das gedacht?
Eigentlich war meine Planung doch so einfach.
Alles was ich wollte, war:
1. In Ruhe gelassen werden.
2. mir mindestens drei Katzen zulegen.
3. ja niemandem auffallen.
4. mich soweit wie irgendmöglich mich von meiner Alkoholi...
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Völlig schockiert betrachtete ich die Stelzen, die Mama Suderow mir gerade ins Zimmer gebracht hatte. „Also die zieh' ich auf gar keinen Fall an!", stöhnte ich verzweifelt und beäugte die High Heels mit den gut fünfzehn Zentimeter Absätzen misstrauisch. Seien wir mal ehrlich, es würde genau einen halben Meter brauchen, damit ich mich so gewaltig auf das Näschen legen würde, dass man darüber noch Jahre später in den Klatschnachrichten lesen könnte. Angewidert hob ich mit spitzen Fingern einen der wirklich hübschen Schuhe auf und überlegte, ob ich den Absatz nicht einfach um die Hälfte verkürzen könnte, indem ich ihn spontan einer Handsäge vorstellte. „Alessia ... oh, wow! Das nenn' ich mal Schuhe!" Weswegen auch immer Sarina in mein Zimmer gekommen war, es war vergessen gewesen, nachdem sie die Mordwerkzeuge in meiner Hand gesehen hatte. „Die werden fantastisch mit dem Kleid aussehen! Ach, komm schon, du Brummelkäfer! Hast du eigentlich eine Ahnung, wie viel diese herrlichen Specialedition Schuhe kosten, die du gerade ansiehst, als hätten sie persönlich den dritten Weltkrieg begonnen? Über 5000 Dollar, meine Liebe! Lass mich raten, Maxims Mama hat sie dir geschenkt?" 5000 Dollar? Echt jetzt, 5000 Dollar! Da würde ich vermutlich zum Staatsfeind Nummer Eins erklärt werden, sollte ich den Absätzen mit einem Kürzungswerkzeug zu nah kommen ... echt ärgerlich!
Als wäre der Schuh eine abgerissene Handgranate, ließ ich ihn zu Boden plumpsen und entfernte mich rasch. Sarina schüttelte den Kopf, bückte sich nach den weißen, mit unzähligen Glitzersteinchen besetzten Tretern und sah mich belustigt an. „Du bist echt die einzige Frau, die ich kenne, die Angst vor Schuhen hat!" kicherte die Russin und ich schnaubte nur gereizt. „Das da, meine Beste, sind keine Schuhe! Das ist der Tod auf Stelzen! Ich hab ja schon im normalen Zustand barfuß oder in flachen Schuhen Probleme, nicht unfallträchtig daherzukommen ... jetzt überleg doch mal, was passiert, wenn ich in dem Monster von Hochzeitskleid zusätzlich auch noch diese Dinger da anziehe! Ihr wollt aber schon, dass ich den Gang zum Altar überlebe, oder?" Meine Freundin schüttelte nur den Kopf, kam zu mir rüber und legte mir einen kameradschaftlichen Arm um die Schulter. „Sieh es mal von der Seite: du hast noch genau zwei Tage Zeit. Das sollte doch ausreichen, um unfallfrei und elegant wie ein Engel schwebend in diesen Dingern eine Strecke von etwa hundert Metern zurückzulegen. Die Treppen hatte ich doch erwähnt, oder?" Äh, NEIN! Hatte sie nicht! Aber jetzt, wo sie mir das Bild so lebhaft in den Sinn gebracht hatte, stellte ich mir dann doch einmal vor, wie der Gang zum Schafott, will sagen, Altar in diesen Stöckeln ablaufen würde und mir wurde schlagartig blümerant. Ich wirbelte herum und überwand die Distanz zwischen mir und der Toilette in Rekordzeit. Nachdem ich das Frühstück wieder ans Tageslicht gebracht und mir völlig erledigt die Zähne geputzt und den Mund ausgespült hatte, wankte ich in mein Schlafzimmer zurück. „Alessia? Ist alles okay bei dir?" fragte Sarina besorgt, während sie geistesabwesend die Schuhe streichelte.
Ich deutete auf die Steine des Anstoßes in ihren Armen und knurrte: „Diese ... Schuhe ... kommen nicht auch nur in die Nähe meiner Füße! Ich habe mich breitschlagen lassen, dass Maxim mir ein Hochzeitskleid kauft, das teurer ist als alles, was ich je in meinem Leben besessen habe, aber hier ziehe ich nun echt mal einen Schlussstrich! Komm schon, Sarina ... wir beide wissen doch ganz genau, dass ich hundert Meter in diesen Schuhen nicht überleben werde! Und über die Treppen will ich gar nicht erst reden! Ich bezweifle, dass ich es weiter als zwei Schritte schaffe, bevor ich stolper' und mir an der Statue der Gottesmutter das Genick brechen würde. Außerdem hat man mir schon versprochen, dass ich weiße Sneaker anziehen darf!" Jetzt sah Sarina aus, als würde ihr schlecht werden. Mit Mühe und Not riss sie sich zusammen und wiegte die Glitzerschühchen beschützend in den Armen hin und her. „Zunächst einmal: Übertreib halt, und dann kannst du das doch unmöglich ernst meinen! Zu so einem Kleid kannst du keine Sneaker anziehen! Das ist ein Stilbruch, der nicht mehr zu verzeihen ist." Stilbruch hin oder her, ich legte Wert auf intakte Knochen! Und außerdem meldete sich jetzt mein Magen. Nicht etwa, weil ihm wieder schlecht war. Nö! Der Mistkerl hatte Hunger! Kein Wunder, wenn er seinen Inhalt gefühlt alle Stunden in dem nächstbesten Klo zu entsorgen pflegte! Von der positiven Seite betrachtet: Ich kannte inzwischen jeden Porzellanthron, Eimer und Mageninhalt aufnehmenden Pflanzenkübel in diesem riesigen Irrgarten von Supervilla!