Wer hätte das gedacht?
Eigentlich war meine Planung doch so einfach.
Alles was ich wollte, war:
1. In Ruhe gelassen werden.
2. mir mindestens drei Katzen zulegen.
3. ja niemandem auffallen.
4. mich soweit wie irgendmöglich mich von meiner Alkoholi...
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„Ich brauche noch ganz viel Schokolade!" Bei dem kindlichen Gepiepse schwoll mir merkwürdigerweise das Herz. Ich hatte mich nie für einen Kindermenschen gehalten, aber irgendwie hatte dieser winzige blondgelockte Wirbelsturm es geschafft, dass sich die gesamte Familie Suderow um sie gruppierte, wie Planeten um die verdammte Sonne. Ich lehnte mich gegen den Türrahmen und betrachtete amüsiert das niedliche und seltsam idyllische Bild, das sich mir da bot. Das kleine Mädchen balancierte mehr schlecht als recht auf einem hin und her wackelnden Küchenhocker, um dem ziemlich verunglückten Kuchen vor sich mit eimerweise flüssiger Schokolade ein glorreiches Finish zu verpassen. Mein Vater stand auf der gegenüberliegenden Seite der Kücheninsel vorn übergebeugt und achtete darauf, dass Kiki mit ihren weit ausholenden Armbewegungen nicht aus Versehen ihr Meisterwerk in die nächste Ecke beförderte. Meine Mutter flatterte derweil wie eine besorgte Glucke um die Kleine herum und achtete penibel darauf, dass der Hocker ja nicht zu sehr in die eine oder andere Richtung schwang. Der Küchenchef hingegen hatte anscheinend aufgegeben. Er saß, kreidebleich und mit zitternden Gliedmaßen in einer Ecke und bekam von unserer Haushälterin eine Papiertüte vor die Nase gedrückt, damit er nicht über ventilierte. Die Küche glich einem Schlachtfeld und das brachte den hochsensiblen Maître schier zu Verzweiflung.
Ein kurzer, scharfer Schmerz ließ mich nach unten blicken und dann sauste die nervige Mieze an mir vorbei, um bei meinen Eltern einen auf Liebkind zu machen. Autsch ... Moment ... war das etwa Blut? Da hatte mich das Vieh doch tatsächlich noch einmal im Vorbeilaufen gekratzt! Anscheinend hatte ich wirklich kein Händchen mit Katzen. Wie um das zu bestätigen, drehte sich das renitente Vieh einmal um und fauchte mich demonstrativ über die Schulter hin an, bevor es den Außenbordmotor anwarf und sich laut schnurrend um die Beine meines Vaters schlang. Und mein alter Herr überraschte mich völlig, als er sich hinabbeugte, um das Tierchen zunächst hinter den Ohren zu kraulen und dann auf Russisch anzugurren! Das einzige Mal im Jahr, wo ich meinen Vater mit einem Tier interagieren sah, war das Zusammentreffen mit seinem scharfen Jagdmesser und dem Truthahn auf der alljährlichen Thanksgivingtafel. „Rain", quietschte Kiki begeistert, die Katze miaute zustimmend und machte Anstalten, auf die Kücheninsel zu springen, was dem Koch augenblicklich einen halben Herzkasper verpasste. Die gute Seele unseres Haushaltes hatte Erbarmen, packte die protestierende Mieze am Nackenfell und setzte sie behutsam auf der Terrasse ab. Völlig verdutzt kauerte die Pelzkugel nun mit wild peitschendem Schwanz da und dachte sich vermutlich eine blutige Rache für uns alle aus!
Das kleine Mädchen schmollte, wedelte mit dem Schoko-beschmierten Löffel herum und rammte diesen dabei meiner Mutter ins linke Ohr. „Den nehm ich dann mal, Schätzchen!" flötete Mutter und strich Kiara über die blonden Löckchen. Dann erblickte mein Vater mich und röhrte einen Gruß, was Kiki direkt mit einem finsteren Blick in meine Richtung quittierte. „Er ist böse! Seinetwegen hat meine Mami geschrien! Bestimmt hat er auch meinem Geschwisterchen in Mamis Bauch weh getan!" grummelte das Kind und kippte den gesamten Topf mit geschmolzener Schokolade über der Kuchenruine aus. Völlig übereinstimmend in ihrer Bewegung hoben meine Eltern den Kopf und starrten mich an. „Sohn? Haben wir das richtig verstanden? Miss Baker ist schwanger? Bist du der Vater?" dröhnte Vater und Mutter klatschte bereits vor Aufregung in die Hände. Ich schlenderte in den Raum und nickte kurz. „Ja, Alessia ist schwanger ... Dr. Calvers hat es mir soeben bestätigt. Er holt gerade alles her, was er für einen Vaterschaftstest benötigt."