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Ich kochte immer noch vor Wut, während ich den Gang entlang eilte, um zum Zimmer meiner schönen Diebin zu gelangen

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Ich kochte immer noch vor Wut, während ich den Gang entlang eilte, um zum Zimmer meiner schönen Diebin zu gelangen.
Meine beiden besten Freunde folgten mir wie Schatten, hielten aber wohlweislich Abstand, da ich im Moment die Ausstrahlung einer abgerissenen Handgranate hatte.
Dennoch versuchte ich mich mit aller Gewalt zusammenzureißen, als ich den Raum betrat, in dem mein Mädchen untergebracht war.
Sie brauchte jetzt nun wirklich keine weitere Aufregung, sondern Ruhe und Sicherheit und ich versuchte wirklich, wirklich dies zu vermitteln.
Ein kurzer Blick aufs Sergej und mir war klar, dass es wohl bei einem Versuch bleiben würde. Ich war einfach viel zu wütend auf die Familie meiner werten Ex Verlobten.
Als ich den Raum betrat und meine Alessia sah, brodelte all der Zorn wieder in mir hoch.
FUCK!
Wie gerne würde ich jetzt meine Knarre nehmen und wahllos anfangen. Leute niederzuballern!
Ich mahlte so heftig mit den Zähnen, dass ich mir gedanklich eine Notiz machte, in naher Zukunft einen Zahnarzt aufzusuchen, um mir einen Knirsch-Schutz zu besorgen.
Jeder Muskel meines Körpers war völlig verkrampft und ich bin mir sicher, dass ich die ganze Zeit wie ein Schlosshund knurrte, den man seit drei Wochen auf eine Joghurt-Diät gesetzt hatte. Meine süße und wunderschöne Diebin sah aus, als wäre sie buchstäblich durch den Fleischwolf gedreht worden.
Man hatte sie gesäubert und die ersten Verbände umgelegt.
Sie war so blass geworden, so dünn. Tiefe Schatten lagen unter ihren Augen und ihre Haare ... diese wunderschönen Kastanienbraunen Locken waren verfilzt und völlig verdreckt.
Auch wenn ich den Schatten ihrer einstigen Schönheit noch erkennen konnte, hatte sie dann doch mehr Ähnlichkeit mit einer lebenden Toten.
Und ich beschloss hier und jetzt, dass ich keinerlei Zurückhaltung dulden würde, wenn es um die Bestrafung ihrer Entführer ging. Diese Bastarde würden sterben, langsam und qualvoll und jede Sekunde dabei ihre Existenz verfluchend.

Was mich allerdings wirklich überraschte war, dass Sarina an Alessias Bett saß und eine der mageren kleinen Hände hielt.
Als ich eintrat, fuchsteufelswild wie ein Drache, dem jemand seinen Schatz unterm Arsch weggeklaut hatte, sah sie auf und ich konnte den gleichen abgrundtiefen Zorn auch in ihren Augen leuchten sehen.
Anscheinend waren wir nun zum allerersten Mal auf derselben Wellenlänge.
„Ich werde deine Eltern nicht verschonen", sagte ich und trat an die andere Seite des Bettes.
„Gut!", antwortete sie und wandte ihre Aufmerksamkeit wieder der Bewusstlosen zu. Erstaunt hob ich eine Augenbraue und warf einen entgeisterten Blick zu meinen Freunden.
Okay, das war eine Wendung, die ich nicht hatte kommen sehen.
Normalerweise hielten die großen Familien der Syndikate sehr eng zusammen.
Dass eine Erbin sich derart von ihrer Verwandtschaft abgewandt hatte, war ein Novum.
„Ich werde es nicht schnell machen", warnte ich sie und Sarina zuckte nur mit den Achseln.
„Sie haben meine Loyalität schon vor Jahren an dem Tag verloren, an dem sie gedroht haben, Helena etwas anzutun. Und jetzt waren meine Eltern nicht nur so dämlich, dich mit der Titel Aneignung des Pakhan zu brüskieren - was allein schon ein Todesurteil ist - sie haben darüber hinaus noch eins der niedlichsten Kinder unter dieser Sonne entführt und wochenlang im Dunkeln eingesperrt. Das kann ich nicht verzeihen. Es ist mir also völlig egal, was du mit ihnen anstellst. Aber tu mir bitte einen Gefallen ... bevor du ihnen den Rest gibst, lass sie wissen, wie groß meine Rolle in ihrem Niedergang war. Ich möchte, dass meine Alten wissen, wer für ihren Fall verantwortlich war."
Verdammt!
Das war heiß!
Würde es meine kleine Diebin nicht geben, hätte ich die Hochzeit mit DIESER Sarina doch tatsächlich in Erwägung gezogen.

„Nicht, dass ich nicht schon angepisst wäre, aber würdest du mir bitte einmal ganz genau in allen Details erzählen, in welchem Zustand du den kleinen süßen Engel gefunden hast. Ich möchte mich so richtig schön in Stimmung bringen, bevor ich meine ganzen neuen Spielzeuge ausprobieren", knurrte Diego und ließ seine Fingerknöchel knacken ...
Ein leises Stöhnen von Alessia beendete vorerst die Konversation und Sarina strich sanft über ihre eingefallene Wange.
„Ich lass' euch zwei dann mal allein! Diego, wir beide können uns ja draußen auf dem Gang einmal ausführlich unterhalten."
Mein Chef Folterknecht grinste zufrieden, nickte einmal in meine Richtung und packte Sergej, um auch ihn aus dem Raum zu schieben.
Dann fiel die Tür zu und ich war mit meiner Frau allein.

Ihre Wimpern flatterten und mühsam öffnete sie ihre wunderschönen Augen. Ich trat an ihr Bett und beugte mich über sie.
„Hallo, meine kleine Diebin", sagte ich leise und fuhr mit dem Daumen sanft über die hervor tretenden Wangenknochen.
„Du dachtest wohl, du könntest dich einfach so davon stehlen, hm? Rate mal ... das werde ich nicht zulassen! Du gehörst an meiner Seite. Und ich werde dieser Stadt beweisen, was es für Konsequenzen gibt, wenn man dich in irgendeiner Form verletzt."
Alessia Atem kam rasselnd und fast mühsam und als sie dann sprach, war ihre Stimme heiser, was mich dazu veranlasste, mit zwei Schritten an der Tür zu sein, diese aufzureißen und einfach nur das Wort: „EIS!" in den Flur zu brüllen.
Dann kehrte ich an Alessias Seite zurück und ließ mich auf der Bettkante nieder.
„Was ist mit Kiki? Geht es ihr gut? Habt ihr sie gefunden?"
Beruhigend ergriff ich ihre herum tastenden Hände und antworte leise: „Mach dir keine Gedanken, Onkel Dego hat sie sicher zu mir nach Hause gebracht. Sie ist gerade bei meiner Mutter und wird vermutlich verwöhnt wie eine kleine Prinzessin. Es geht ihr gut! Sobald du wieder auf dem Damm bist, werden wir zu ihr gehen."
Tränen der Erleichterung füllten ihre großen Augen, und sie schluchzte leise auf.
„Es geht ihr gut?", wimmerte meine Süße. Ich nickte nur.

„Es geht ihr gut! Oh, danke ... Ich danke dir so sehr! Geht es Sarina auch gut? Sie wurde angeschossen! Wurde sie schon operiert?"
Gott, verstehe einer diese Frau! Ihr ging es selbst extrem beschissen, dennoch galt weder ihr erster und noch ihr zweiter Gedanke ihrer eigenen Gesundheit und wäre ich nicht längst fest entschlossen, sie zu heiraten, in diesem Moment hätte es bei mir Klick gemacht.
Diese Frau war Premium Heiratsmaterial.
Sie wird eine großartige Pakhan Ehefrau und eine wunderbare Mutter für all unsere Kinder abgeben. Mir war längst klar, dass meine Mutter zu einer alles verschlingender Supernova mutieren würde, sollte ich ihr das just frisch gefundene Enkelkind wieder entziehen, also traf ich in diesem Moment die Entscheidung, dass ich Kiara adoptieren würde.
Sie würde mit allen Privilegien aufwachsen, mit allem, was ihr Herz begehrte und verdammt noch mal, wenn sie Diego als eigenes privates Kuscheltier haben wollte, dann würde sie das auch bekommen.
Ich wollte das ganze Paket - Frau und Kind. Und ich würde Himmel und Hölle in Bewegung setzen, um genau dies zu bekommen.

Ein leises Klopfen unterbrach meinen wilden und besitzergreifenden Gedankengang, dann öffnete sich die Tür und mein Stellvertreter kam mit einem kleinen Eimer Eiswürfel ins Zimmer.
„Doktor Calvers ist eingetroffen. Er wird jeden Moment hier sein, um Alessia zu untersuchen ..." murmelte er mir ins Ohr und ich nickte geistesabwesend, während ich mit einem Stück Eis zunächst die spröden Lippen meiner baldigen Frau befeuchtete und ihr das gefrorene Nass dann sanft in den Mund zum Lutschen schob.
Eis war besser ... es stillte den Durst zwar langsamer, aber da ich nicht wusste, ob sie innere Verletzungen hatte, wollte ich meinem Liebling keinen ganzen Becher Wasser in die Kehle gießen.
Es klopfte erneut und dann betrat Dr. Alex Calvers den Raum.
Der Mann war in seinen späten Fünfzigern und hatte eine unfassbare Präsenz. Ganz so, als würde permanent ein Flutlichtwerfer auf ihn gerichtet sein ... und der alte Mistkerl wusste das natürlich.
„Maxim ...", trocken begrüßte er mich, nur um mich eine Sekunde später mit ein paar gewählten Worten aus Alessias Zimmer zu werfen.
Um da einmal zu zitieren: „Ich brauche hier Ruhe und keine durchdrehende Russen, die bei der geringsten Bewegung Waffen ziehen und einen auf John Wick machen! Also raus, lauft von mir aus in der Stadt Amok, aber lasst mich gefälligst arbeiten!"
Serge begleitete mich, nachdem ich dem Arzt gekontert hatte, dass ich nichts weiter erwartete, als dass er an meiner Zukünftigen eine Wunderheilung vollziehen würde. Eventuell fiel auch der Begriff „Sohn einer ungefütterten Bergziege mit Gottkomplex"

Kaum hatte sich die Tür hinter uns geschlossen, schob mich der immer noch wiehernde Sergej über den Flur, die Lachtränen liefen ihm über das Gesicht und so trafen wir draußen auf dem Parkplatz auf den vor Wut schäumenden Diego.
Er steigerte sich sehr gewissenhaft in seine Folterlaune hinein, indem er dezent cholerisch auf der Motorhaube eines fetten SUVs herumhüpfte und dabei Obszönitäten brüllte, bei denen selbst mir leicht blümerant wurde.

Als mein Mann fürs Grobe uns sah, sprang er mit einem gewaltigen Satz die drei Meter zu uns hinüber und fauchte: „Können wir endlich?"
Jepp ... Konnten wir ... Aber so was von!

Es begann mit einem RingWo Geschichten leben. Entdecke jetzt