Wer hätte das gedacht?
Eigentlich war meine Planung doch so einfach.
Alles was ich wollte, war:
1. In Ruhe gelassen werden.
2. mir mindestens drei Katzen zulegen.
3. ja niemandem auffallen.
4. mich soweit wie irgendmöglich mich von meiner Alkoholi...
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Zum ersten Mal seit Tagen schlief Kiara durch die Nacht - dank sei dem Fiebersaft. Von dem restlichen Geld hatte ich gestern noch frisches Gemüse und Kartoffeln gekauft und meiner Kleinen einen kräftigen Eintopf gekocht. Es sogar genug für uns beide gewesen, sodass auch ich gesättigt in Ruhe hatte schlafen können. Bevor ich mich jedoch in Morpheus Arme begeben hatte, hatte ich den Ring unter einer Bodendiele bei der Heizung im Wohnzimmer versteckt. Einen so wertvollen Gegenstand ließ doch niemand mit klarem Verstand einfach so irgendwo herumliegen! Laut schnurrend kuschelte sich Rain zwischen uns, rieb ihr Köpfchen an der Nase von Kiki und schlug mir mit dem wild hin und her wedelnden Schwanz in Gesicht. Jepp... Der Pelzträger war nachtragend und hatte mir anscheinend immer noch nicht den Einzug des Kindes noch die rasch versiegte Leckerli Quelle verziehen. Ein Klingeln riss mich Stunden später sehr unsanft aus den süßesten Träumen seit langem. Grummelnd tastete ich nach dem Handy - in dem Bestreben, es aus dem Fenster zu befördern! „Maaaauuuu!" Wie schon mal erwähnt, hasste es die Fellkugel wie die Pest geweckt zu werden. Also marschierte die Mieze ohne Rücksicht auf Verluste einfach über mein Gesicht und erwischte das bereits ramponierte Telefon vor mir. Mit einem wütenden Tatzenhieb beförderte Rain die Quelle des störenden Geräusches unter die Kommode, machte einen Buckel und fauchte warnend. Großartig... jetzt musste ich wohl oder übel doch aufstehen, denn leider hörte das Handy trotz seiner Zwangsverlegung auf den Boden nicht auf zu klingeln. Genervt wickelte ich mich also aus meiner Decke und angelte drauflos. Dabei fiel mir auf, dass ich dringend mal wieder unter der Kommode Staub wischen musste... ein paar Wollmäuse zwinkerten mir nämlich schon freundlich zu.
„Alessia? Du musst unbedingt heute arbeiten kommen! Gestern waren so ein paar Gestalten da, die hier nur Chaos angerichtet haben. Bitte, ich brauche dich dringend!" „Val? Nun mal langsam mit den verschlafenen Pferden! Es ist noch früh am Morgen!" „Wir haben bereits elf Uhr!" Ups ... Da hatte ich Schlaf wohl dringender nötig gehabt, als gedacht ... „Alessia? Wie sieht's denn jetzt aus?" Nochmal ups ... Jetzt hatte ich auch noch vergessen, dass ich Valeria an der Strippe hatte. „Ähm, klar ... Ich muss nur einmal Kiki wecken, um ihr das klarzumachen. Und ich kann auch wieder nur für ein paar Stunden." Meine Chefin seufzte am anderen Ende der Leitung und warf noch ein „Beeil dich, bitte!" ein, bevor sie auflegte. Ich streckte mich und verabschiedete mich von der Vorstellung, den Tag mit Kiara im Bett zu verbringen, ging ins Badezimmer und nahm eine rasche Dusche. Nachdem ich mich abgetrocknet und mir die Zähne geputzt hatte, ging ich zum Schrank und holte mir schnell Unterwäsche, eine Hose aus schwarzem Jersey und eine dunkelblaue Carmen Bluse raus. Ich zog mich an und trat ans Bett. Rain hatte meine Abwesenheit schamlos ausgenutzt und mein Kopfkissen in Beschlag genommen. Das Vieh war nun in mehrfacher Hinsicht sauer auf mich. Nicht nur, dass sie unsanft aus ihrem Schönheitsschlaf gerissen worden war, nein, sie musste anscheinend (schon wieder) als Babysitter herhalten und verdoppelte im Geiste bereits ihren Stundenlohn.
„Kiara? Schätzchen, wach auf", flüsterte ich und die Kleine öffnete mit einem verschlafenen Piepsen die Augen. „Tante Lessa? Wasn los?" murmelte mein Mäuschen und gähnte herzhaft. Ich lächelte zärtlich und schob ihr vorsichtig das Fieberthermometer ins Ohr und maß nach. Das Fieber war gesunken ... Oh, Gott sei Dank! Dennoch hatte Kiki immer noch erhöhte Temperatur. Ich gab ihr die nächste Dosis Fiebersaft und Vitamine. „Ich muss nochmal arbeiten gehen, Baby. Aber diesmal bin ich schneller wieder da, versprochen!" Sofort füllten sich die Kinderaugen mit Tränen. Aber Kiara nickte tapfer und schlang die dünnen Ärmchen um mich. Ich hob die Kleine hoch und trug sie in die Küche. Dort nahm ich meine Überraschung aus dem Kühlschrank. „Kakao!", krächzte Kiki überglücklich. Ich lachte leise, füllte eine Tasse und stellte diese in die Mikrowelle. Dann holte ich die kleine Packung Marshmallows raus und gab alle in den warmen Kakao. Voller Freude beobachtete ich, wie mein süßes Mädchen zufrieden die heiße Köstlichkeit schlürfte und dabei vergnügt mit den Beinchen wackelte. Dann machte ich ihr noch eine Schale Eintopf warm und sah zu, wie sie auch diesen verdrückte. Kiara gähnte nun gesättigt erneut, also ich brachte sie ins Bett zurück und deckte sie zu. „Schlaf noch ein bisschen, mein Schatz. Dann bin ich im Handumdrehen auch wieder zurück." Mein Mäuschen nickte und griff wieder nach dem lebenden Kuscheltiger. Ergeben maunzend sah Rain mich an und leckte dann schnurrend über die Nase des Kindes. Einen Moment genoss ich das friedliche Bild, dann zog ich mir meine Vans an, legte das Handy wieder neben Kikis Kopfkissen und schnappte mir meine Handtasche und eilte zum Mexican Delight.
„Whoa ... welche Bombe ist denn hier eingeschlagen?", murmelte ich und sah stirnrunzelnd auf das Chaos. Tische und Stühle waren umgekippt, die Theke war ein einziges Durcheinander und inmitten der Unordnung stand Valeria und schwang gemeinsam mit Daddy P emsig die Besen. Ich hob kurz grüßend die Hand, stürmte zur Bar und begann dort aufzuräumen. Nachdem alles wieder an seinem Platz war, füllte ich einen Eimer mit Putzwasser und holte mir einen Mopp. Beschwingt feudelte ich drauflos und nach einer Stunde intensiven Aufräumen und Saubermachen strahlte das Diner wieder im alten Glanz. Daddy P nickte zufrieden und trabte in die Küche, um den Herd anzufeuern, während Val sich zu mir umdrehte und erleichtert den Putzlappen in den Eimer plumpsen ließ. „Gott ... was für ein Chaos. Und ich hab noch nicht mal eine Ahnung, warum das passiert ist. Da fällt gestern 'ne Horde unhöflicher Russen ein und stellt alles kommentarlos auf den Kopf! Und die ganze Zeit starren die mich an, als hätte ich denen höchst persönlich in ihre Suppe gepinkelt." Ich konnte nur hoffen, dass es nichts mit diesen zwei Nervtussen, die uns gestern die Ehre gaben, zu tun gehabt hatte. Ich wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, da kam Pablo aus der Küche gewuselt, das Restauranttelefon in der Hand. „Alessia, Kiara am Apparat." Eisige Angst durchzuckte mich.
ES WAR ETWAS PASSIERT!
„Kiki? Was ist los?" fragte ich panisch, sobald ich das Telefon in der Hand hatte. „Tante Lessia ... da ist jemand in der Wohnung", flüsterte meine Kleine ängstlich in den Hörer, im Hintergrund konnte ich das schrille Kreischen der Katze hören. „Versteck dich unterm Bett, ich bin auf dem Weg!" zischte ich, wirbelte herum und rannte los. Daddy P und Valeria schrien irgendwas hinter mir her, doch ich konnte mich auf nichts anderes mehr konzentrieren als auf mein Kind. Auf die intelligente Idee, die Polizei zu rufen, kam ich vor lauter Angst nicht einmal. Stattdessen wetzte ich die Straßen entlang und nackte Furcht trieb mich dazu noch schneller zu laufen. Und so gelangte ich in Rekordzeit zu meinem Appartementkomplex. Auf den klapprigen Fahrstuhl zu warten, konnte ich nicht, daher eilte ich die Treppe hinauf und kam japsend und fertig wie ein Brötchen in meinem Stockwerk an. Selbst aus der Entfernung, im schummerigen Licht der Flurbeleuchtung konnte ich sehen, dass die Tür zu meiner Wohnung offen war. NEIN ... Oh, Gott ... bitte nicht!
Ohne mich um mein eigenes Leben zu sorgen, platzte ich in mein Appartement, welches vollkommen auf den Kopf gestellt worden war. Die Möbel waren umgeworfen, Polster und Kissen aufgeschlitzt und der Inhalt aller Schränke war rücksichtslos auf dem Boden verteilt. „KIKI!" Panisch raste ich ins Schlafzimmer, welches genauso aussah, wie der Rest der Wohnung ... Ich warf mich auf den Boden, um unter das Bett zu schauen, doch ... nichts ... Rasch kam ich wieder auf die Füße und drehte mich heulend um mich selbst. „Baby? Bitte meld dich! Kiara? Komm doch raus, mein Liebling! Bitte!" Die Tränen strömten nur so über mein Gesicht und verschleierten meine Sicht. „Mauuu ..." Mein Blick flog zur Seite und hinter dem Vorhang, der nur noch halb in der Schiene hing, linste meine Katze hervor. Rain zitterte am ganzen Körper, sprang mir regelrecht in die Arme und versuchte unter meine Bluse zu krabbeln. Vollkommen starr stand ich mitten in dem Chaos, die Arme um die bebende Mieze geschlungen und bemühte mich meine in panischer Angst durcheinander schreienden inneren Stimmen zum Schweigen zu bringen, um mir die wichtigen Fragen zu stellen ... Wer? Wie? Warum? Und wo? Ich schwankte ins Wohnzimmer und mein Blick fiel auf die Heizung. Der Ring? War es das? Ich sank auf die Knie und schob die Diele zur Seite. Er war immer noch da ... Falls der Einbrecher hinter dem Schmuckstück her gewesen war, hatte er ihn zumindest nicht gefunden. Und ich könnte den Ring nutzen, um ihn gegen Kiara einzutauschen ... Ich musste nur herausfinden, wer mein Kind mitgenommen hatte und vor allem: wohin! Da schrillte der Ton einer eingehenden SMS durch die fassungslose Stille. Immer noch betäubt, suchte ich in den Trümmern meines Lebens nach dem Handy. Und als ich es schließlich fand und die Nachricht öffnete, stand dort:
Wir haben dein Kind. Bring den Ring noch heute an folgende Adresse: 52th Park Lane Drive, NY Komm allein, keine Tricks.
Also gut. Ich komme, Kiara. Halte durch und Gnade diesen Bastarden, wenn sie dir auch nur ein Haar gekrümmt haben!