Kapitel 5

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- Jimmy -

Gott, so etwas erniedrigendes habe ich in meinem gesamten bisherigen Leben noch nie tun müssen. Da habe ich mich ja lieber in Frankreich in der Metro von irgendwelchen Leuten voll motzen lassen, die sich von unserer Musik gestört gefühlt haben. Und das ist in der ganzen Zeit nicht nur einmal vorgekommen. Nicht nur einmal mussten wir unseren Standort wechseln, weil uns Passanten die Polizei auf den Hals gehetzt haben. Aber das gerade? Das war echt eine Nummer für sich. Ich hätte nicht gedacht, dass meine Geschwister irgendwann Partei ergreifen und dann auch noch gegen mich stimmen. Reicht es denn nicht, dass Kathy und John diese Leo hier angeschleppt haben? Nein, jetzt hockt sie seit Tagen in unserem Gästezimmer und lässt sich so gut wie nie blicken. Was ich leider zugeben muss ist, dass sie mir mit der Post echt eine große Hilfe war. Alleine würde ich wahrscheinlich jetzt noch sitzen. Gebe ich das meinen Geschwistern, vor allem John gegenüber zu? Natürlich nicht! Irgendwie wäre ich schon damit fertig geworden. Hätte ich eben eine Nachtschicht eingelegt.

Was ich zugeben muss ist, dass es schon irgendwie niedlich war, wie Leo mich heute Nachmittag versucht hat zu verteidigen, als klatschnass wieder im Flur stand. Ich habe ihr nicht aufgetragen, die Briefe wegzubringen und meinen Kram wegzuräumen. Nach dem langen Nachmittag am Tisch wollte ich nur schnell auf's Klo und mir kurz die Beine vertreten und als ich wiederkam war der Tisch komplett aufgeräumt, die Briefe verschwunden und von Leo fehlte jede Spur. Sie ist also aus freiem Willen zur Post gegangen. Ich habe nur eine Bemerkung gemacht, dass die Briefe möglichst schnell zur Post müssten. Ist doch nicht mein Problem, wenn sie das in den falschen Hals bekommt und sofort losrennt.

Genau so habe ich es versucht John zu erklären, aber mein Bruder hat mir kein Wort geglaubt. Er reagiert eh etwas empfindlich, wenn es um Leo geht. Man man mich fragen würde, würde ich glatt behaupten, dass er etwas von ihr will. Naja, kann mir ja egal sein. Den besten Geschmack hatte mein großer Bruder noch nie. Ich werde ihm definitiv nicht im Weg stehen.

Als ich am nächsten Morgen aufwache ist es totenstill im Haus. Meine Geschwister sind echte Langschläfer. Obwohl ich wahrscheinlich auch nochmal einschlafen würde, schlage ich die Decke zurück und ziehe mir frische Klamotten über. Nur in Socken, um auf der Treppe keinen Lärm zu machen, gehe ich nach unten in die Küche. Vielleicht beruhigt sich meine Familie ja wieder, wenn sie aufstehen und der Frühstückstisch fertig gedeckt ist. Doch mein Plan wird durchkreuzt. Denn als ich in die Küche komme riecht es bereits nach Kaffee und der Tisch ist für zehn Personen gedeckt. Meine Geschwister und meinen Vater. Nur der Brotkorb in der Mitte des Tisches ist noch leer. Ich nehme mir eine Tasse aus dem Schrank in der Küche, befülle diese mit Kaffee und leere diese mit mehreren großen Schlucken. Langsam wirkt das Koffein und mein Körper wird richtig wach. Ich stelle die Tasse in das Spülbecken und will gerade meine Schuhe anziehen, um frische Brötchen von Bäcker zu holen, als ich einen Schlüssel im Schloss höre. Habe ich mich etwa doch getäuscht und Kathy ist schon unterwegs? Oder Joey? Nein, natürlich nicht. Wäre ja auch zu schön gewesen. Es ist Leo, die mit einem großen Beutel nach drin kommt und leise die Haustür zuzieht. Ohne mich zu bemerken hängt sie ihre Jacke an die Garderobe und zieht ihre Schuhe aus. Ich lehne mich in den Türrahmen und beobachte sie mit verschränkten Armen.

„Morgen." Ich muss mir ein Lachen verkneifen, als Leo zusammenzuckt und beinahe den Beutel mit dem frischen Gebäck hätte fallen lassen.

„Gott, hast du mich erschreckt.", sagt sie und geht mit dem Beutel an mir vorbei in das Esszimmer.

„Echt? Ist mir gar nicht aufgefallen.", antworte ich sarkastisch. Doch Leo lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Sie legt den Beutel ab, wäscht sich in der Küche die Hände und stapelt dann ordentlich die Brötchen und Croissants in den Korb.

„Hast du die Nacht durchgemacht, oder wann hast du das hier Alles gezaubert?" Gezaubert? Echt jetzt? Das klang ja fast wie ein Lob.

„Und du? Hast du nicht's besseres zu tun, als mir hier zuzusehen?", fragt Leo mich zurück und wirft mir einen genervten Blick zu.

Together we are strongGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt