Kapitel 44

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- Leo -

Nachdem meine Wunde an der Stirn versorgt wurde, werde ich in eines der Zimmer geschafft und bekomme noch irgendeine Infusion. Der Pfleger hat mir zwar erklärt wofür diese gut ist, doch meine Gedanken sind die ganze Zeit nur bei Jimmy. Jedes Mal, wenn ich Ärzte an meinem Zimmer vorbei in Richtung der OP – Säle rennen sehe, springe ich aus meinem Bett, gehe zur Tür und versuche aus den Wortfetzen, die gesprochen werden, etwas zusammensetzen zu können. Bisher vergebens. So kann ich nicht mehr tun, als hier herumzuliegen und abwarten.

Als es an meiner Tür klopft rechne ich schon mit einer Pflegekraft, da der Beutel mit der Infusion schon ewig leer ist. Doch dann öffnet sich die Tür und Barby kommt herein.

„Leo, oh mein Gott bin ich froh dich zu sehen.", sagt sie. Ich setze mich auf und wir umarmen uns. Meine Kopfschmerzen und den Schwindel ignorierend halte ich sie fest. Es tut gut ein vertrautes Gesicht zu sehen. Aber warum ...

„Was ist mir Jimmy? Warum bist du nicht bei deinem Bruder?", frage ich mit zitternder Stimme.

„Er schläft noch von der Narkose. Außerdem sind Joey und Patricia bei ihm. Und irgendjemand muss ja auch nach dir sehen. Immerhin bist du Familie.", antwortet Barby.

„Wie ... wie geht's ihm denn?", frage ich vorsichtig.

„Die OP ist gut verlaufen. Die Ärzte meinten das er bald aufwachen wird." Ein riesiger Gesteinsbrocken fällt mir vom Herzen. Tränen der Erleichterung schießen mir in die Augen.

„Hey, es ist alles okay. Jimmy ist zäh." Barby nimmt meine Hand und streicht mir über die Schulter.

„Das ist Alles meine Schuld. Ich hätte ihn niemals bitten sollen, mit in dieses Höllenloch zu kommen. Dann hätte mein Stiefvater ihn nie gesehen und auch nicht auf ihn geschossen. Ich würde jetzt da liegen und nicht Jimmy." Ich wische mir die Tränen beiseite und versuche mich zu beruhigen.

„Leo, meinst du echt, dass Jimmy dich alleine gelassen hätte?"

„Nein.", sagen wir gleichzeitig.

Danach herrscht Stille. Barby bleibt zwar bei mir und erzählt, dass sie die Termine für die nächste Zeit abgesagt haben, wahrscheinlich ein Versuch mich abzulenken, doch mein Blick klebt an der Uhr über der Tür. Von welcher ich hoffe, dass sie jeden Moment aufgeht und uns Jemand sagt, dass Jimmy aufgewacht ist. Doch auch die nächste halbe Stunde passiert dies nicht.

„Ich gehe uns mal was zu trinken holen. Was willst du haben?", fragt mich Barby, als ihr die Gesprächsthemen ausgehen.

„Ist egal.", antworte ich.

„Okay, ruhe dich ein bisschen aus. Ich versuche herauszufinden, wie es Jimmy geht.", sagt sie und lächelt mir zu. Dann verschwindet sie zur Tür hinaus und plötzlich kommt mir die Stille unerträglich laut vor. Ich streife mir die Schuhe von den Füßen und lege mich in mein Bett. Der weiche Stoff unter meinem Kopf fühlt sich an wie das Paradies auf Erden. Blöde Gehirnerschütterung!

Ich muss tatsächlich eingeschlafen sein, denn ich werde wach, als ein Pfleger den Infusionsbeutel abnimmt. Wird ja auch Zeit. Und da ich nun schon mal wach bin, beschließt er auch den Zugang ebenfalls zu entfernen.

„Wie geht es Jimmy?", frage ich und setze mich auf.

„Bist du eine Angehörige?"

„Nicht direkt. Seine Freundin.", antworte ich und sehe ihn abwartend an. Er scheint mit sich zu ringen, sagt dann aber: „Tut mir leid. Ich darf darüber nur mit Angehörigen sprechen."

„Na da springen ja zum Glück genug hier herum.", gebe ich patzig zurück.

„Ich mache hier nur meinen Job. Und den würde ich auch gerne behalten. Tut mir leid." Er packt seinen Kram zusammen und als er schon an der Tür ist dreht er sich nochmal zu mir um. Abwartend sehe ich ihn an. Doch ohne ein weiteres Wort verlässt er das Zimmer.

„Blödmann.", fluche ich leise und lege mich wieder hin. An Schlaf ist allerdings nicht zu denken. Ich muss wissen was mit Jimmy ist. Wie es ihm geht. Ich stehe auf und ziehe mir meine Schuhe wieder an. Bettruhe hin oder her – ich will jetzt wissen was mit Jimmy ist! Vorsichtig öffne ich die Tür und schiebe mich durch den schmalen Spalt hindurch. Es scheint gerade der Schichtwechsel stattzufinden, denn keiner der Pfleger oder Ärzte nimmt Notiz von mir, als ich mich an ihnen vorbei in Richtung der Intensivstation schleiche.

Der Geruch von Desinfektionsmittel steigt mir stechend in die Nase. Jimmys Zimmer brauche ich gar nicht lange zu suchen, da vor einer der Türen zwei Bodyguards stehen. Beide hoch wie breit und mindestens zwei Köpfe größer als ich.

„Halt, hier dürfen nur Angehörige rein.", sagt einer der beiden zu mir, als ich mich der Tür nähere und nach der Klinke greifen will. Grob hält er mich am Arm fest, lockert aber seinen Griff etwas, als er die Wunde an meiner Schläfe bemerkt.

„Aber das bin ich. Jimmy ist mein Freund.", antworte ich ihm, glaube aber kaum, Erfolg zu haben.

„Ja, ja. Das kann ja jede behaupten. Hätte nicht gedacht, dass es sich so schnell herumspricht.", meint sein Kollege.

„Was? Ich war mit Jimmy unterwegs, als das hier passiert ist. Oder meint ihr, ich habe mir das aus Spaß ins Gesicht geklebt?", frage ich und deute auf das Pflaster.

„Die Groupies werden immer kreativer. Also, da geht's nach draußen.", bekomme ich zur Antwort und sein Kollege deutet zum Ausgang. Ich will gerade zu einem erneutem Versuch ansetzten, doch noch zu Jimmy zu kommen, als ich eine Stimme hinter mir vernehme. „Echt mal, Jungs. Habt ihr Alzheimer, oder was? Würdet ihr Leo bitte durchlassen?" Joey, Gott sei Dank. Empört blitzt er die Bodyguards an, die mit gesenktem Blick beiseite treten. Offenbar ist ihnen die Situation, mich nicht erkannt zu haben, peinlich.

„Was macht ihr zwei denn für Sachen?" Joey sieht mich mitfühlend an, streicht mir dann eine Haarsträhne aus der Stirn und legt somit die Sicht auf das Pflaster frei. Ich atme tief und will zu einer Antwort ansetzten, doch er nimmt mich einfach in den Arm. Wie es ein großer Bruder eben tun würde.

„Und jetzt geh zu ihm. Er wach bestimmt bald auf.", sagt er und setzt sich auf einen der Plastikstühle neben dem Zimmer.

„Ich geb euch Bescheid, sobald er wach ist.", sage ich noch und gehe dann, zwischen den beiden Bodyguards ins Zimmer.

Together we are strongGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt