- Jimmy -
Was bin ich froh, als ich nach zwei Wochen und vier Tagen meine Entlassungspapiere unterschreiben und mich zu meinem Bruder ins Auto setzen kann. Endlich raus hier und nach Hause! Zum Glück war die Wunde nicht all zu tief und ist gut und schnell verheilt.
„Warte, wo willst du hin?", frage ich John, als er an der Ampel anstelle nach links und zu uns nach Hause fährt, nach rechts abbiegt.
„Lass dich überraschen.", sagt dieser nur.
„Hey, was soll der Mist. Du weißt, ich hasse Überraschungen.", entgegne ich, doch mein Bruder dreht das Autoradio lauter und summt den Song mit, welcher gerade einsetzt.
„Glaub mir Kleiner, diese hier wirst du nicht hassen.", antwortet er ohne den Blick von der Straße zu nehmen. Ich verkneife mir einen bissigen Kommentar und schaue aus dem Seitenfenster.
Irgendwann parkt John das Auto am Straßenrand, steigt aber nicht aus. Er wirkt leicht hibbelig, als würde er auf irgendwas warten. Aber was will er in dieser Gegend? So lange war ich nun auch nicht weg und hätten wir irgendwelche Termine hier, hätte er es mir auch einfach sagen können. Da muss man doch nicht so ein riesiges Geheimnis draus machen.
„Und was wollen wir hier?", frage ich, nach fünf Minuten des weiteren Wartens.
„Ich gar nichts. Aber du." Er greift an mir vorbei, drückt die Beifahrertür auf und deutet nach draußen. Ungläubig sehe ich meinen Bruder an.
„Willst du mich jetzt wirklich hier rausschmeißen?", frage ich ihn, fast schon entsetzt.
„Naja, rausschmeißen will ich es nicht nennen. Eher, einen kleinen Schubs geben.", antwortet John und löst meinen Sicherheitsgurt. Ich bin total perplex und trotzdem steige ich aus dem Auto. Dabei nehme ich sogar meine Tasche mit den getragenen Klamotten aus dem Krankenhaus mit. Ungläubig schüttele ich den Kopf und sehe mich dann nach einer Mitfahrgelegenheit um, die mich nach Hause bringt.
Doch anstelle eines Taxis entdecke ich Leo, die auf mich zu gejoggt kommt. Augenblicklich wird mir einiges klar. Ich lasse meine Tasche fallen und laufe ihr entgegen. Gekonnt fange ich sie mit meinem rechten Arm auf und wirbele sie im Kreis.
„Lass mich raten. Dann hast du mich hierher bringen lassen?", stelle ich fest, als ich sie wieder absetzte und an mich ziehe.
„Absolut richtig."
„Und warum?" Als Antwort zieht Leo meinen Kopf nach unten zu sich und küsst mich. Aber so, als hätten wir uns jahrelang nicht gesehen. Und, verdammt, es fühlt sich auch genau so an. Am liebsten würde ich nie wieder damit aufhören und sie für immer in meinem Arm halten.
„Und das hätten wir nicht auch zu Hause tun können?", frage ich, als wir uns irgendwann doch voneinander lösen können.
„Naja, genau genommen ...", setzt Leo zu einer Erklärung an und beginnt in ihrer Hosentasche nach etwas zu wühlen. Abwartend sehe ich sie an. Dann endlich zieht sie einen kleinen, silbernen Gegenstand hervor.
„Genau genommen sind wir zu Hause.", vervollständigt sie ihren Satz und deutet mit einem Nicken nach oben.
„Du meinst ... du ... Ist das die Wohnung, die wir uns als letztes rausgesucht haben?", stottere ich zusammen.
„Jop, die mit den vielen Treppen." Leo zwinkert mir zu. Unwillkürlich muss ich lachen.
„Ich war gestern zur Besichtigung hier. In echt sieht alles noch viel schönes aus, als auf den Bildern im Internet.", fügt sie hinzu.
„Warte mal, ganz langsam. Heißt das, du hast den Vertrag unterschrieben?"
„Genau genommen war es Kathy, weil ich ja noch nicht volljährig bin. Und du warst ja auch gerade verhindert. Aber sie hat die Wohnung auf dich überschrieben. Eine Unterschrift von dir und das da oben ist unser neues Zuhause."
„Du bist unglaublich, weißt du das?" Ich ziehe Leo wieder an mich und küsse sie. Mir egal, dass sich die Leute auf dem Gehweg an uns vorbei drängen müssen, oder das unsere zukünftigen Nachbarn hinter ihren Fenstern sitzen und gaffen.
„Also, was ist jetzt? Willst du rein, oder nicht?", gespielt ernst hält Leo mir den Schlüssel unter die Nase und noch ehe sie ihn wieder einstecken kann, habe ich ihn mir geschnappt und schließe die Tür zum Treppenhaus auf.
„Dritter Stock, rechte Wohnung.", sagt Leo, als könnte sie meine Gedanken lesen. Ich nehme sie an der Hand und gemeinsam laufen wir schnellen Schrittes die Treppen hoch. Erstaunlich, wie fit ich nach so langer Zeit im Krankenhaus doch bin.
„So, da wären wir." Wir kommen vor der weißen Haustür zum Stehen. Jetzt merke ich doch, das mir die Bewegung in letzter Zeit echt gefehlt hat, aber auch Leo keucht ein wenig. Klar, ihre Beine sind deutlich kürzer als meine, also musste sie sich wahrscheinlich ganz schön anstrengen um mit mir Schritt zu halten.
Ich stecke den zweiten Schlüssel in das Schloss und die Tür springt mit einem leisen klacken auf. Leo will sich schon in Bewegung setzten, da halte ich sie am Arm zurück.
„Hier, halte mal.", sage ich und ehe sie sich versehen kann, habe ich ihr meine Tasche in die Hand gedrückt. Ein lautes, überraschtes Quieken hallt durch das Treppenhaus, als ich sie auf den Arm nehme und über die Türschwelle trage. Gar nicht so einfach, wenn man bedenkt, dass ich meine Schulter noch schonen soll.
„Hey, pass auf. Sonst kannst du gleich zurück ins Krankenhaus.", ermahnt mich auch Leo.
„Keine Sorge. Ich bin vorsichtig.", entgegne ich, trage sie aber durch den Flur, bis in das noch leere Wohnzimmer.
Nach und nach gehen wir durch die Räume und erträumen uns, wie unsere Wohnung fertig eingerichtet aussehen soll. Wir überlegen, welche Möbel wir aus unseren jetzigen Zimmern mitnehmen – Leo besteht auf meinen Sitzsack – und in welchen Farben wir die Wände streichen. So gehen die Stunden ins Land und schon bald wirft die Sonne lange Schatten und färbt die Wand im Wohnzimmer orange. Ja, so könnte ich es mir vorstellen. So kann es bleiben.
„Wenn ich von einem stressigen Tag mit meinen Geschwistern nach Hause komme, will ich genau so ein orange sehen.", sage ich ein wenig verträumt.
„Ja, die Farbe ist echt schön.", pflichtet Leo mir bei.
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Together we are strong
Fiksi Penggemar‼️TRIGGERWARUNG‼️ Diese Geschichte enthält triggernde Inhalte, die eventuelle Spoiler für den Verlauf der Geschichte enthalten. Zudem zählen: Verlust der Eltern und anderer geliebter Personen, Kindesmissachtung, Trauer, Waffenmissbrauch und Verarbe...
