- Leo -
„Ich kann es nicht glauben, dass du wirklich ausziehen willst.", sagt Barby zu mir. Sie sitzt auf meinem Bett, während ich meine letzten Klamotten in meinen Rucksack packe.
„Ja, irgendwie komisch, oder?" Ich halte kurz inne und sehe zu ihr herüber.
„Du wirst mir so fehlen." Sie springt auf und mit ein paar wenigen Schritten ist sie bei mir. Mit beiden Armen umschlingt sie mich fest, sodass ich erschrocken nach Luft schnappe.
„Ich bin ja nicht aus der Welt. Und außerdem kannst du mich jederzeit anrufen.", sage ich und erwidere ihre Umarmung. Ich muss zugeben, dass sie mir ebenfalls etwas fehlen wird. Wir haben monatelang quasi Tür an Tür geschlafen, ich habe mich bei Barby über ihren Bruder ausgeheult und sie war die erste, der ich mich anvertraut habe, als ich bei den Kellys eingezogen bin. Ja, Barby ist zu meiner kleinen Schwester geworden in einer Familie, die ich nie hatte.
„Ich weiß. Aber das ist nicht das gleiche.", antwortet sie und lässt mich wieder los.
„Komm her.", sage ich nur und ziehe sie wieder in meine Arme.
Als Jimmy am Nachmittag von seinem Arzttermin kommt, schaffen wir unsere Klamotten ins Auto und verabschieden uns von seinen Geschwistern. Den Großteil der Möbel habe ich mit John und Joey aufgebaut und Jimmy strengstens untersagt irgendetwas zu transportieren, was schwerer ist, als eine Topfpflanze. Er soll seinen Arm noch schonen, da war ich mir mit seinen Geschwistern einig. Immerhin haben sie einen neuen Termin für den Fernsehauftritt in Berlin bekommen, den Keiner noch einmal verschieben muss. Der Presse haben sie irgendwas von einem Magen-Darm-Virus und den Windpocken erzählt. Einige Schreiber waren skeptisch, doch die meisten haben es ohne mit der Wimper zu zucken geglaubt. Wenigstens etwas.
„Macht's gut ihr zwei.", sagt John und nimmt erst seinen Bruder und dann mich in den Arm.
„Aber nicht zu heftig." Joey grinst mich nur an, während er Jimmy gegen seine gesunde Schulter schlägt. Mir schießt die Röte ins Gesicht.
„Leo, könntest du ihm eine reinhauen. Zu seinem Glück kann ich ja gerade nicht so gut.", entgegnet Jimmy, nimmt seinen kleinen Bruder dann aber zum Abschied in den Arm.
„Passt auf euch auf." Patricia fährt mir durch die Haare und streicht mir über die Wange. Ich kann nicht anders, als sie ebenfalls in den Arm zu nehmen.
„Wir haben da noch eine kleine Aufmerksamkeit für euch. Sozusagen als Geschenk zum Einzug.", mischt sich da Kathy in die vielen Umarmungen. Sie streckt einen Arm aus und an einem der Finger baumelt ein Autoschlüssel. Ich sehe zu Jimmy, dann zurück zu dem Schlüssel. Auch mein Freund blickt etwas ratlos drein.
„Na, ihr werdet ja wohl nicht jedes Mal den ganzen Weg hierher zu Fuß gehen wollen, oder?" Kathy sieht uns an und dann versieht sich ihr Mund zu einem Lächeln.
„Nicht dein ernst! Ihr schenkt uns einfach so ein Auto?" Vor staunen bekomme ich den Mund gar nicht mehr zu.
„Nein, nicht einfach so." Irgendeinen Haken musste die Sache ja haben. „Ihr habt so viel durchmachen müssen, habt uns mit euren anfänglichen Streitereien den letzten Nerv geraubt ..." Ein böser Blick in Jimmys Richtung genügt. „Ihr habt in euch verdient." Sie lässt den Schlüssel in Jimmys Hand fallen.
„Und jetzt macht, dass ihr hier weg kommt." Noch ein letztes Mal drückt sie uns Beide gleichzeitig an sich und schiebt uns dann zur Tür hinaus. Wir räumen unsere Sachen von einem Auto ins andere, dann startet Jimmy den Motor. Von unserem ersten gemeinsamen Auto.
„Bereit?", fragt er und legt den ersten Gang ein.
„Bereit.", antworte ich und lege meine Hand auf seine.
„Okay, fahren wir nach Hause."
Die Straßen sind fast leer, sodass wir in einer viertel Stunde vor unserer Wohnung parken. Ich nehme unsere Taschen vom Rücksitz, damit Jimmy auf keine dummen Ideen kommen kann, während er sich um die Schlüssel kümmert.
Oben angekommen stelle ich unsere Sachen im Schlafzimmer ab, während Jimmy in der Küche schon dabei ist, die Flasche Sekt zu köpfen, die wir – also eigentlich Kathy – zum unterschriebenen Mietvertrag bekommen hat. Mit zwei Gläsern und den neuen Sitzpolstern, die wir gestern noch besorgt haben, machen wir es uns auf dem Balkon gemütlich. Wahrscheinlich hätten wir Beide viel zu sagen, doch keiner will diesen Moment zerstören. Es gibt nur Jimmy und mich und diesen herrlich, roten Sonnenuntergang.
„Was denkst du?", fragt Jimmy, der seinen Blick abgewendet hat und mich ansieht.
„Das alles so ist, wie es sein sollte.", antworte ich ehrlich. „Ich habe das, wovon ich schon als kleines Mädchen geträumt habe. Ein eigenes zu Hause, eine große Familie und einen Mann an meiner Seite, der mich liebt." Ich stelle mein leeres Glas auf dem Tisch ab, stehe auf und klettere auf Jimmys Schoß. Er legt den Arm um mich und ich bette meinen Kopf an seiner Schulter.
„Ja, das tue ich. Ich liebe dich Leo." Es passiert Alles gleichzeitig; ich kann gar nicht so schnell reagieren. Jimmy stellt sein Glas neben meines, steht mit mir im Arm auf, als würde ich nicht mehr wiegen, wie eine Feder und trägt mich ins Schlafzimmer. Gekonnt schließt er die Tür mit dem Fuß und legt mich behutsam auf der Matratze ab. Mit zittrigen Fingern streife ich mir den Pullover und das Shirt über den Kopf. Jimmy tut es mir gleich und ist dann auch schon über mir, stützt sich links und rechts von meinem Kopf ab und küsst mich.
„Warte, deine Schulter.", bringe ich mühsam zwischen zwei Küssen hervor.
„Der geht es bestens.", antwortet Jimmy. Von da an übernehmen andere Körperteile von mir das Denken. Ich spüre Jimmy's Lippen überall. Auf meiner Stirn, meinem Mund, an meinem Hals, auf meinem nackten Bauch ... ich werde beinahe verrückt, als er sich die Innenseiten meiner Oberschenkel vornimmt, Sorry Joey, aber diese Nacht wird heftig!
Irgendwann, als ich nicht mehr weiß wo oben und wo unten ist, zieht Jimmy die Decke über uns und ich schlafe in seinen Armen ein.
DU LIEST GERADE
Together we are strong
Fanfiction‼️TRIGGERWARUNG‼️ Diese Geschichte enthält triggernde Inhalte, die eventuelle Spoiler für den Verlauf der Geschichte enthalten. Zudem zählen: Verlust der Eltern und anderer geliebter Personen, Kindesmissachtung, Trauer, Waffenmissbrauch und Verarbe...
