- Jimmy -
Wahrscheinlich ist jedem meiner Geschwister die Anspannung zwischen Leo und mir aufgefallen, doch aus Höflichkeit hat Keiner etwas gesagt. Sie hätten sowieso die falschen Schlüsse gezogen. Genau wie Leo vorhin bei unserem Zusammentreffen. Und genau das will ich aus der Welt schaffen, so schnell wie irgend möglich. Doch ich werde nach dem Frühstück zum Abwaschen verdonnert. Warum ziehe eigentlich immer ich das kürzere Streichholz? Langsam hege ich den Verdacht, dass es gar keine Langen gibt und ich nur verlieren kann. Meine Versuche, Joey dazu zu überreden, meine Aufgabe zu übernehmen, haben leider wenig Wirkung gezeigt.
Und so kommt es, dass ich jetzt wieder hier in der Küche stehe und Wasser in das Becken laufen lasse. Nur das dieses Mal John bei mir ist und nicht Leo. Leo, mit der ich so viel zu besprechen hätte. Mit der ich so viel mehr tun wollen würde, als zu sprechen. Und der ich vor Allem sagen will, dass es sich vorhin um ein riesiges Missverständnis gehandelt hat. Doch wie soll ich mich davon machen, ohne dass John Verdacht schöpft? Ist wohl nicht möglich.
„Sag mal, zwischen dir und Leo ... läuft da was?", frage ich meinen großen Bruder, nachdem wir eine Weile schweigend nebeneinander in der Küche gestanden haben.
„Was? Wie kommst du denn da drauf? Wir sind einfach nur gute Freunde.", antwortet er und reicht mir den nächsten Teller.
„Solltet ihr vielleicht auch mal versuchen.", fügt er hinzu, ehe ich etwas sagen kann. Mein Innerstes macht einen Freudentanz. Denn auf keinen Fall hätte ich mich zwischen einen meiner Bruder – gut, da kommen vom Alter her nur Joey und John in Frage – und Leo gedrängt. Jetzt aber zu wissen, dass zumindest John kein Problem darstellen wird, da fällt mir eine extrem große Last von den Schultern. Zwar wird er weiterhin mit Adleraugen auf Leo aufpassen, aber solange er keine romantischen Gefühle für sie hat ist Alles bestens.
„Warum willst du das wissen?", fragt er mich in meine Gedanken hinein.
„Nur so.", antworte ich schulterzuckend und räume die letzte Tasse in den Hängeschrank.
„Weißt du, Kleiner, man kann auch mit Jemanden gut klar kommen, ohne dass Gefühle im Spiel sind. Und wenn Sunny dir den letzten Glauben an eine solche Freundschaft genommen hat, tut mir das leid. Aber Leo hat mit dieser Sache nichts zu tun."
„Also erstens bin ich nicht 'dein Kleiner' und zweitens ... was hat Sunny jetzt damit zu tun?" Ich hänge das nasse Wischtuch über die Heizung und folge John ins Esszimmer, wo wir uns den letzten Kaffee teilen.
„Naja, wegen ihr bist du doch, wie du bist, oder? Leo gegenüber? Du willst sie vergraulen, weil du Angst hast, dich zu verlieben." Darauf weiß ich nichts zu sagen. Anfangs war das so, ja, aber ich kann meinem Bruder gegenüber jetzt unmöglich sagen, in welche Richtung sich die Sache mit Leo entwickelt hat.
„Trink deinen Kaffee doch alleine. Ich brauche deine klugen Ratschläge nicht." Eine bessere Möglichkeit um zu verschwinden werde ich nicht bekommen. Ich nehme mir meine Tasse und als ich schon im Flur bin höre ich John noch sagen: „Höre auf vor deinen Problemen davonzurennen, Jimmy. Das ist ungesund." Als Antwort erhält er nur meinen Mittelfinger.
Selbiger klopft wenige Augenblicke später an Leos's Tür.
„Hey, Leo. Kann ich reinkommen? Wir müssen reden.", sage ich leise. Zu meiner Überraschung öffnet sich die Tür schon nach dem zweiten Klopfen einen Spalt breit und Leo sieht mich mit finsterem Blick an. Kein gutes Zeichen.
„Ich wüsste nicht worüber.", gibt sie durch die halb geöffnete Tür zurück.
„Ich aber.", sage ich und schiebe mich schnell an ihr vorbei ins Zimmer, als ich Kathy aus dem Augenwinkel nach oben kommen sehe. Verdutzt und überrumpelt bleibt Leo an der Tür stehen, schließt diese aber noch rechtzeitig und sieht dann zu mir. Ich habe mich an das Fußende ihres Bettes gesetzt auf dem sie, wie es aussieht, bis eben gelegen hat.
„Klar doch, Jimmy. Komm rein und mach es dir gemütlich.", sagt sie sarkastisch.
„Komm her.", sage ich, stelle die Tasse auf dem Boden ab und strecke meine Hände nach ihr aus. Nach einem kurzen Zögern kommt sie meiner Bitte nach, setzt sich aber, anders als von mir geplant neben mich auf die Matratze und nicht auf meinen Schoß.
„Du wolltest reden, dann rede. Deine Schwester könnte jeden Moment aus dem Bad kommen." Eine Entschuldigung, na ganz toll! Das hatte ich mir anders vorgestellt.
„Leo, ich wollte dir eigentlich nur sagen ... ich habe meine Bettlaken nicht wegen dem gewaschen, was gestern in meinem Bett zwischen uns passiert ist. Denn genau das würde ich am liebsten jede Nacht wieder tun wollen.", beginne ich und greife nach ihrer Hand.
„Ich habe die Laken in die Waschmaschine getan, weil sie nassgeschwitzt waren, weil du doch so schlecht geträumt hast. Und ich wollte nicht dass meine Geschwister etwas mitbekommen und Fragen stellen." Bittend, dass Leo mir glaubt und dieses Missverständnis damit aus der Welt geräumt ist sehe ich sie an. Leo hat den Blick weiterhin auf unsere Hände gesenkt. Wie um meine Worte zu unterstreichen verschränke ich unsere Finger miteinander.
„Leo, ich weiß nicht, was das hier mit uns ist und wohin es führt. Aber ich weiß, dass ich es möchte. Und wenn du es auch möchtest, dann lass es uns versuchen. Ich ... ja, ich liebe dich." Da waren sie – die magischen drei Worte die jedes Mädchen hören will
„Und deine Geschwister?", fragt Leo mich nur, anstatt meinen Worten irgendeine Beachtung zu schenken.
„Wie, meine Geschwister? Was haben die denn jetzt damit zu tun?"
„Was denkst du denn was die dazu sagen würden?" Auffordernd sieht Leo mich an.
„Keine Ahnung. Und die müssten davon ja auch erstmal nichts wissen. Zumindest solange nicht, bis wird es selbst wissen."
„Klar, lass mal zusammen sein, aber es ja die Anderen nicht wissen. Solche Beziehungen sind von Anfang an zum Scheitern verurteilt." Leo entzieht mir ihre Hand, legt sich lang auf ihr Bett, wo auf der einen Seite Kissen gestapelt liegen; wahrscheinlich für ihren Fuß; und sieht zur Decke.
„Wenn du mich jetzt bitte alleine lassen würdest." Es ist keine Bitte und trotzdem stehe ich auf. Ohne jegliche Widerworte lässt sie mich ihr helfen ihren verletzten Fuß auf dem Kissenstapel zu platzieren, dann gebe ich ihr noch einen Kuss auf die Stirn und verlasse den Raum. Als ich im Türrahmen nochmal über die Schulter schaue, sehe ich wie sich eine klitzekleine Träne den Weg über Leo's Wange sucht. Bereut sie, mich weggeschickt zu haben? Oder ihre Entscheidung? Vielleicht Beides? Ich ringe mit mir. Ein Teil von mir mahnt mich ihrer Bitte nachzugehen und sie alleine zu lassen, doch der andere Teil – der viel stärkere – will sie einfach nur in den Arm nehmen. Aber was würde sie tun, wenn ich jetzt umkehren und sie in meine Arme ziehen würde?
„Leo, ich ... „, beginne ich.
„Geh jetzt!", fährt sie mir über den Mund und dreht sich, soweit es möglich ist von mir weg.
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Together we are strong
Fanfiction‼️TRIGGERWARUNG‼️ Diese Geschichte enthält triggernde Inhalte, die eventuelle Spoiler für den Verlauf der Geschichte enthalten. Zudem zählen: Verlust der Eltern und anderer geliebter Personen, Kindesmissachtung, Trauer, Waffenmissbrauch und Verarbe...
