- Jimmy -
„Wie könnt ihr so ruhig hier herumsitzen? Leo ist verschwunden, wahrscheinlich schon die ganze Nacht. Wir müssen sie suchen!" Aufgebracht tigere ich an der Küchenzeile auf und ab, wobei ich von meinen Geschwistern beobachtet werde, die am Tisch sitzen. Darauf ausgebreitet liegen die beiden Briefe von Leo in denen sie sich von uns verabschiedet hat. Ohne einen Grund zu nennen. Nur irgendwas, in das sie uns nicht mit hineinziehen will. Was sie alleine regeln muss.
„Wie es aussieht will sie aber nicht gefunden werden.", kommentiert Joey, der einen der Briefe nochmals überflogen hat und mich nun wieder ansieht.
„Und was soll ich deiner Meinung nach tun? Nichts? Einfach warten und hoffen das Leo zurückkommt?" Fragend sehe ich meinen Bruder an.
„Jimmy hat Recht. Wir haben keine Ahnung was vorgefallen ist, aber in einem Punkt sind wir uns doch einig. Das hier ist auch Leo's Zuhause, oder?", pflichtet John mir bei und sieht fragend in die Runde.
„Ja, schon, aber ...", beginnt Patricia, doch ich unterbreche sie mit einem scharfen „Nichts, aber." Dann nehme ich den Brief vom Tisch, den Leo mir geschrieben hat, verstaue ihn in meiner hinteren Hosentasche und gehe nach draußen in die Garderobe. Ich will schon zur Tür hinaus, als auch Joey, Patricia, Barby und John sich Jacken und Schuhe anziehen. Die Frage, was sie vorhaben, erspare ich meinen Geschwistern. Ist wohl offensichtlich, dass sie mir bei der Suche helfen wollen. Ich bin für jedes Augenpaar mehr dankbar, denn Köln ist groß und ich weiß überhaupt nicht, wo ich zu suchen anfangen soll.
„Mach dir keine Gedanken. Wir finden Leo schon." Patricia legt mir tröstend die Hand auf die Schulter, als könnte sie meine Gedanken lesen. Ich bringe so etwas wie ein schiefes Lächeln zustande und antworte: „Ich weiß."
Seit Stunden irre ich durch die Stadt und habe schon das Gefühl ständig im Kreis zu laufen. Zu allem Überfluss hat es auch noch zu regnen angefangen. Einen klitzekleinen Vorteil hat dieses Mistwetter – die meisten anderen Leute haben sich in ihre Häuser und Wohnungen zurückgezogen und ich habe endlich meine Ruhe. Keine sinnlosen Pausen mehr wegen Fotos oder Autogrammen. Oder beidem. Leo hatte Recht, als sie mich bei unserem Spaziergang darauf angesprochen hat. Es ist anstrengend, nur kannte ich es bis dahin nicht anders. Wir wurden ja schon als Kinder von unserem Vater in die Öffentlichkeit gezogen. Damals ging es ums Überleben, aber heute ...? Wir machen Musik, weil es uns Spaß macht und diesen dadurch an unsere Fans weitergeben können.
Ich setzte mich in einer Unterführung auf eine Bank und hole Leos Brief heraus. Ihre Handschrift würde ich unter tausenden wieder erkennen und trotzdem sieht sie auf diesem Papier anders aus, als in dem ersten Brief, den sie mir damals geschrieben hat.
Jimmy,
es tut mir leid, aber ich musste gehen. Es ist kompliziert, aber er weiß wo ich bin. Und den Ärger mit ihm will ich euch nicht antun. Such nicht nach mir. Ich komme schon irgendwie klar. Ich liebe dich.
Leo
Er weiß, wo sie ist. Ich brauche nicht lange zu überlegen, um zu wissen, wen sie damit meint. Und jetzt hier in dieser dunklen Unterführung auf dieser unbequemen Bank glaube ich auch zu wissen, was gestern vorgefallen ist. Warum sich Leo den ganzen Tag in ihrem Zimmer eingeschlossen hat und mit Niemanden reden wollte. Warum sie weggelaufen ist. Sie ist im Supermarkt ihrem Stiefvater begegnet! Nur so kann es gewesen sein. Nur das ist mir eine logische Erklärung für ihre Reaktion. Deshalb wollte sie keinen von uns sehen und ist gegangen, als wir längst geschlafen haben. Um uns irgendwelchen Ärger zu ersparen. Klar, Leo ist noch minderjährig und wenn ihr Stiefvater herausfindet wo sie wohnt, könnte er uns wegen Kindesentführung anzeigen. Auch, wenn Leo freiwillig zu uns gekommen ist. Das kann ihr niemand beweisen und noch ein Gerichtsverfahren können wir uns nicht leisten. Für solche Schlagzeilen würden sich so manche Reporter die Hände abhacken. Ich sehe es schon vor mir: „Die Kelly Family – Ist sie das nächste Opfer?" „Das nächste Kelly – Girl!"
Ich schüttele den Kopf, um die Bilder zu vertreiben und stecke den Brief wieder weg. Den Kopf in die Hände gestützt versuche ich mich zu konzentrieren. Wo würde ich an Leos Stelle gehen? Wahrscheinlich möglichst weit weg aus der Gegend, um ein erneutes aufeinandertreffen mit ihrem Stiefvater zu vermeiden. In der Hoffnung, dass sie noch nicht über alle Berge ist, stehe ich auf. Kurz checke ich mein Handy – keine Neuigkeiten von meinen Geschwistern. Verdammt! Wie findet man in einer Stadt wie Köln eine einzelne Person, von der man nur weiß, wo man sie auf keinen Fall finden wird? Egal, ich muss sie einfach finden! Ich habe es ihr versprochen. Versprochen, immer für sie da zu sein. Und ich werde dieses Versprechen nicht brechen. Nur über meine Leiche!
Ich ziehe meine Kapuze wieder über und begebe mich zurück in den Regen. Die Hände in den Hosentaschen vergraben laufe ich am Rheinufer entlang. Bei jeder Person, die alleine irgendwo sitzt, drehe ich mich unauffällig um, in der Hoffnung, Leo gefunden zu haben. Bislang ohne Erfolg, aber mit drei aufgeregt gackernden Kelly – Fans mehr. Ich muss mich beeilen, sonst spricht es sich herum, dass wir alleine in Köln unterwegs sind. Eine Möglichkeit habe ich noch! Warum bin ich da nicht schon eher drauf gekommen?
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Together we are strong
Fanfiction‼️TRIGGERWARUNG‼️ Diese Geschichte enthält triggernde Inhalte, die eventuelle Spoiler für den Verlauf der Geschichte enthalten. Zudem zählen: Verlust der Eltern und anderer geliebter Personen, Kindesmissachtung, Trauer, Waffenmissbrauch und Verarbe...
