- Leo -
Seit meinem Nervenzusammenbruch in der Fußgängerzone ist jetzt fast eine Woche vergangen. Wahnsinn, wie schnell die Zeit vergangen ist, seitdem mit John und Kathy Kelly von der Straße aufgesammelt und mit zu sich nach Hause genommen haben. Ja, seitdem lebe ich mit der Kelly Family unter einem Dach. Tausende Mädchen würden sicher bereit sein zu töten, um mit mir tauschen zu können. Und was mache ich? Ich verkrieche mich im Gästezimmer und schotte mich total ab. Alleine zu Barby habe ich manchmal Kontakt, aber auch das nur, weil ihr Zimmer direkt neben meinem liegt und wir uns ein Badezimmer teilen. Ansonsten habe ich den Kontakt zur restlichen Familie auf das mindeste beschränkt. Was aber auch daran liegen kann, dass die Kelly's mit den Proben für die nächsten Konzerte beschäftigt und eigentlich den ganzen Tag im Tonstudio sind. Aber mir soll es recht so sein. Wenn die Presse von mir erfahren würde, würde er mich schneller finden, als ich meinen Namen sagen kann. Und das soll auf keinen Fall passieren!
Und so kommt es, das ich auch heute schon den ganzen Tag in dem kleinen Zimmer, welches ich seit diesem Tag mein Eigen nennen darf, auf dem Bett sitze und meine Gedanken kreisen lasse. Ich muss mir schleunigst etwas einfallen lassen. Schließlich kann ich mich nicht für den Rest meines Lebens hier verstecken. Doch ich bekomme einfach keine Ruhe in meinen Kopf. Erst ein leises Klopfen lässt dieses Karussell stoppen.
„Hey, Leo.", sagt John und steckt den Kopf zur Tür hinein.
„Hey.", sage ich und zwinge mich zu einem kurzen Lächeln.
„Wir wollen in die Stadt. Willst du mit?", fragt er und alleine deswegen rutscht mir beinahe das Herz in die Hose. Schnell schüttele ich mit dem Kopf, da es in meinem Hals zu eng für Worte geworden ist.
„Okay, brauchst du irgendwas?"
„Nein, danke.", antworte ich.
„Gut, wir sind dann mal weg. Wenn irgendetwas sein sollte, Jimmy ist noch unten." Ausgerechnet ... Ich versuche mir mein Unbehagen deswegen nicht anmerken zu lassen. Aber John's Blick sagt mir, dass er genau weiß, was mir in diesem Moment durch den Kopf geht. Anscheinend kann er mich lesen wie ein offenes Buch.
„Guck nicht so.", meint John und lächelt mir Mut machend zu.
„Keine Sorge. Ich komme schon klar.", beeile ich mich zu sagen.
„Weiß ich doch. Vielleicht kannst du ihm ja mit dem Papierkram ein bisschen unter die Arme greifen." John geht einen Schritt beiseite und öffnet die Tür etwas weiter. Eine stumme Einladung an mich, ihm zu folgen. Wahrscheinlich will er sichergehen, dass ich wirklich mit nach unten komme. Ich stehe vom Bett auf und vergrabe meine Hände noch ein Stück weiter in den Ärmeln meines Pullovers. Vielleicht ist Arbeit genau das Richtige, um meine Gedanken zum Schweigen zu bringen. Aber ausgerechnet mit Jimmy ... ? Keine Ahnung warum, aber seit ich den ersten Schritt über die Türschwelle tat, war er einfach nur fies und lässt mich seither jeden Tag spüren, dass ich für ihn hier unerwünscht bin. Wenn wir uns doch mal zufällig im Haus über den Weg laufen ignoriert er mich. Als wäre ich nicht anwesend. Und genau das trifft mich mehr, als seine fiesen Bemerkungen. Vielleicht weil ich letztes gewöhnt bin.
Als ich mit John die Küche betrete sitzt tatsächlich nur noch Jimmy an dem großen Esstisch. Mit einem riesigen Berg an Papieren vor sich. Er ist so in seine Arbeit vertieft, dass er uns erst bemerkt, als sein Bruder sich räuspert.
„Ich dachte, ihr seid lange weg.", sagt Jimmy zu seinem Bruder.
„Keine Angst. Du hast gleich deine Ruhe. Und ich habe dir sogar Unterstützung mitgebracht.", sagt John, tritt einen Schritt beiseite und gibt somit die Sicht auf mich frei. Seine Miene verhärtet sich augenblicklich.
„Das ist echt nett gemeint, Brüderchen, aber ich komme gut alleine zurecht. Sieht mehr aus, als es ist.", erwidert Jimmy, was mich nicht wirklich überrascht. Es hätte mich sogar gewundert, hätte er anders reagiert.
„Jetzt reiß dich zusammen!", fährt John seinen Bruder an.
„Lass gut sein.", sage ich und fasse ihn am Arm. Das Letzte was ich will ist, dass sich die Geschwister wegen mir streiten.
„Okay, dann pass auf, dass du nicht vor Langeweile stirbst. Du kannst dich auch gerne an unserem Bücherregal bedienen." Als könnte er Gedanken lesen. Das große Regal im Wohnzimmer lacht mich schon seit Tag eins an.
„Oder vielleicht ändert der Dickschädel seine Meinung ja auch noch und ist mal kein Arschloch.", sagt John gerade so laut, dass Jimmy es hören kann. Daraufhin wirft er erst seinem Bruder und dann nochmal mir einen bösen Blick zu.
„Ich denke, das bekomme ich hin.", antworte ich, ohne auf Jimmy zu achten.
„Dann, viel Spaß mit deinen Unterlagen.", sagt John etwas abwertend zu seinem Bruder. Dann verabschiedet er sich von mir und steigt zu den anderen ins Auto. Kaum ist dieses außerhalb meines Sichtfeldes begebe ich mich schnellstens weg von der Küche. Einen kurzen Blick hineinzuwerfen kann ich mir trotz allem nicht verkneifen. Jimmy sitzt in seinem Stuhl zurückgelehnt und hat die Hände vor dem Gesicht liegen. Von seiner Lässigkeit von eben ist nicht's mehr zu sehen. Eher im Gegenteil; er sieht müde und gestresst aus. Ist doch wohl mehr zu tun, als er vor seinem Bruder behauptet hat. Gegen meinen Willen bleibe ich im Türrahmen stehen und beobachte Jimmy eine Weile. Zum Glück sitzt er mit dem Rücken zu mir. Ich sollte wieder nach oben gehen, aber wie ich Jimmy so dasitzen sehe, voller Verzweiflung vor den ganzen Papieren, tut er mir fast schon leid. Würde er sich mir gegenüber nicht so blöd verhalten, würde ich ihm meine Hilfe erneut anbieten, aber so ... soll er doch sehen, wie er zurecht kommt! So beschließe ich, Jimmy sich seinem Schicksal selbst zu überlassen. Wie von John angeboten mache ich einen Umweg ins Wohnzimmer, wo ich mir eines der Bücher aus dem großen Regal nehme und verschwinde dann wieder in mein Zimmer. Ich lege das Buch auf den Nachttisch und lehne mich gegen das Fensterbrett. Bei jedem vorbeifahrend Auto halte ich instinktiv die Luft an. Das ist Blödsinn, rede ich mir selbst ein. Niemals würde er hier nach mir suchen. Vielleicht war es nicht die beste Entscheidung hier zu bleiben, aber ich war einfach nur froh ein Dach über dem Kopf zu haben.
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Together we are strong
Fiksi Penggemar‼️TRIGGERWARUNG‼️ Diese Geschichte enthält triggernde Inhalte, die eventuelle Spoiler für den Verlauf der Geschichte enthalten. Zudem zählen: Verlust der Eltern und anderer geliebter Personen, Kindesmissachtung, Trauer, Waffenmissbrauch und Verarbe...
