- Leo -
Die letzten Wochen war ich oft alleine zu Hause, da ich Jimmy mit seinen Geschwistern an dem Programm für die neue Tour war. Wir haben war deutlich mehr Platz, als ich anfangs dachte, aber acht weitere Personen inklusive deren Instrumente übersteigt dann unsere Kapazitäten. Außerdem wollten wir es uns nicht gleich in den ersten Wochen mit unseren Nachbarn verscherzen.
So ganz alleine wirkt die Wohnung riesig. Ab und zu haben die Kellys mir Bilder von den Proben geschickt, oder Jimmy hat mich angerufen, wenn er ein paar Minuten Zeit hatte, was aber nicht besonders oft vorkam.
Mit der Gewissheit, das mein Stiefvater im Gefängnis sitzt und mir nichts mehr tun kann, habe ich mich zu Spaziergängen überwunden. Anfangs nur kurze, ein paar Minuten frische Luft, damit mir nicht die Decke auf den Kopf fällt, doch indessen macht es mir nichts aus, auch mal für ein paar Stündchen nach draußen zu gehen. Die grauen Tage werden von der Frühlingssonne abgelöst und es ist schon deutlich wärmer draußen.
Gerade stehe ich im Supermarkt an der Kasse, als mein Handy klingelt. Ich nehme Jimmy's Anruf an und klemme mir das Telefon zwischen Schulter und Ohr, während ich meine Lebensmittel in meinen Beutel packe.
„Ich stehe schon an der Kasse. Für Bestellungen ist es leider zu spät.", sage ich als Begrüßung.
„Ach, so ein Mist aber auch." Im Hintergrund höre ich Stoff rascheln und wie ein Schlüssel auf Holz geworfen wird. Der fragende Blick der Kassiererin trifft mich.
„Warte mal kurz.", sagt ich zu Jimmy und stecke das Hand mit dem gehaltenen Anruf in die Bauchtasche meines Hoddis.
„Das macht achtundzwanzig glatt.", sagt sie und deutet auf die Kasse. Ich bezahle meine Lebensmittel und verabschiede mich höflich. Dann fische ich nach meinem Handy. Die Verbindung steht noch. Jimmy hat tatsächlich nicht aufgelegt.
„Okay, da bin ich wieder.", sage ich, als ich das Telefon wieder am Ohr habe.
„Wann bist du zu Hause?", will Jimmy wissen.
„Oh, war der Tag so schlimm, dass du mich so sehr vermisst?", frage ich lachend.
„Ja, das auch. Allerdings kann es auch sein, dass du das Geburtstagsessen von Kathy vergessen hast?" Oh, shit.
„Also ja. Wenn du mir schon nicht gleich widersprichst", höre ich meinen Freund sagen. Er klingt keineswegs beleidigt, oder enttäuscht. Eher belustigt.
„Wie soll man bei den ganzen Geburtstagen auch noch durchblicken. Aber zum Glück haben die mir an der Kasse gerade einen Kalender in die Hand gedrückt. Da kann ich gleich alle wichtigen Termine eintragen.", antworte ich und überquere die Straße.
„Sehr witzig.", entgegnet Jimmy. Stoff raschelt im Hintergrund.
„Ich leg jetzt auf. Du wirst ja sicher auch noch duschen wollen, ehe wir losfahren, oder?", fragt Jimmy, der sein Handy offenbar auf Lautsprecher gestellt und im Badezimmer auf dem Waschbecken liegen hat, während er seine Klamotten auszieht.
„So ganz alleine? Ist ja langweilig." Ich ziehe einen Schmollmund, aber nur so lange, bis mir einfällt, das Jimmy mich nicht sehen kann.
„Glaub mir, Leo. Ich fühle mich hier drin auch viel zu einsam. Aber wenn wir zusammen duschen, kommen wir zu spät zum Essen."
„Okay, der Punkt geht an dich. Dann mach du mal. Ich bin gleich da."
„Okay, bis gleich. Ich liebe dich."
„Ich liebe dich auch.", antwortet Jimmy und legt dann auf.
Ich bin gerade dabei die eben gekauften Lebensmitte in den Schränken zu verstauen, was mich an eine Partie Tetris erinnert, als Jimmy im Türrahmen auftaucht. Nur mit einer Jeans bekleidet muss ich mich extrem zurückhalten, ihm nicht direkt um den Hals zu springen.
„Und, wie war der Tag?", frage ich, löse meinen Blick schweren Herzens und versuche mich weiter am Verstauen er Lebensmittel.
„Ganz okay würde ich sagen. Am besten war die Torte, die Maite und Barby gebacken haben. Danach mussten wir eine zweistündige Pause einlegen, weil keiner von uns mehr einen klaren Gedanken fassen konnte. Aber das Programm steht jetzt, die Termine sind öffentlich und ... was siehst du mich so an, als würdest du mich am liebsten erwürgen?", unterbricht Jimmy sich, als er meinen empörten Blick bemerkt.
„Sag mir jetzt bitte nicht, dass du mir von dieser tollen Torte nichts mitgebracht hast." Mit jedem Wort trete ich einen Schritt auf meinen Freund zu und halte eine Packung Spaghetti zwischen uns wie einen Degen. Jimmy grinst nur. Anscheinend amüsiert ihn mein Anblick.
„Ich bin doch nicht lebensmüde.", sage er mit erhobenen Händen, schiebt sich an mir vorbei zum Kühlschrank. Er holt einen Teller heraus und stellt ihn zwischen uns auf den Tisch. Langsam lasse ich meine Nudelpackung sinken. Ich entferne die Frischhaltefolie und alleine beim Anblick des Tortenstückes läuft mir das Wasser im Mund zusammen.
„Die Beiden haben sich echt selbst übertroffen.", stelle ich fest, als ich mir das Stück von allen Seiten anschaue.
„Das kannst du laut sagen.", bestätigt Jimmy.
So verlockend die Torte auch ist, ich decke sie wieder ab und stelle sie zurück in den Kühlschrank, damit ich von dem Abendessen noch etwas herunter bekomme. Ich dusche in neuer Rekordzeit und ziehe mir frische Klamotten an. Da ich vergessen habe, ein Geschenk für Kathy zu besorgen – und auch nicht wirklich wusste, was ich ihr kaufen soll – besorge ich ihr immerhin einen großen, bunten Blumenstrauß.
„Ich muss mich wirklich bald nach einem Job umsehen.", stelle ich fest, als Jimmy meinen Strauß bezahlt und vorsichtig auf den Rücksitz legt.
„Das musst du nicht. Ich mache das gerne, wirklich.", pflichtet er mir bei.
„Ja, ist klar. Aber was mache ich denn, wenn du wieder mit deinen Geschwistern unterwegs bist? Den ganzen Tag in der Wohnung hocken?" Auffordernd sehe ich Jimmy an.
„Lass uns das ein anderes Mal besprechen, ja? Wir kommen noch zu spät.", sagt er und steigt ein.
„Da gibt es nichts zu besprechen. Ich habe nicht so viel durchgemacht, um jetzt von dir abhängig zu sein. Ich will mein eigenes Leben führen. Und da gehört es nun einmal dazu arbeiten zu gehen und sein eigenes Geld zu verdienen.", antworte ich und lasse mich auf den Beifahrersitz fallen.
„Ist ja gut. Lass uns deswegen nicht streiten, okay? Wenn du das möchtest ist das in Ordnung. Ich will nur nicht, dass du etwas tust, nur weil du denkst, dass du es musst. Das ist blöd rüber gekommen. Tut mir leid." Jimmy beugt sich zu mir um mich zu küssen. Doch anstelle es ihm gleich zu tun, ziehe ich ihm die Mütze ins Gesicht, als er nahe genug bei mir ist.
„Du bist süß. Und jetzt fahr los.", sage ich lachend.
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Together we are strong
Fanfiction‼️TRIGGERWARUNG‼️ Diese Geschichte enthält triggernde Inhalte, die eventuelle Spoiler für den Verlauf der Geschichte enthalten. Zudem zählen: Verlust der Eltern und anderer geliebter Personen, Kindesmissachtung, Trauer, Waffenmissbrauch und Verarbe...
