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kapitel 17

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Bilals POV

Ich schloss den Mußhaf ¹ und trat an das Mikrofon, welches vor dem Mihrab² angebracht war. Ein leichtes Knistern ertönte, als ich es anschaltete und ich räusperte mich, bevor ich den Gebetsruf zum Maghrib-Gebet melodisch ausrief. Meine Stimme hallte durch die gesamte Moschee, das wirre Flüstern im Hintergrund verstummte und vereinzelt traten einige Männer in den Gebetsraum. Als der letzte Ton von der Stille durch die Reihen getragen wurde, begab ich mich zurück an meinen Platz und setzte mich hin. Fünf Minuten später beteten wir gemeinsam unter den surrenden Deckenventilatoren, die die warme Luft zum Zirkulieren brachten.

Die letzten Wochen hielt ich mich vermehrt in der Moschee auf, da mich hier eine Ruhe fand, die ich dringend benötigte. Neuerdings häuften sich meine Gedanken bis ins unermessliche und ich hatte das Gefühl daran verrückt zu werden. Ganz egal, was ich mir einreden wollte, die Sache mit Amanah leistete definitiv ihren Beitrag dazu. Mir war aufgefallen, dass sie die Dienstagssitzung vermied und das kam mir gelegen. Ich musste meinen Kopf frei kriegen und mich auf das Wesentliche konzentrieren. Aber die Vorstellung von Amanah und einem anderen Mann machte etwas mit mir, was ich das letzte Mal vielleicht als Kind verspürt hatte. Es waren so irrationale Zustände, in denen ich mich befand, dass mir nichts anderes half, als mich bis in die Erschöpfung zu beschäftigen. Mein Gehirn so lange zu beanspruchen, bis es von alleine abschaltete. Und die dadurch in mir aufgestaute Spannung lockerte sich nur, wenn ich mich in der Moschee befand. Mein zweites Zuhause.

"3ammo ³, kannst du mir sagen, wie man diesen Vers ausspricht?" Der jüngere Bruder eines Bekannten hielt mir seinen Mußhaf entgegen und zeigte auf einen Vers, den ich ihm deutlich vorlas.

إِنَّ ٱلَّذِينَ قَالُوا۟ رَبُّنَا ٱللَّهُ ثُمَّ ٱسْتَقَـٰمُوا۟ تَتَنَزَّلُ عَلَيْهِمُ ٱلْمَلَـٰٓئِكَةُ أَلَّا تَخَافُوا۟ وَلَا تَحْزَنُوا۟ وَأَبْشِرُوا۟ بِٱلْجَنَّةِ ٱلَّتِى كُنتُمْ تُوعَدُونَ

Wenn das kein Zufall war. Ich überflog die Übersetzung auf der anderen Seite und schloss seufzend meine Augen. SubhanAllah.

"Wahrlich diejenigen, die sagen: "Unser Herr ist Allah", und die sich dann aufrichtig verhalten - zu ihnen steigen die Engel nieder (und sprechen): "Fürchtet euch nicht und seid nicht traurig, und erfreut euch des Paradieses, das euch verheißen wurde."

"Danke 3ammo." Ich klopfte dem Jungen auf die Schulter und erhob mich. "Kommt Yunus heute zur Sitzung?" Sein kleiner Bruder nickte und ich tat es ihm nach. "Na dann, ich muss einiges vorbereiten. Komm auch gerne vorbei, wenn du möchtest." Mit den Worten begab ich mich in den Vortragsraum, um alles für die kommende Sitzung vorzubereiten. Ich war träge und meine Motivation hielt sich in Grenzen, aber ich musste durchbeißen.

Meine beiden besten Freunde warteten in der Kühle der einbrechenden Dämmerung auf mich. Ich hatte einen langen Tag hinter mir. Der Vortrag war lehrreich gewesen. Der Saal voller, als die Woche zuvor. Amanah und ihre Freundin beide nicht anwesend. Aber jedes Mal, wenn ich eine weitere Woche hinter mich brachte, fiel mir die Last, die solch eine Verantwortung mit sich brachte, von meinen Schultern. "Wo ist dein Auto?" Dawood lehnte an einem dieser Fahrradabstellbügel, neben ihm Amir, der auf sein Handy schaute. "Bin ohne Auto da." Jetzt schaute auch Amir auf. "Wie kommst du nach Hause?" Ich grinste und zeigte an mir runter. Ich hatte meine Alltagskleidung im WC zu einem Trainingsanzug ausgetauscht. "Sag mir nicht, du joggst jetzt den ganzen Weg." "Wie viele Kilometer sind das? 20?" Ich begann mich zu dehnen und suchte auf meinem Handy nach einem islamischen Podcast, den ich während meines Laufes hören konnte. "13,4. Ich brauch ne Stunde, maximal 70 Minuten. Ich bin eingerostet. Es wird wieder Zeit." Beide meine Kumpels schüttelten ungläubig den Kopf. "DU bist eingerostet? Du bist krank, Habibi. Hier oben." Amir deutete auf seinen Kopf und ich lachte. "Yallah ⁴, ich will vor 11 Zuhause sein." Ich gab beiden meinen Kumpels die Hand, auch, wenn sie so aussahen, als sei ihr Gesprächsbedarf noch nicht gestillt. "Du weißt, dass du mit uns reden kannst, wenn es dir nicht gut geht?" Amir sprach leise, sodass Dawood nichts hörte, während er mich in einen brüderlichen Handschlag zog. "Mir geht es bestens, alhamdullilah ⁵." Ich setzte meine Kopfhörer auf und joggte die Treppen zur Hauptstraße hinunter.

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt