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Die kommenden Tage verliefen zäh und waren nichts als ein reinstes Wirrwarr. Ich hatte erstmal nur Dua von den jüngsten Geschehnissen erzählt, weil ich ungern über Dinge sprach, die noch nicht ganz greifbar waren. Es war definitiv nicht einfach für mich, meine Gefühle zu sortieren und mich gleichzeitig auf meine Uni und mein Sozialleben zu konzentrieren. Ich war konstant in meinen Gedanken verloren; versuchte dies aber nicht meinen Alltag beeinflussen zu lassen.
Heute war es soweit. Heute würde Yunus mit seiner Familie vorbeikommen. Erstmal mit meinem Vater reden und dann mit mir. Ich war nervös. Nicht wirklich aufgeregt, aber gespannt auf das, was sich ergeben würde. Wir hatten den gesamten Vormittag mit Putzen verbracht. Meine Mutter hatte gekocht und ich musste mich noch anziehen und Tee aufsetzen. Sonderlich gut fühlte ich mich nicht.
Bilal hatte ich nicht mehr gesehen und ehrlich gesagt kam mir dies gelegen. Wenn man eine Person aus dem Kopf bekommen wollte, war der beste Schritt, ihr nicht mehr zu begegnen. Ich versuchte weder wütend noch enttäuscht oder verletzt zu sein. Alles war von Allah swt. geschrieben und alles hatte seinen Sinn. Der Blick auf die Uhr holte mich zurück in die Realität. In weniger als einer halben Stunde würde er da sein. Gestresst schlüpfte ich in eine waldgrüne Abaya und wickelte mir vor dem Spiegel ein passendes Kopftuch um. Meine pechschwarzen Augen schauten mich unbeholfen an, während ich das Tuch mit Nadeln befestigte. "Das wird schon." murmelte ich mir selber zu und zwang mein Spiegelbild zu einem Lächeln. Es erreichte nicht einmal meine Nase.
Meine Hände schwitzten, während ich mich in die Küche begab, um Tee aufzusetzen. Der bronzene Teekessel, ein Originalstück aus Nablus, war kühl gegen meine Haut. Ich fuhr mit meinen Fingern über die handgeschlagenen Muster und atmete tief ein und wieder aus, um mich zu beruhigen. Den mit Wasser gefüllten Kessel stellte ich auf den Herd und schaute dann dabei zu, wie vorerst nichts geschah. "Bist du aufgeregt?" Mit einem sanften Lächeln trat meine Mutter in die Küche und legte ihre Hand an meine Wange. "Das geht mir alles viel zu schnell." Ich lächelte, während meine Mutter meine Stirn küsste und sich dann dem duftenden Essen widmete. Maqlouba. Mein Lieblingsgericht. Synchron zum Pfeifen des Kessels ertönte die schrille Klingel unserer Wohnung und eine Gänsehaut durchfuhr meinen Körper.
"As salamu aleikum wa rahmatullahi wa barakatuh" Die Stimmen durchmischten sich im Flur und schallten durch die Wohnung während meine Mutter mich durch die Küchentür in Richtung des Geschehens schob. "Yallah!" Wie in Zeitlupe begab ich mich zur Haustür, wo mein Vater bereits händeschüttelnd mit Yunus Vater stand. Dahinter seine Mutter, die nun von meiner empfangen wurde. Und dahinter Yunus. Ich fühlte mich wie eine Außenstehende, die dabei zusah, wie seine Eltern und meine Eltern sich herzlich begrüßten, redeten und sprachen. Ich verstand kein Wort. Nur zusammengesetztes Nuscheln, das wie durch Watte gedämpft meine Ohren erreichte. Dann trat Yunus ein. Seine braunen Haare leicht zur Seite gekämmt. Sommersprossen zierten seine helle Haut und seine dunklen Augen erinnerten an ein wachsames Reh. Er trug eine blaue Jalabiya, die kurz vor seinen Knöcheln endete und schaute etwas unschlüssig, fast verloren drein. "As salamu aleikum." Mein Vater schüttelte ihm fest die Hand, meine Mutter nickte ihm zu. Dann traf sein Blick auf mich. Er presste seine Lippen aufeinander, blinzelte und grüßte mich mit einer dezenten Kopfbewegung. Ich reagierte nicht. "Lasst uns ins Wohnzimmer gehen." Mein Vater ging voraus, alle anderen folgten ihm. Ich als Letzte. Im Wohnzimmer angekommen, nahm jeder Platz. Baba und Mama auf der einen Couchseite. Auf der anderen Khala Hanifa und ihr Mann Jalal, wie ich später erfahren würde. Yunus setzte sich gegenüber meiner Eltern. Seine Hände im Schoß gefaltet und sein Blick auf den Couchtisch fixiert. "Wer trinkt Chai?" Der Satz verließ rau meine Kehle und alle Augen fanden zu mir. "Habibti, bring einfach für alle, okay?" Nickend begab ich mich in die Küche, wo ich schwarzen Tee und Zucker in das kochend heiße Wasser gab. Es war beabsichtigt so. Dass die Frau sich in der Küche um den Tee kümmerte, damit der Vater Zeit hatte, denjenigen, der sich für sie interessierte, mit Fragen zu durchlöchern. Mein Vater war kein strenger Mann, aber er hatte Prinzipien, über die er ungerne hinweg sah. Und ich wusste, er würde nicht jeden an mich heranlassen. Ich ließ mir Zeit mit dem Tee, und erst als das Wasser eine tiefrote Farbe angenommen hatte, balancierte ich den Kessel mit 6 kleinen Gläsern auf einem passenden Serviertablett ins Wohnzimmer. Das Gespräch bereits in vollem Gange. Ich gab vor, nicht zuzuhören, während ich den heißen Tee in die kleinen Gläser goss und vor jedem eins von ihnen abstellte.
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wär sie nicht da gewesen
RomanceViel zu früh musste der 24 jährige Bilal erwachsen werden. Viel zu früh musste er die Rolle seines verstorbenen Vaters einnehmen und dafür sorgen, dass seine Familie nicht den Abgrund traf. Wie viel Leid er dafür einstecken musste, war ihm gleichg...
