kapitel 6

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Amanahs POV

"Okay, aber hast du deiner Mutter gesagt, dass sie es seiner Mutter sagen soll?"
"Nein. So verzweifelt bin ich auch wieder nicht."
"Das klingt für mich weniger nach einem Fall von Verzweiflung und eher nach 2 Seelenverwandten, die wieder zueinander gefunden haben." Meine beste Freundin kicherte und legte dann einen Arm um mich. "Qadar. Du weißt, dass alles schon vorherbestimmt ist. Wenn ihr füreinander geschrieben seid, dann wird es passieren. Ob du dein Ego überwindest oder nicht." Dua war meine engste Freundin, eigentlich schon eher eine Schwester und begleitete mich seit meinem zehnten Lebensjahr. Fast unmittelbar nach der Zeit, in der Bilal langsam aus meinem Leben schwand. Sie kannte ihn nur aus Erzählungen. Nur aus Geschichten, die ich ihr damals erzählt hatte. Seit unserer ersten Begegnung in der 5. Klasse bis zur Oberstufe erzählte ich ihr bei jeder Gelegenheit, die sich ergab von ihm. Als seine Person irgendwann nur noch eine verstaubte Erinnerung meines jüngsten Gedächtnis wurde, wurde er immer seltener zum Thema, bis es irgendwann interessantere, wichtigere Dinge gab, über die wir sprachen. Erst seit Neuestem, 5 Jahre später, nahm er erneut einen zu großen Teil meiner Konversationen mit meiner besten Freundin ein. Und zum ersten Mal hatte sie ein Bild zu dem mysteriösen Jungen meiner Vergangenheit vor Augen. 

Seit dem Vorfall hatte ich das Haus seltener verlassen. Ich hatte es vermieden, alleine unterwegs zu sein, war zuhause, bevor die Dunkelheit einbrach und ließ mich von Freunden bis zur Türe begleiten. Tatsächlich hatte der Angriff mental mehr mit mir gemacht, als ich anfangs geglaubt hatte, doch ich versuchte mich Stück für Stück der durch die Angst entstandenen Blockade zu stellen. So wie heute. Dua und ich gingen seit Jahren zu den regelmäßigen Sonntags Sitzungen für Schwestern, und auch wenn ich gerade am liebsten in meinem Bett verrotten würde, habe ich mich aufgerappelt, um auch die heutige Sitzung nicht zu verpassen. Bilal hatte ich seit jeher nicht mehr gesehen und auch sonst nichts von ihm mitbekommen. Und dennoch war er in meinen Gedanken präsenter als je zuvor. Seine Mutter hatte selbstverständlich von allem mitbekommen und mir liebe Grüße bestellt. Ich hatte nicht erwartet, etwas von ihm zu hören. Und dennoch war es ernüchternd, als tatsächlich nichts kam. Das Knirschen des Mikrophons ertönte und wenig später erfüllte ein melodischer Adhan die gesamte Moschee. Wer auch immer zum Gebet rufte, hatte es bereits einige Male getan. Ich erkannte die Stimme, und irgendwas in ihr wirkte vertraut, aber ich konnte sie nicht zuordnen. In unserer Gemeinde gab es zu viele Leute, die sich über die Jahre einen Namen verschafft hatten. Die meisten kannte ich; vom Sehen, vom Hören, manche auch in Person, aber der ganze soziale Akt überforderte mich oft. Dua und ich verrichteten das Gebet in Ruhe, bevor wir unsere Schuhe anzogen, um nach draußen zu gelangen. Die warmen Sommertage waren voll im Gange und bei so einem schönen Wetter verlegten wir unsere Sitzungen oft auf die Wiese, die sich unserer Moschee anschloss.
"AMANAH!" Unsanft riss mich Duas Ellebogen aus meinen Gedanken und ihr versuchtes Flüstern war eindeutig zu laut, als ich bemerkte, auf wen sie aufmerksam machen wollte. Es gab nämlich nur einen Ausgang für Männer und Frauen und direkt vor dem Ende der Treppe, die zum Frauenbereich führte, befand sich intelligenter Maßen das Sekretariat der Moschee. Noch vor wenigen Sekunden stand niemand geringeres als Bilal lässig im Türrahmen angelehnt und unterhielt sich mit dem Imam. Jetzt aber drehte er sich in unsere Richtung und für einen kurzen Moment ertappte er mich, wie ich ihn anschaute, bevor ich beschämt meinen Blick zu Boden huschen ließ. Dua musste eindeutig noch lernen, wie man sich unauffällig benimmt. Mit gesenktem Blick schritt Bilal an uns vorbei, raus in den Sommernachmittag und ließ uns beide hinter sich.

"Wow das war-" Ich schlug meiner besten Freundin leicht gegen den Arm, bevor sie den Satz beenden konnte. "Mach das nie wieder!"
"Er hätte zumindest Salamu Aleikum sagen können." In einer tröstenden Geste hakte Dua sich bei mir unter und schritt ebenfalls nach draußen; den Weg entlang, auf dem eben erst Bilal die Moschee verließ. "Oh, er ist noch nicht weg." Dua deutete in die Richtung, in der Bilal vor seinem Auto stand und etwas aus seinem Beifahrersitz zu kramen schien. Das Auto, in dem ich vor wenigen Tagen noch selbst saß. Gott, wieso konnte ich mir das alles nicht einfach aus dem Kopf schlagen? Bevor wir es jedoch an ihm vorbei schafften, schien er gefunden zu haben, was er brauchte und richtete sich auf. Suchend schaute er sich um, und als er Dua und mich erblickte, erhob er kaum wahrnehmbar seine Hand. "Amanah." Mein Herz setzte für eine Sekunde aus und Dua zwickte mir leicht in den Arm, was ich gekonnt ignorierte. "Salamu aleikum." Er nickte kurz in Duas Richtung, bevor er sich wieder mir widmete. "Wua aleikum salam."
"Du hast den hier letztes Mal in meinem Auto liegen gelassen. Es ist mir erst aufgefallen, als ich wieder Zuhause war und ich hab noch nicht die Zeit gefunden, um ihn dir vorbeizubringen." In seiner rechten Hand hielt er mir meinen Regenschirm entgegen und etwas enttäuscht nahm ich diesen an. Was genau hatte ich erwartet? "BarakAllahu feek. Mir ist nicht mal aufgefallen, dass er fehlt." Eine unangenehme, drückende Stille breitete sich zwischen uns aus und ich verstaute den Regenschirm in meine Tasche, bevor ich zum Gehen ansetzen wollte.

"Geht es dir besser?" Dua löste sich von mir und deutete in Richtung Wiese. "Ich geh schon mal vor, ja?" Mit einem kecken Grinsen nahm sie mir meine Tasche ab und ließ mich alleine mit Bilal. "Das ist übrigens Dua. Meine längste Freundin nach-" Und dann fiel mir ein, was ich grade fast ausgesprochen hätte. Wieso benahm ich mich wie der letzte Vollidiot. Bilal stand noch immer geduldig vor mir und wartete darauf, dass ich seine Frage beantwortete. "Mir geht es besser, alhamdullilah. Danke nochmal. Ich bin nicht dazu gekommen mich vernünftig bei dir zu bedanken." Er winkte ab, als wär es nichts gewesen, was er für getan hat und umschritt dann sein Auto. "Ich muss los. Man läuft sich bestimmt irgendwann über den Weg, so oft wie es in den letzten Wochen passiert ist." Ein humorvoller Ton begleitete seine letzte Aussage und ich wusste nicht, ob er es positiv oder negativ meinte. Also hob ich bloß meine Hand, und sah zu, wie er in einer schnellen Bewegung in den Fahrersitz stieg. "Pass auf dich auf und grüß deine Eltern von mir." Eventuell sollte ich wirklich mal einen Herz-Rhythmus-Test oder irgendetwas dergleichen in Betracht ziehen, denn die Reaktion meines Organs auf die einfachsten Sätze oder lediglich die Präsenz Bilals schien außerhalb des Normalbereichs zu liegen. Oder vielleicht lässt es sich in meiner fehlenden Erfahrung mit dem anderen Geschlecht zu interagieren begründen. Bevor ich antworten konnte, hörte ich ein "Salamu aleikum" seinerseits und sah dabei zu, wie er aus dem Parkplatz raus manövrierte. Das war eindeutig der Zeitpunkt zu gehen, wenn man nicht wie eine verzweifelte, hoffnungslose junge Frau wirken wollte, die Interesse an ihrem ehemaligen Kindheitsfreund entwickelt hatte, weil er nach Jahren wieder ungefragt in ihr Leben getreten war und nicht nur um einiges größer, maskuliner und attraktiver, sondern auch noch religiöser, respektvoller und charmanter geworden ist. 
Wooow. Stop.
Ich drehte mich um und stapfte in eiligem Tempo den kurzen Weg zur Wiese, wo Dua bereits auf mich wartete. Aber ihre Neugierde musste warten, denn die anderen Frauen der Sitzung trudelten nach und nach ebenfalls dazu, und ich musste sowieso erstmal runterkommen.

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ich will die story wirklich durchziehen inshaAllah,
hab ich noch aktive leser? 😭😭

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt