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kapitel 32

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"Alles okay?" Dua lief hastig durch die Küche, die sich dem großen Wohnzimmer anschloss. Erst jetzt erblickte ich Hamza, der ebenfalls so aussah, als würde er nach etwas suchen. "Ich hab mein Handy irgendwo verlegt." Meine beste Freundin sah nervös aus, und ich wusste, dass es daran lag, dass sie immer erreichbar sein musste. Ihre Eltern. "Ich habs." Hamza hielt triumphierend ihr Handy hoch und augenblickliche Erleichterung machte sich in ihr breit. "JazakAllahu khairan." Er nickte bloß, bevor er zurück im Garten verschwand. Mit hochgezogener Augenbraue schaute ich sie an, aber ihre forschende Miene ging in eine andere Richtung. "Du bist rot." Sie legte ihre Hände an meine Wangen und zog sie kurzerhand wieder zurück. "Du bist knallrot und dein Gesicht glüht." Jetzt grinste sie, ihr Ellenbogen stieß mir leicht in die Seite. "Zum Glück haben wir noch genug Zeit, damit du mir alles erzählst. Na komm."

Den Rest des Abends versuchte ich, die Zeit mit meinen Liebsten zu genießen, auch wenn ich bis in die tiefe Abendstunde Bilals einnehmende Augen auf mir spürte. Seine kalte Hand an meiner Wange, seine abgehackte Atmung auf meinen Lippen. Der Gedanke, dass das erst der Anfang war, war surreal, und doch eines der schönsten Gefühle überhaupt. Als bereits der ein oder andere zum Gehen ansetze, wurde ich erneut ins Innere des Hauses geholt. Diesmal von meiner Mutter. Dort angekommen warteten bereits Bilals Familie, Bilal, sowie mein Vater und meine beiden Brüder. Adnan beobachtete mich mit einem stolzen Lächeln auf den Lippen. Ich hatte kaum Zeit gefunden, mich richtig mit ihm zu unterhalten. Er war erst heute Morgen angereist, und auch wenn wir in dem Stress des heutigen Tages kaum Worte gewechselt hatten, sah ich die Zuneigung in seinem Blick.

Fragend kam ich vor der Gruppe zum Stehen und als meine Miene Bilals traf, erkannte ich, dass er ebenso wenig wusste, wie ich. "Wir haben ein kleines Geschenk für euch." Die Stimme meines Vaters klang ausgelaugt. Seine Augenbrauen waren müde verzogen, seine Augen glasig, aber sein Lächeln aufrichtig. Meine Mutter deutete mir an, näher zu treten, und Bilal und ich kamen vor ihm zum Stehen. Er reichte Bilal einen Umschlag und zeitgleich schauten wir beide auf. "Na macht schon auf." Bilal schaute mich von der Seite an, und hielt mir den Umschlag entgegen. "Mach du." Seine Stimme war sanft und löste einen Schwarm von Schmetterlingen in meiner Brust aus. Ich ergriff den Umschlag und riss ihn vorsichtig auf, bevor ich einen zusammengefalteten Zettel und zwei Tickets hervor holte. Mein Nebenan schielte über meine Schulter, seine Präsenz in jeder Faser meines Körpers zu spüren. Ohne dem Zettel Aufmerksamkeit zu schenken, inspizierte ich die zwei Tickets... Flugtickets. Bilal nahm einen der beiden in die Hand, seine Finger für einen Moment meine streifend. "Nein." Er schüttelte den Kopf und hielt meinem Vater das Ticket hin. Es war ein Flugticket nach Istanbul. Für Morgen Abend. "Nein das kann ich nicht annehmen, ich-" Mein Vater trat einen Schritt vor und legte seine Hand auf Bilals Schulter. "Mein Sohn..." Ich sah das kaum merkliche Hüpfen seines Adamsapfel, die Demut in seinem Blick. Es war, als würde er sich nach diesen Worten sehnen. Mein Sohn...

"Wir haben die Tickets gekauft und wir haben sie bezahlt. Es sind nur drei Tage, die werden weder dir noch uns wehtun. Ihr habt euch das verdient, und du hast über das Wochenende keine Verpflichtungen, denen du nicht auch in der Woche danach nachgehen kannst." Bilal öffnete protestierend den Mund, und jetzt war es meine Mutter, die sprach. "Die Tickets sind gekauft. Wenn ihr nicht geht, wurde das Geld in den Sand gesetzt, falls es dir darum geht. Bilal das ist ein Geschenk von uns und deiner Mutter. Wir sind eine Familie, okay? Wir waren es schon vorher, aber jetzt erst recht. Und wir werden niemanden im Stich lassen." Mein Nebenan schaute zu mir runter. Seine Miene voller Unschlüssigkeit. Ich nickte schwach und er tat es mir nach. "Okay." Er gab mir das Ticket zurück, seine Augen verweilen auf mir. "Okay... Danke, ich weiß nicht-" Erneut ließ mein Vater ihn nicht aussprechen. Stattdessen zog er ihn in eine Umarmung, die mein Herz schmelzen ließ. Und danach umarmte er mich. Ich wusste nicht wieso, aber die Art und Weise, wie mein Vater mich hielt, fühlte sich wie ein Abschied an, und ich hasste es. "Ich liebe dich, Habibti." Augenblicklich schossen Tränen in meine Augen, während mein Vater mich hielt, als würde ich mich jede Sekunde in Luft auflösen. "Baba, alles ist gut." Er löste sich von mir, und auch er weinte. "Ich weiß, Habibti. Ich weiß." Sanft drückte er mir einen Kuss auf die Stirn, bevor er sich räusperte und sich über das Gesicht fuhr. Ganz so, als hätte er nie Emotionen gezeigt. Mein großer Bruder trat mit einem breiten Grinsen zu mir und stieß mir sanft mit seinem Ellebogen gegen die Schulter. "Du hast es geschafft. Die heulende, untröstliche 10-jährige Amanah wäre stolz auf dich." Meine Faust landete auf seinem Arm, während Bilal neben mir zu lachen begann. "Und du?" Adnan klopfte Bilal brüderlich auf die Schulter. "Du warst so ein kleiner komischer Junge. Du hast echt was aus dir gemacht." Die beiden grinsten, und es war dieser Moment, in dem die ganze Welt in ihren Platz rückte. Jedes Puzzleteil fand sein Gegenstück und alles schien perfekt zu sein.

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt