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kapitel 50

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8 eindhalb Monate später

Amanahs POV

Es war viel passiert, die letzten Monate.
Meine beste Freundin hatte geheiratet. Adnan kam öfter zu Besuch und schien so langsam seinen Platz auf dieser Welt gefunden zu haben. Rima war auf die weiterführende Schule gekommen. Bilal hatte seinen Master mit Bravour bestanden und arbeitete inzwischen Vollzeit als Ingenieur in dem Bauunternehmen, in dem er auch sein Praktikum absolviert hatte. Das Resultat daraus war die vermutlich größte Veränderung für uns. Wir waren in unsere erste eigene Wohnung gezogen. Sie war nicht besonders groß, aber bot uns mehr, als wir uns hätten vorstellen können. Wir wohnten etwa 15 Minuten von meinen Eltern entfernt. Um einiges zentraler und in einer Gegend, in der wir uns keine Sorgen um Rimas Aufwachsen machen mussten. Sie war modern, hell und mit großen Fenstern und Stück für Stück machten wir sie zu einem richtigen Eigenheim. Rima hatte ihr eigenes Zimmer und Bilal und ich ein gemeinsames Schlafzimmer mit Balkon. Wir waren über das erste Jahr unserer Ehe so stark gemeinsam gewachsen – würde ich auf die Amanah von vor 12 Monaten blicken, würde ich sie vermutlich nicht wiedererkennen.

Bilal hatte noch immer seine eigenen Kämpfe zu führen. Ihm ging es schon viel besser, als kurz nach dem Tod seiner Mutter, aber es gab Tage, an denen die Last auf seinen Schultern ihn zu Boden zu zerren schien. Tage, an denen er Zeit für sich brauchte... Ruhe. Eine Pause.
Es waren Tage, die mir schwerfielen. Zu sehen, wie er litt und niemanden an sich ranlassen wollte. Ich lernte damit umzugehen, und er lernte mich bedingungslos zu lieben und zu kommunizieren, wenn es ihm nicht gut ging.

Rima ging es ähnlich. Sie hatte definitiv mehr Lebensfreude als Bilal. Sie war noch jung und ihr neuer Lebensabschnitt brachte viel Aufregung mit sich. Aber auch sie hatte Tage, an denen sie sich in ihrem Zimmer verkroch, oder an meiner Seite weinte, weil sie ihre Mutter vermisste. Im Gegensatz zu Bilal, ließ Rima sich professionell helfen. Einmal pro Woche sprach sie mit ihrer Psychotherapeutin, und es schien etwas zu bringen. Ich verübelte es Bilal nicht, dass er dies nicht wollte. So sehr ich es mir auch für ihn wünschte, in seinem Kopf musste er es alleine schaffen. Für sich. Er half sich mit stundenlangen Läufen und Schuften bis zur Erschöpfung. Und manchmal ließ er mich ihm helfen.

Die letzten Monate waren eine reine Achterbahnfahrt der Emotionen. Aber sie hatte uns zusammengeschweißt und gestärkt. Und ich konnte nicht dankbarer sein.

"Und deswegen habe ich mich von ihr getrennt." Mein großer Bruder schraubte den letzten Knauf an die neue Kommode, die gestern angekommen war, und betrachtete sein Werk. Er hatte sich von seiner Freundin getrennt. Es klang fies zu sagen, dass es mich freute. Ich freute mich nicht darüber, dass er sich von ihr getrennt hatte. Sondern darüber, dass er langsam aber sicher wieder zum Glauben fand. Dass er bereit war, das, was er die letzten Jahre über falsch gemacht hatte, wieder gerade zu biegen. Auch wenn es eine große Umstellung für ihn bedeutete. "Und wie geht es ihr damit?" Adnan zuckte mit den Schultern, bevor er die Kommode neben unser Bett schob. "Nicht gut... denke ich. Sie hat gesagt, sie hätte auf die anderen hören sollen, als sie gewarnt wurde." Er grinste schief, bevor er sich neben mich kniete, um mir mit dem nächsten Möbelstück zu helfen. "Du weißt, was sie damit meint, oder? Die anderen haben sie gewarnt, dass ein Araber es sowieso nicht ernst mit ihr meinen würde, wenn sie nicht konvertiert." Er schnaubte verächtlich. "Jetzt haben sie wohl einiges zu reden." Ich klopfte meinem Bruder auf die Schulter und lehnte mich gegen das Bett. "Du hast das Richtige gemacht. Auch für sie. Sie hätte versucht, sich für dich zu verändern, und auf lange Sicht wäre sie vermutlich daran kaputt gegangen." Adnan schaute mich nicht an, aber ich wusste, dass es ihn ebenso mitnahm, wie sie. Knapp 5 Jahre lang waren er und Elisa ein Paar gewesen. Immer, wenn ich versuchte ihn darauf anzusprechen, sagte er mir, dass er es wirklich ernst mit ihr meine, aber Mama und Baba sie nicht akzeptieren würden. Und deswegen erzählte er nicht von ihr. Wenn man ein halbes Jahrzehnt miteinander verbrachte, war es sicherlich nicht einfach von heute auf morgen alleine da zu stehen. Aber er tat es für Allah. Und das würde sich niemals als Negativ erweisen.

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt