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kapitel 36

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Eine angenehme Helle weckte mich sanft aus dem Schlaf und ich blinzelte, um mich an den lichtdurchfluteten Raum zu gewöhnen. Es dauerte ein paar Sekunden, bis ich das leichte Gewicht auf meine Taille, die Präsenz hinter mir und das ruhige Atmen, welches nicht meines war, wahrnahm. Und als die Erinnerung an die heutige Nacht einsetzte, breitete sich ein angenehmes Kribbeln in meiner Magengegend aus. Bilal schlief noch, was perfekt war, um ihn mit einem späten Frühstück zu überraschen. Ich erinnerte mich an den Supermarkt, den ich gestern unten entdeckt hatte, und entschied mich, so gerne ich auch in Bilals Armen liegen geblieben wäre, mich fertig zu machen.

Vorsichtig versuchte ich Bilals starken Arm von mir zu schieben, und rutschte gleichzeitig langsam in Richtung Bettkante. Kurz bevor ich glaubte, es sei mir gelungen, ohne ihn dabei aufzuwecken, verstärkte sich der Griff um mich und Bilal zog mich mit einem Mal zurück an seine Brust. Er hielt mich entschlossener als zuvor und vergrub sein Gesicht in meinem Nacken. Ich legte meine Hand auf seine und versuchte sanft seine Finger von mir zu lösen, bevor er ein leises Grummeln von sich gab. "Bleib hier." Seine raue Morgenstimme ließ mein Herz schneller schlagen, und ich drehte mich zu ihm um. Ich wollte, dass er weiterschlief. Das Frühstück sollte eine kleine Überraschung sein, und außerdem schien er diesen Schlaf mehr als nur zu benötigen. "Ich muss aufstehen." Seine Augen waren noch immer geschlossen, während er erneut etwas vor sich hin nuschelte. "Nur 5 Minuten". Ich konnte ihm nicht nein sagen. Also schlang ich meine Arme sachte um seinen Oberkörper, während er seinen Kopf erneut in meiner Halsbeuge vergrub. Meine Finger spielten mit seinen Haaren und seine Atmung begann wieder regelmäßiger zu werden. Es war ein verdammter Witz, was hier gerade passierte. Dass das hier tatsächlich meine Realität war. Dass Bilal all das zuließ. Dass ich eine bessere Version eines jeden meiner Träume lebte.

Nacht etwa fünf Minuten löste ich mich endgültig von Bilal, welcher seelenruhig zu schlafen schien. Ich machte mich fertig, zog mein Hijab an und begab mich kurzerhand nach draußen, wo mich ein reges Getümmel von Menschen empfing. Es war kühl und der Himmel leicht grau, aber die Stimmung brachte eine Wärme mit sich, die man aus Deutschland nicht kannte. Der kleine Supermarkt hatte alles Wichtige, was man an Einkäufen in den kommenden Tagen benötigen würde, und nach etwa 10 Minuten verließ ich den Laden mit zwei vollgepackten Plastiktüten. Oben angekommen, zögerte ich nicht lange. Die Einkäufe platzierte ich auf der Küchentheke, bevor ich in einer Pfanne Öl erhitzte, um Sucuk und Eier anzubraten. Kaum hatte ich die Eier in die Pfanne gegeben, öffnete sich die Türe zur Küche und Bilal trat ein. Er trug noch immer die graue Jogginghose und das zu gut sitzende weiße Shirt, in dem er geschlafen hatte. Seine Haare waren offen und wirr und seine Augen leicht vom Schlaf geschwollen. Er sah unglaublich attraktiv aus, während er sich mir näherte und von hinten seine Arme um meine Taille schlang und sein Kinn auf meiner Schulter ablegte. "Saba7el kheir."¹ Seine Lippen streiften für einen kurzen Moment meinen Kiefer und er roch nach Minze und Oud. "Saba7el nour."² Jedes Mal, wenn Bilal mich berührte, als sei es nichts, verspannte mein gesamter Körper unter seinen Händen und ich bezweifelte, dass dies jemals anders aussehen würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass dies irgendwann normal für mich sein würde. Der Mann meiner Träume löste seine Arme von meiner Taille und schlang sie stattdessen um meine Schultern, bevor er einen Kuss auf meinen Scheitel drückte. Ich hatte vieles von Bilal erwartet. Mir vieles ausgemalt oder vorgestellt, aber in keiner der Szenarien hatte er mir so viel Zuneigung gezeigt, wie er es aktuell tat. Bilal war schon immer ein ernster, distanzierterer Charakter gewesen. Reif für sein Alter, ruhig und bedacht. Und auch wenn ich wusste, dass ich einen gewissen Stellenwert für ihn hatte, hatte ich ihn nicht als jemanden eingeschätzt, der ständig meine Nähe suchen würde. Nicht, dass ich mich jemals darüber beschweren würde. Im Gegenteil. Ich schätzte es sehr, wie unbeschwert Bilal mit mir war. Wie viel er lachte, und wie ehrlich er seine Gedanken aussprach. Wie sehr er mich an sich ran ließ. Mir vertraute.

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt