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kapitel 24

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Bevor das Kapitel beginnt: Bitte nehmt es euch zu Herzen, wenn ich euch darum bete, Feedback, Votes und Follows dazulassen. Es ist extremst demotivierend Zeit und Energie in meine Geschichte zu stecken, und dann von so vielen Lesern immer nur von denselben 1-2 Kommentare zu bekommen (für die ich aber sehr dankbar bin!). Es kostet euch nichts eure ehrliche Meinung dazulassen. Mich hingegen freut es, motiviert es, und trägt dazu bei, dass sich mein Schreibstil verbessert. Danke

8 Jahre zuvor
Bilals POV

Mein Kopf dröhnte und mein gesamter Körper fühlte sich träge an. Ich legte meine Stirn auf dem Tisch ab und fokussierte mich auf das Pochen meiner Schläfe. Die Worte meines Philosophie-Lehrers bildeten ein entferntes Nuscheln, welches ich nicht entziffern konnte, und ehe ich mich versah, hatte ich es wieder bildlich vor meinen Augen. Bitte nicht. Bitte nicht schon wieder. Aber egal, wie sehr ich mich dagegen wehrte, die Szenen waren in mein Gehirn eingebrannt. Schmerzhaft und provokant. Und sie erinnerten mich von Tag zu Tag daran, dass alles nichtig war.

Mein Vater. Es ist mein Vater, der in diesem hölzernen Kasten liegt. Entblößt und gereinigt. Alleine. Außer den weißen Leichentüchern, würde ihn nichts mit in das Grab begleiten. Und seinen Taten. Die guten und die schlechten. Die großen und die kleinen.

Ich wollte die Bilder nicht sehen, nicht hier. Nicht in der Öffentlichkeit, umgeben von meinem Kurs. Aber der Film vor meinem inneren Auge rollte weiter.

"La illaha illAllah." Ich versuchte mitzusprechen, aber meine Stimme verließ meine Kehle nicht. Ich hatte Angst. Angst, vor dem Anblick, der sich vor uns erstreckte. Das Loch im Boden war bereits ausgehoben. Das Braun der Erde glich eher einem Grau. Trist, feucht und kalt.
Das neue Zuhause meines Vaters.

Eine Gänsehaut tätowierte sich über meinen gesamten Körper, ließ nicht nach, während ich summende Gebete, Duas und Rufe um mich herum hörte. Ich hörte alles, und doch verstand ich nichts. "Aabo" Es war ein Hauchen, welches vom kühlen Wind getragen wurde, und ich spürte die Tränen, wie sie meine Wangen runterrollten, bis hin zum Boden, der sie gnadenlos verschlang. "Aabo". Dieses Mal war meine Stimme lauter. Und fremd. Sie machte mir Angst.

Amanahs Vater war neben mir und zog mich in eine feste Umarmung. Und es war der Moment, in dem ich brach. Alles in mir. Weil diese Arme um mich herum nicht die meines Vaters waren. Und auch nie wieder sein würden. Meine Beine ließen unter mir nach und ich hörte gedämpfte Stimmen. 3ammo Mohammed versuchte mich zu stützen, aufrecht zu halten, auf mich einzureden, aber mein Körper sackte in sich zusammen. Meine Knie tief versunken in der kühlen Erde. "Atmen, Bilal. Atme mit mir." Ich versuchte es, aber meine Lunge hatte sich verselbstständigt. Kein Atemzug gab mir genügend Luft. Stattdessen ließ ich meine Stirn niedersinken, bis sie fest ins nasse Gras presste und schloss meine Augen. Inna lillahi ua inna ilahi raji3un. Wir sind von Allah, und zu ihm kehren wir zurück.
Wie ein Mantra wiederholte ich die Worte in meinem Inneren. Wir hatten die Macht zu nichts. Und das musste ich akzeptieren. Ich atmete. Fokussierte mich auf die Stimmen um mich herum. Atmete. Atmete. Atmete. Bis meine Brust sich entspannte, meine Lunge nicht mehr bebte, und meine Augen nicht mehr tränten. Dann stieß ich mich hoch, stand auf, ignorierte die Blicke um mich herum und schaute dabei zu, wie das weiße Leichentuch, welches meinen Vater umhüllte, von fremden Männern in das tiefe Loch getragen wurde. Ich wischte mir den Dreck von der Stirn und beobachtete wie in Trance, wie der leblose Körper abgelegt wurde. Wie die Männer wieder hervorkamen. Wie Erde auf meinen Vater geschüttet wurde. So lange, bis nichts zu sehen war, außer ein aufgewühlter Hügel, der nun den Mann beherbergte, der einst Alles für mich war. Ich hörte Schluchzen und Schniefen, aber ich reagierte nicht mehr. Jede meiner Bewegungen war wie automatisiert, als wir den Friedhof verließen. Es war, als hätte ich mein Herz mit meinem Vater im Grab zurückgelassen. Ich spürte nichts, verstand nichts, dachte nichts. Alles war leer.

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt