Wir haben unsere Inhaltsrichtlinien aktualisiert.
Sieh dir die neuesten Richtlinien an, um weiterhin sicher Geschichten zu teilen.

kapitel 33

286 35 14
                                        

Gegen kurz vor zehn hatten wir das kleine Haus wieder in seine ursprünglichen Zustand gebracht. Mama und Rima waren auf dem Sofa im Wohnzimmer eingeschlafen, während meine Jungs und ich unter dem Sternenhimmel die kühle Nacht auf uns wirken ließen. "Du hast es wirklich geschafft". Amir klopfte mir stolz auf die Schulter und setzte sich auf die Wiese. "Ich kenn diesen Jungen seit der fünften Klasse und seitdem war es immer nur sie." Ich lachte kopfschüttelnd und setzte mich ebenfalls hin. Hamza und Dawood taten es mir gleich. "Woher willst du das wissen." Es stimmte. Es war immer nur sie und jeder wusste es. "6. Klasse. Emily sitzt neben Bilal und ein paar Wochen später... verknallt. Bilal hat sie nicht einmal angeguckt und sich umgesetzt. Immer noch 6. Klasse. Ich sitze neben Bilal und der Typ trägt ein rosanes Armband, auf dem Amanah draufsteht. Wir kannten uns nicht gut genug, als dass ich ihn darauf ansprechen konnte, und ehrlich gesagt wollte ich ihn danach auch nicht mehr kennenlernen." Die Jungs lachten. "7. Klasse, Klassenfahrt. In der Jugendherberge war eine Klasse aus einer anderen Schule. Der kleine Mann hier ist über den Sommer gewachsen und wenn ich euch sage, dass die Mädchen den Hals nach ihm verrenkt haben. Er hat nicht ein einziges Mal auch nur in deren Richtung geguckt. Irgendwann hab ich ihn gefragt, ob irgendwas nicht mit ihm stimmt. Er hat einfach seinen Kopf geschüttelt." Auch ich musste grinsen, bei dem Gedanken, an die ganzen Erlebnisse, die wir gemeinsam hatten, und wie genau er sich an alles erinnerte. "Irgendwann auf der Klassenfahrt hatte ich genug. Der Typ war komisch. Er sah gut aus, war sportlich aber immer still und komplett auf Schule fokussiert. Er hat mit keinem Mädchen geredet und ich hab mich an sein komisches Armband erinnert. Also hab ich im Zimmer einfach "Amanah" zu ihm gesagt. Als ich ihren Namen gesagt habe, hat er zum ersten Mal eine Reaktion von sich gegeben. Ich glaube, er wollte mich umbringen oderso." Ich erinnerte mich an den Tag.

Daran, wie schnell mein Puls wurde. Wie ich plötzlich voll und ganz da war, meine ganze Aufmerksamkeit auf diesem nervigen marokkanischen Jungen lag, der mich nie in Ruhe ließ. Wie ich wissen wollte, ob er sie meinte und wenn ja, woher er sie kannte. Es war Neugierde, Eifersucht, Wut, Aufregung, alles in einem. Aber er schaute mich nur forschend an. Ich hatte ihn angestarrt und drei Buchstaben gesprochen. "Was?" 

Man sah ihm an, dass er seine Entscheidung hinterfragte, aber sein Interesse schien größer. "Ich hab Amanah gesagt." Mein Blut kochte, während der Lockenkopf vor mir seine Augen verengte. "Wer soll das sein?" Ich wollte mir nichts anmerken lassen. Amanah war meine beste Freundin. Oder besser gesagt, ist sie meine beste Freundin gewesen. Und doch schwirrten tausende Fragen in meinem Kopf. "Sag du's mir doch." Sein freches Grinsen machte mich wütend, aber mein Vater hatte mir immer gelehrt, Herr meiner eigenen Emotionen zu sein. "Halt dich von ihr fern." Jetzt zog er eine Augenbraue hoch. "Ist sie deine Freundin?" Ich warf mich zurück auf mein Bett und drehte ihm den Rücken zu. Er brabbelte weiter, aber eventuell schaffte ich es, sein nerviges Gefrage auszublenden.

"Als wir in der 8. Klasse waren, hab ich ihn in der Moschee gesehen. Mit Dawood. Weißt du noch?" Dawood nickte grinsend, während ich Grashalme aus dem Boden riss und vor mir verteilte. "In der Moschee hatte er zum ersten Mal eine Persönlichkeit. Lachen, Reden, Fußball spielen, volles Programm." Ich boxte meinem Nebenan gegen die Schulter und er lachte. "Also mir hat er von Amanah erzählt." Es stimmte. In der Moschee fühlte ich mich wohler. Ich hatte Dawood kennengelernt und wir verbrachten ab und zu Zeit miteinander. Er war nach langer Zeit jemand, den ich wirklich einen Freund nennen konnte. Und ehe ich mich versah, hatte ich das ein oder andere Mal Amanah erwähnt, weil ich es auch nach Jahren nicht schaffte, nicht mehr an sie zu denken.

Hamza lehnte sich auf seinen Armen zurück und starrte in den pechschwarzen Himmel. "Der Bruder hats geschafft. Seine erste und einzig große Liebe geheiratet. Die letzte Frau, mit der ich interagiert habe, war die verbitterte Oma, die mir nicht geglaubt hat, dass die Bremse ihres geliebten AMGs beschädigt war." Wir alle lachten. "Das stimmt nicht. Du hast vorhin mit Amanahs Freundin geredet." Hamza schaute mich für einen kurzen Moment an, und dann wieder weg. Er sagte nichts dazu. Mein Blick ging durch die Runde. Mit meinen besten Freunden die erste Nacht als verheirateter Mann verbringen. Weil ich meine beste Freundin geheiratet hatte. Ich war wirklich einer der reichsten Menschen dieser Welt.

wär sie nicht da gewesenGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt