Amanahs POV
Mein Herzschlag verschnellerte sich augenblicklich, als Bilal durch die Türen unseres Restaurants eintrat. Er sah mich nicht direkt, und seine Augen suchten das Lokal ab, bis er mich fand. Seine angespannte Mimik ließ nach, und er kam mit festen Schritten und einer einnehmenden Präsenz auf mich zu. Meine gesamte Brust zog sich zusammen, bei dem Anblick, der sich mir ergab und dem Wissen, dass er nur für mich hier war. Das hier war unser erstes offizielles Treffen, nach letzter Woche, und ich hatte schlaflose Nächte darauf gewartet. Und jetzt war er hier.
Am Tisch angekommen, setzte er sich hin. Sein Blick auf die Tischplatte fixiert, die uns beide trennte. Er lächelte nicht. Und er sah um einiges müder und gestresster aus, als letzte Woche. "As salamu aleikum." Seine Stimme klang nach rauem Zedernholz, und er öffnete seine schwarze Regenjacke, um etwas aus der Innentasche zu holen. Noch bevor ich antworten konnte, legte er eine einzelne, weiße Magnolie zwischen uns und vergrub anschließend seine Hände in seinen Jackentaschen. Ich spürte, wie mir warm wurde, und schaute auf. Schaute Bilal an, der lässig auf die Blume zwischen uns blickte, bis seine Augen sich in meinen verfingen, und mir jegliches Denkvermögen raubten. Nach einigen Sekunden riss er sie von mir, als hätte er zu spät realisiert, was er gerade tat und räusperte sich. "Es gibt keine Magnoliensträuße. Deswegen habe ich dir letztes Mal andere Blumen mitgebracht. Aber- ich habe vor Kurzem einen Baum entdeckt und dir heute eine geholt." Ich schaute ihn noch immer an. Den irrealen Mann vor mir, der so tat, als wäre es nichts, was er getan hatte, obwohl er mir die Welt auf den Tisch gelegt hatte.
"Ist dein Vater da? Ich sollte ihn begrüßen."
"Er kommt gleich raus." Ich lächelte, für mich, und nahm den kleinen Ast zwischen meine Finger. "Bilal?"
"Mhm?" Er schaute mich an, seine Augen behutsam, seine markanten Gesichtszüge milder, als noch Sekunden zuvor. "Danke." Seine Mundwinkel hoben sich so minimal, dass es kaum wahrnehmbar war und er zuckte mit den Schultern. "Nicht dafür."
"Sei leise. Das ist- sie ist wunderschön."
Seine Augen wanderten über mein Gesicht, und er senkte erneut seine Blicke. Er wollte gerade etwas sagen, als mein Vater aus der Küche kam und sich zu uns stellte. "Bilal, mein Sohn! As salamu Aleikum." Ohne zu zögern stand Bilal auf und gab meinem Vater die Hand, der ihn kopfschüttelnd in eine väterliche Umarmung zog. "Wie geht es dir, hm?" "Alhamdullilah, gut. Und dir?" Jetzt lächelte er, und mein Vater tat es ihm gleich.
"Wundervoll, bis auf die Tatsache, dass die Zeit vor mir wegläuft und meine kleine Tochter mit ihrem kleinen Freund von damals hier sitzt, und beide irgendwie erwachsen geworden und plötzlich nicht mehr nur Freunde sind" Mein Vater zog eine Grimasse und Bilal schob sich verlegen eine Strähne aus der Stirn. "Ich mach nur Spaß, setz dich und sucht euch was zu essen aus. Es kommt gleich jemand, der die Bestellung aufnimmt." Mit den Worten verschwand mein Vater und ließ uns alleine zurück.
Bilal striff seine Jacke ab und schob eine Menükarte zu mir, bevor er die andere für sich beanspruchte. Es war still zwischen uns, während wir unsere Optionen abwägten, als ob ich das hier angebotene Essen nicht in und auswendig kannte. "Was holst du dir?" Es machte etwas mit mir, dass er mich nie ganz anschaute. Sich lediglich vereinzelt verstohlene Blicke erlaubte, bevor er sich selber tadelte und etwas anderes zum Betrachten suchte. "Falafel."
Er zog seine Augenbrauen zusammen und schaute mich fragend an. "Ein Falafel-Sandwich?" Ich nickte, und schob von oben seine Menükarte auf den Tisch. "Du?"
"Ich wollte mir etwas Richtiges holen, aber wenn du nur Falafel isst, dann werde ich mich mit Fattoush zufrieden geben." Jetzt war ich diejenige, die ihre Augenbrauen hob. "Hol dir das, was du haben willst. Ich kann nicht viel essen, wenn ich aufgeregt bin." Ein leichtes Grinsen ummalte seine Lippen, während er seine Augen von mir löste, und erneut die Karte vor sich studierte. "Warum bist du aufgeregt?"
"Du bist nicht witzig."
"Dafür hast du letzte Woche aber ziemlich viel gelacht."
Meine Magengegend wurde warm, und mein Puls verschnellerte sich. Ich mochte den stichelnden Bilal.
DU LIEST GERADE
wär sie nicht da gewesen
RomanceViel zu früh musste der 24 jährige Bilal erwachsen werden. Viel zu früh musste er die Rolle seines verstorbenen Vaters einnehmen und dafür sorgen, dass seine Familie nicht den Abgrund traf. Wie viel Leid er dafür einstecken musste, war ihm gleichg...
