Als ich wieder an meinem Schreibtisch sitze, ist die Tür zu Rileys Büro geschlossen.
Ich setze mich und schaue in seinen Terminkalender. Hm, sein nächster Termin beginnt erst in ungefähr einer Stunde und normalerweise ist diese Tür nie geschlossen. Langsam schaue ich nochmal zur Tür. Keine Regung.
Also richte ich meinen Blick wieder auf den Bildschirm vor mir und beginne, seine restlichen Termin für die nächste Woche sorgfältig zu jonglieren.
Dieser Typ ist eindeutig ein Workaholic. Ein Termin wird begleitet von dem nächsten, wie soll man da noch einen Überblick behalten?
Als ein Anzugträger, der anscheinend der nächste Termin von Riley ist, vor mir steht, erschrecke ich kurz und schüttle mich.
„Entschuldigung, ich suche Mr Billingsley. Ist er schon da?", fragt er mich höflich aber distanziert. Ich nicke und stehe auf.
Der Mann folgt mir zu der großen Holztür, die zu Rileys Büro führt. Langsam klopfe ich und warte auf das typische „Herein".
Als er nichts erwidert, klopfe ich nochmal etwas lauter und stecke dann meinen Kopf zur Tür hinein.
Da steht er, an seinen Schreibtisch gelehnt, und redet mit einer Frau, die etwa in seinem Alter ist. Ihre blonden langen Haare gehen ihr knapp über ihren üppigen Po.
Ich räuspere mich und Riley sieht mich erschrocken an und blickt dann sofort auf seine Rolex, die an seiner Hand glitzert. „Oh fuck. Ich habe wohl die Zeit vergessen", schaut er jetzt erst mich an und dann die Dame vor ihm. „Es hat mich echt gefreut, mal wieder mit dir zu quatschen, Melody."
Riley umarmt die Frau, die anscheinen Melody heißt. Sie erwidert die Umarmung und lacht. „Ich hoffe ja, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird", sagt sie mit einem Augenzwinkern.
Beim Vorbeigehen lächelt sie mich kurz an, sagt aber nichts.
Wieso habe ich das Gefühl, dass diese Frau noch viel Ärger bedeuten wird?
„Riley, dein Termin ist eingetroffen", lächle ich ihn an. Sein Blick ist leerer als sonst. „Vielen Dank, Ms Koslow." Ms Koslow? Sind wir jetzt wieder bei Ms Koslow? Ernsthaft?
Ich funkle ihn an und drehe mich dann zu seinem Geschäftstermin um. „Darf ich Ihnen einen Kaffee bringen oder Espresso?" Er nickt. „Einen Kaffee, schwarz bitte."
Ich laufe zur Tür und drehe mich nochmal kurz um. „Darf ich Ihnen auch etwas bringen, Mr Billingsley", spucke ich seinen Namen aus, als wäre er giftig. Er sieht mich verdutzt an und schüttelt mit dem Kopf.
Vor der Kaffeemaschine kreisen meine Gedanken immer noch um die Aussage von Riley.
Er hat mich tatsächlich ‚Ms Koslow' genannt und ich dachte wir wären in unserer Entwicklung schon etwas weiter.
Ein tiefes Räuspern reißt mich aus meiner Gedankenspirale, die eh nur abwärts gegangen wäre. „Na, Maus", steht Alex hinter mir und drückt meinen Arm. Er sieht immer sofort, wenn mir etwas durch den Kopf geht.
Ich schüttle den Kopf. „Es ist alles gut. Nur ein typischer Montagmorgen." Alex sieht mich zweifelnd an und ich weiß sofort, dass er mir das sicherlich nicht abkauft.
Zum Glück entscheidet er sich gegen das Nachbohren und zuckt mit den Schultern, bevor er wieder geht.
Draußen auf dem Flur höre ich ihn nur sagen: „Ich weiß sowieso, dass du früher oder später mit mir reden wirst." Er lacht schelmisch und ich kann mir ein Grinsen nicht verkneifen, als ich eine Untertasse hole, um die Kaffeetasse drauf zu stellen.
Wortlos stelle ich den Kaffee in Rileys Büro und verlasse es genauso schnell wieder, wie ich reingekommen bin.
Ich weiß, ich sollte das vielleicht nicht tun, aber dennoch setze ich mich an meinen Schreibtisch und öffne Google. „Mal sehen, wer du bist ... Melody", flüstere ich vor mich hin.
Sofort erscheinen Tausende von Ergebnissen mit Bildern und Google-Einträgen. ‚Melody Carrey mal wieder topgestylt auf dem roten Teppich der Oscars!' Ich kann nicht anders, als bei dem Bild hängen zu bleiben.
Sie sieht tatsächlich nicht schlecht aus. Oh man. Sie sieht nicht nur nicht schlecht aus, sondern eigentlich sogar wunderschön.
Als ich das Knarzen des alten Holzbodens in Rileys Büro höre, erschrecke ich und schließe schnell alle offenen Tabs. Er muss nun wirklich nicht mitbekommen, wie ich diese Frau hier gerade stalke. Obwohl es ja gar kein Stalking ist. Ich recherchiere nur. Ich schüttle den Kopf und lache leise. „Verdammt. Wem mache ich etwas vor? Ich stalke sie."
„Vielen Dank für den Kaffee", ertönt die Stimme des Fremden und ich sehe, wie er mich von der Seite anlächelt. „Er war vorzüglich."
Ich lache. „Sehr gerne. Für mich ist das auch von Weitem der beste Kaffee, den unsere Maschine hier zaubert."
Der Mann stellt sich vor meinen Schreibtisch. „Er kann ja nur gut schmecken, wenn er von so einer hübschen Dame", zeigt er mit der Hand auf mich, „zubereitet wird."
Ich grinse „Sie machen mich ja ganz verlegen", werde ich rot und versuche, es zu verstecken. Er zwinkert. „Das ist gut."
Mit einem kleinen Winken verabschiedet sich der Fremde und ich spüre einen Windzug, der in Rileys Büro führt. „Ms Koslow", sagt er ungehalten, „Auf ein Wort."
Ich rolle mit den Augen und stehe langsam auf. Was will er denn jetzt schon wieder von mir?
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Unmoralisch
RomanceLinas Traum wird wahr: eine der angesehensten Firmen in ganz Los Angeles bietet ihr einen Arbeitsvertrag an. Nach dem Abschluss ihres Studiums wünscht sie sich nichts sehnlicher, als endlich mit ihrem gelernten und hart erarbeiteten Wissens ihr eige...
