Kapitel 10

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-Riley-

Ich öffne mein zweites Bier und nehme einen großen Schluck davon. Das kühle Etwas rinnt meine Kehle hinunter und mein einziger Gedanke, der meinen Kopf beherrscht, dass ich mehr brauche. Vor allem heute. Normalerweise bin ich nicht der Typ, der sich jedes Wochenende volllaufen lässt, ab und zu wenn die Stimmung gut ist, aber die Tatsache, dass Betty ein paar Meter weiter sitzt lässt sich mich zur Flasche greifen.
Die Sonne ist schon längst verschwunden und die ganzen Gesichter werden durch das Feuer angeleuchtet. Alle um mich herum lachen, haben Spaß und ich zerbreche mir den Kopf. Immer wieder spähe ich zu Betty hinüber, aber sie tut so als wäre ich nicht hier. Ich verstehe einfach nicht was für eine scheiße sie abzieht. Zuerst macht sie Schluss, dann schreibt sie mir sie will reden und jetzt tut sie an als wäre ich Luft. Eigentlich fiel es mir immer leicht, zu wissen was in ihr vorging, was sie bedrückte aber seit einer Woche ist sie ein einziges Rätsel für mich.
Matt springt neben mir auf. „Da seid ihr ja!", ruft er jemanden zu aber ich höre nur mit einem Ohr hin. Kurz blicke ich zu ihm um zu wissen wen er da begrüßt aber es ist Cady und noch ein anderes Mädchen, das ich nicht kenne. Aber meine Aufmerksamkeit lenke ich sofort wieder auf Betty. Sie lacht ihre Freundin an und nippt an ihrem Bier. Warum macht sie so etwas? Ich werde später einfach auf sie zugehen und sie gerade heraus fragen, warum sie wirklich Schluss gemacht hat. Ich kaufe es ihr einfach nicht ab, ich wette da ist noch mehr dahinter. Automatisch kommt mir das Mädchen neben Cady in den Sinn und ich werde das Gefühl nicht los, dass ich sie schon mal gesehen habe. Gestern? Ja es war gestern. Augenblicklich bewegen sich meine Augen nochmal zurück zu dem Mädchen, das unbeholfen im Sand steht. Ich sehe an ihr hoch. Ein wohlgeformter Körper streift meine Augen und plötzlich treffen meine auf ihre. Ich presse mein Kiefer zusammen und schlucke. Ihre Kristallblauen großen Augen blitzen kurz auf, sehen aber sofort weg. Völlig ertappt streicht sie ihr Haar hinters Ohr und sieht sich um. So sehr ich es auch versuche wegzusehen, so sehr scheitere ich. Ich kann einfach nicht. Ich frage mich warum sie mir gestern nicht aufgefallen ist, wir haben uns kurz angesehen aber mehr nicht.
„Schon mir ihr geredet?" Matt lässt sich neben mich nieder und sieht mich erwartungsvoll an. Endlich schaffe ich es die Augen von dem unbeholfenen Mädchen zu reißen und irgendwie steigt die Neugierde in mir hoch. Matt hat sich doch gerade mir ihr unterhalten.
„Riley?", höre ich ihn wieder sagen.
„Sorry, was ist?" Ich schüttle meinen Kopf und sehe ihn an. Sein Mund steht etwas offen und lächelt leicht. Aber nach ein paar Sekunden wird er sofort wieder ernst und schielt zu Betty rüber.
„Ob ihr zwei schon geredet habt? Oder sitzt ihr nur hier und starrt euch an?",  fragt er und nippt an seinem Bier.
Locker zucke ich mit den Schultern. „Nein haben wir noch nicht. Sie ignoriert mich schon die ganze Zeit, keine Ahnung was das alles soll.", sage ich und mache wieder einen großen Schluck.
„Du solltest hingehen und mit ihr reden.", meint er und stupst mich etwas an. Aber ich reiche ihm mein Bier und stehe auf. „Hält das, ich gehe schnell zurück zum Auto. Bin gleich wieder hier." Ohne auf eine Antwort abzuwarten verlasse ich den Kreis an Leuten und stapfe durch den Sand. Wir sind nicht weit vom Parkplatz entfernt, also erreiche ich nach ein paar Metern den Parkplatz. Ich lasse die Luft laut aus meiner Kehle und frage mich warum ich überhaupt hergekommen. Sie treibt mich mit ihrem Verhalten echt in den Wahnsinn. Ich verstehe einfach nicht warum es so plötzlich aus war, es lief gut zwischen uns. Nehme ich mal an. Genervt trete ich gegen einen Reifen der herumstehenden Autos und stemme die Hände in die Luft.
„Können wir kurz reden?" Ich fahre herum und blicke hinter mich. Betty steht ein paar mehr von mir entfernt und sieht mich an. Ich mache ein paar Schritte auf sie zu.
„Warte, meinst du etwa mich?", frage ich sie und deute mit einem Finger auf mich selbst. Genervt stöhnt sie auf und wirft den Kopf in den Nacken.
„Ja dich meine ich. Hör auf damit, du benimmst dich total kindisch.", sagt sie und überkreuzt die Arme vor ihrer Brust. Als ich ihre Worte höre und realisiere, was sie mir gerade vorwirft, muss ich lachen.  Es ist zwar ein schlechter Zeitpunkt gerade jetzt zu lachen, aber ich kann nicht anders.
„Meinst du das gerade ernst? Ich soll aufhören mich kindisch zu verhalten?" Ich versuche es, ruhig zu bleiben, damit nicht alle anderen am Strand unten unsere Unterhaltung mitbekommen, aber sie triebt mich in den Wahnsinn. „Du bist doch diejenige, die aus heiterem Himmel Schluss macht, nach einer Woche aber meint ob wir nochmal reden können und jetzt ignorierst du mich die ganze Zeit. Betty im Ernst jetzt, was soll der Scheiß?"
Ihr Gesichtsausdruck verändert sich schlagartig und sie wendet die Augen von mir ab. Wenn sie mir jetzt keinen guten Grund für ihr Verhalten gibt, raste ich aus. „Kannst du bitte etwas sagen, oder mir zumindest erklären, warum das alles? Aus deinem Schweigen und deinem dämlichen Verhalten werde ich nicht gerade schlau.", füge ich hinzu, als sie noch immer keinen Ton von sich gibt. Ich bin froh, dass wir unter einer Laterne stehen, die den Parkplatz und ihr Gesicht etwas beleuchtet. So kann ich ihr Gesicht wenigstens sehen und versuchen zu verstehen, was in ihrem Kopf vorgeht. Aber plötzlich kullert eine Träne ihre Wange hinunter, gefolgt von einem leisen Schniefen. Hastig wischt sie sich die Träne weg, aber es werden immer mehr. Ich habe sie selten weinen sehen. Einmal als sie mit ihrer besten Freundin Streit  hatte und einmal an dem Tag als ihre kleine Schwester auf ihr neues Ballkleid gekotzt hat. Sie ist drei. Aber wir haben selten gestritten, bloß kleine Auseinandersetzungen aber mehr nie. Wir waren immer einer Meinung.
„Es tut mir so leid, Riley. Das musst dir mir glauben, es tut mir wirklich leid.", sprudelt es plötzlich aus hier heraus, aber die letzten Wörter ersticken fast unter ihren Tränen.
„Was tut dir leid? Dass du ohne Grund unsere Beziehung in den Sand gesetzt hast? Denn ganz ehrlich, deine Ausrede kaufe ich dir nicht ab.", sage ich und stemme wieder die Hände in die Hüfte. Ich mustere sie, betrachte ihr Gesicht und versuche zu verstehen was in ihr vorgeht. „Erzähl mir was los ist, Betty. Warum hast du wirklich Schluss gemacht?" Es vergehen wieder ein paar Sekunden in denen Stille herrscht. Also beginne ich Gründe aufzuzählen warum sie es getan hat. „Liegt es an mir? Wenn du willst trete ich mit dem Surfen etwas zurück und wir haben mehr Zeit für uns. Oder ist es wegen dem College? Wir könnten ..." Sie unterbricht mich und sieht mich nun endlich wieder an.
„Nein, nein, das ist es nicht. Du liebst das Surfen, ich will es dir nicht nehmen.", bringt sie hervor. Ihre Fingern bohren sich fast in ihren nackten Oberarm und sie schluckt schwer. „Du weißt, dass ich dich liebe und ich dir niemals wehtun wollte, aber ich bereue es und ich weiß, dass ich es nicht rückgängig machen kann."
„Wovon redest du? Was kannst du nicht rückgängig machen?", dränge ich und verstehe einfach nicht was sie von sich gibt. Ich mache einen Schritt auf sie zu, aber ist weicht sofort zurück. Langsam bekomme ich eine Gänsehaut und ich überlege fieberhaft was sie meint. Endlich erwidert sie meinen Blick und jetzt schlucke ich, weil ich sie schon lange nicht ehr so fertig erlebt habe. Ich weiß nicht, was jetzt kommt aber es muss etwas heftiges sein, das weiß ich.
„Ich habe mit einem anderen geschlafen."
Ich starre sie an und sie starrt mich an.
Jetzt bin ich es der zurücktritt. Sie hat was? Die Worte hallen in meinem Kopf wieder und in einer Brust entsteht ein unerträglicher Druck. Ich brauche nicht lange um zu kapieren, das sie es wirklich getan hat. Ich sehe es ihr an. Sie hat mich betrogen.
„Du hast was?" Plötzlich bin ich von ihr einfach nur angewidert. Ich verstehe nicht warum sie das getan hat, wie es soweit kommen konnte.
„Es tut mir so leid. Ich weiß du hasst mich jetzt aber ich konnte dir einfach nicht mehr in die Augen blicken, ich schämte mich so. Riley, bitte.", verzweifelt fleht sie mich an. Ich weiß nicht worum sie mich bittet, glaubt sie ernsthaft ich vergebe ihr und stecke das so einfach weg? Bittet sie mich wirklich darum ihr zu verzeihen.
„Wer war es? Kenne ich diesen Idiot? Mit wem hast du es getrieben?" Jetzt brülle ich. Sofort zuckt sie zusammen, weil sei nicht gedacht hätte ich raste so aus. Ich bin vor ihr nur ausgerastet und habe sie nie angebrüllt. Wozu auch, aber gerade gibt sie mir allen Grund  dazu.
„Das spielt doch keine Rolle.", gibt sie zurück aber ihre Stimme ist leise und brüchig.
„Oh doch, für mich spielt es eine Rolle. Und jetzt sag schon, wer war es? Kenne ich ihn? Geht er an unsere Schule?" Mein Hals kratzt etwas, aber ich kann mich nicht mehr halten. Ich verspüre so eine enorme Wut und ich habe keine Ahnung, wie ich sie aus meinen Körper lassen kann ohne dabei etwas anzurichten.
Betty wendet wieder den Blick von mir und schnieft laut. „Ja du kennst ihn. Und bitte versprich mir, nicht völlig auszurasten. Wir bereuen es beide und es waren keinerlei Gefühle dahinter. Es war einfach nur ein dummer Fehler. Riley bitte beruhig dich."
„Verdammt nochmal sage mir endlich wer es war." Spätestens jetzt haben uns alle am Strand gehört. Ich weiß nicht wann ich das letzte mal so laut gebrüllt habe, ob ich es  schon mal getan habe.
Betty hebt ihren Kopf und sieht mir in die Augen. Traurigkeit ist das einzige was ich erkennen kann. „Es war Jason."
Jason Cooper. Ich hätte es wissen müssen. Ich habe den Kerl noch nie leiden können. Kurz halte ich ihren Blick noch stand aber im nächsten Moment tragen mich meine Füße zurück zum Feuer. Mein Körper bebt vor Wut und meine Hände ballen sich zu Fäusten. Ich bin gerade richtig froh, dass der Arsch heute auch hier ist.

Noch eins geschafft. Was sagt ihr dazu? Bis bald meine Lieben.
Eure SummerOF_Love

SAVE ME (Band 1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt