R i l e y
Mit voller Wucht stemme ich die Flügeltüre ins Freie auf und laufe ich die Nachmittagssonne hinaus. Krampfhaft umklammere ich die Tasche, die ich über meine rechte Schulter gelegt habe. Immer wieder gehe ich die Szene in der Cafeteria durch und ärgere mich, nein ich schäme mich sogar. Ich öffne meinen Truck und stiege ein, fahre aber nicht los.
Ich weiß nicht was in mich gefahren ist, aber ich war einfach nur wütend. Nicht nur auf Julie, sondern auf alles und jeden. Aber Julie hat mit ihrem perfekten Lächeln und ihren perfekten Körper nur das Fass zum Überlaufen gebracht. Ich bin mir nicht mal ganz sicher warum ich sauer auf sie bin. Aber ich schätze es liegt daran, dass sie mich gestern zurückgewiesen hat und plötzlich in mein Leben gestolpert ist und irgendwie alles noch mehr auf den Kopf gestellt hat.
Als das mit Betty in die Brüche ging, hatte ich nicht vor mich in etwas Neues zu stürzen. Ich wollte für eine Weile alleine sein, aber gegen Gefühle kommt man nicht an. Gestern als Julie da so in meinem Truck saß, wurde mir klar, dass ich sie zu sehr mag. Ich fühle mich ihr hingezogen und mein Körper reagiert, wenn ich sie sehe.
Aber sie hat mich zurückgewiesen und mir vorgeworfen, dass ich immer noch an Betty hänge. Wenn sie wüsste.
Plötzlich wird die Beifahrertür aufgerissen und eine aufgebrachte Julie steigt ein. Sie knallt hinter sich die Autotür zu und sieht mich an. „Wir reden, jetzt."
Ich seufze und starre aus dem Truck. „Ich weiß nicht was es zu reden gibt."
Sie lacht neben mir kurz auf und schüttelt verärgert den Kopf. „Ihr seid alle gleich. Ihr baut Scheiße aber dann nichts mehr dazu sagen."
„Wie gesagt, ich weiß es nicht was zu sagen gibt.", sage ich. Meine Stimme wird mit jedem Wort lauter. „Kannst du bitte wieder aussteigen. Ich würde gerne fahren."
Aber Julie rührt sich kein Stück. Sie starrt mich weiterhin an und atmet schneller. Ich schätze, sie ist nun auch so wütend wie ich. „Nein, Riley. Ich bleibe hier sitzen bis wir das geklärt haben."
Ich seufze wieder und vergrabe meinen Kopf in meinen Händen. Diese Mädchen macht mich wahnsinnig.
„Wenn du hören willst, dass du Recht hast. Bitte, du hast recht. Zufrieden? Das wollt ihr doch immer hören. " Mittlerweile brülle ich.
Sie reißt die Hände herum und legt sie auf ihre Stirn. „Was? Warum habe ich Recht?" Ich merke, wie sie sich zusammenreißt um nicht auf völlig auszurasten.
„Ich hätte das alles nicht zulassen dürfen. Dann wäre uns diese ganze Scheiße erspart geblieben.", murmele ich und verschränke die Arme vor der Brust.
„Was hättest du nicht zulassen dürfen? Wovon redest du?" Ich drehe meinen Kopf und sehe sie an. Völlig verwirrt mustert sie mich aber im nächsten Moment reiße ich die Türe auf und steige aus dem Auto aus. Ich höre, wie es mir Julie gleichmacht. Sie kommt um das Auto herum, während ich davor auf und ablaufe. „Kannst du endlich mit mir reden. Ich habe nämlich keine Ahnung wovon du da sprichst."
Meine Brust hebt und senkt sich irre schnell. Aber nur, weil ich so wütend bin. „Ich glaube wir sollten einfach nicht mehr so viel Zeit miteinander verbringen."
„Ist es das? Du hättest nicht zulassen dürfen, dass wir Zeit miteinander verbringen? Das wird zusammen lachen und Spaß haben?", brüllt sie mir entgegen.
„Ja genau das. Du siehst doch wohin es geführt hat." Ich versuche lauter zu sein als sie, um ihr zu zeigen, dass ich mich nicht unterkriegen lasse. Im Augenwinkelt sehe ich, wie sich Matt, Cady und Serina uns nähern. Ein paar andere auf dem Parkplatz haben sich zu uns umgedreht und beobachten die Situation. Aber ich ignoriere alle von ihnen, und sehe wieder zu Julie. Sie ist ganz auf mich fokussiert und plötzlich wird mir klar, wie dumm diese Unterhaltung eigentlich ist. Wie dumm ich eigentlich bin. „Und ich glaube wir sollten es so lassen."
Sie starrt mich an. „Nein, Riley. Du kommst einfach nicht damit klar, dass ich dich zurückgewiesen habe."
„Gib wenigstens zu, dass du es genauso sehr wolltest wie ich.", schreie ich. „Und nein. Glaub mir, das ist eine meiner kleinsten Sorgen.", brülle ich. Mein Blick fällt zu Cady. Besorgt mustert sie mich und hat ihre Arme vor ihrer Brust verschränkt. Serina steht neben ihr, sieht mich ebenfalls so bemitleidend an. Dann fällt mein Blick zu Matt. Er hat seine Hände in die Hüften gestemmt und sucht verzweifelt nach richtigen Worten. Und dann sehe ich Julie wieder an. Sie ist plötzlich in mein Leben geplatzt, stand so unerwartet vor mir, dass sie alles durcheinandergebracht hat. Sie hat an alle dem keine Schuld, sie wollte mir nur helfen. Aber meine Gefühle überrollen mich und damit komme ich nicht klar.
Ich atme immer noch schwer und senke nun den Kopf. „Meine Mom liegt seit zwei Monaten im Koma.", sage ich. Meine Stimme ist ruhig und kontrolliert. Ich sehe nun wieder zu ihnen und keiner sagt ein Wort. „Ich bin deshalb so wütend, weil ich nichts tun kann. Seit diesem verdammten Unfall liegt sie da in diesem Krankenbett und rührt sich nicht mehr. Und an dem ganzen Mist bin ich schuld. Ich ..." Meine Stimme verstummt und ich fahre mir durch meine Haare.
„Riley, du bist nicht schuld. Das hat niemand gesagt.", beginnt Cady und kommt einen Schritt auf mich zu.
Doch ich schlage ihr Hand weg, die sich auf meinen Arm legen will. „Doch, das bin ich. Sie musste mich extra von dieser Party abholen, weil ich zu viel getrunken hatte und mein Dad auf Geschäftsreise war. Und wahrscheinlich auch noch seine Sekretärin gevögelt hat.", schreie ich und drehe mich von ihnen weg.
„Warum hast du nie etwas gesagt? Wir sind doch deine Freunde.", sagt Serina.
„Weil ich dachte, ich komme damit alleine klar. Ich wollte euch den Sommer nicht verderben und es hat nie gepasst diese Bombe platzen zu lassen.", erkläre ich und konzentriere mich auf meine Atmung. Ich muss versuchen wieder runter zu kommen. „Aber jetzt wisst ihr es ja."
„Riley, wenn wir etwas tun können, dann ...", beginnt Julie. Als ich sie ansehe verstummt sie.
Aber ich schüttle langsam den Kopf. „Nein, ihr könnt nichts tun. Lasst mich einfach in Ruhe.", sage ich. Als keiner mehr etwas von sich gibt, hole ich meine Schlüssel aus meiner Hosentasche hervor. Ich springe ins Auto, starte und verlasse mit einer zu schnellen Geschwindigkeit den Parkplatz.
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SAVE ME (Band 1)
Romance!laufend Updates! Julie Dallas ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor ihrem zu Hause. Und vor ihrem Freund. Sie hat alles verloren, ihre Welt brach zusammen, von der sie glaubte wahr zu sein. Alles war eine Lüge und sie findet sich in einer Welt von...