Kapitel 48

222 16 0
                                        

J u l i e

Riley stellt den Motor ab und wir drei verlassen das Auto. Ich werfe einen Blick zum Strand. Er ist noch ziemlich voll, Leute stapfen aneinander vorbei, Hunde laufen kleinen Bällen hinter oder beschnuppern sich gegenseitig. Und im Hintergrund höre ich Kinder aufquiecken.

Ich folge den Jungs.

„Hey, Kanada. Guck mal an Strand entlang. Weiter vorne siehst du den Santa Monica Pier.", sagt Matt an mich gewandt und ich folge der Richtung, in die sein Finger deutet. Ich erkenne das Riesenrad und nicke.

„Klar, sehe ich."

„Das müssen wir dir auch mal zeigen. Es ist echt cool dort, und das beste dort gibt es das beste Frozen Joghurt der ganzen Gegend.", schwärmt Matt.

Ich beginne zu lächeln und werfe einen Blick zu Riley, der stumm neben mir hergeht. Er presst seine Lippen aufeinander, sieht aber im nächsten Moment zu mir. Unsere Blicke treffen sich und wir beginnen beide zu grinsen.

Just in diesem Moment, als Rileys Augen in meine blickten, habe ich beschlossen, diesen Tag für uns zu behalten. Es war ein wirklich schöner Nachmittag mit Riley, wir zwei ganz alleine und ich merkte, dass wir uns nun näher sind. Er hat mir viel von seiner Familie und sich selbst anvertraut und ich bewahre es natürlich gut auf. Ich möchte, dass dieser Tag uns beiden gehört und niemand davon etwas erfahren soll.

„Ich freu mich schon drauf.", sage ich schließlich und nicke Matt zu.

Wir kommen schließlich beid en anderen an und ich muss feststellen, dass sich ein paar unbekannte Gesichter darunter befinden. Es sind circa 20 Leute und ich suche etwas überfordert Cady und Serina. Während ich so durch die Menge sehe, bemerke ich wie mir einige Blicke zugeworfen werden. Etwas nervös streiche ich meine Haare hinters Ohr und sehe zu Riley.

„Hab ich was ich Gesicht?", frage ich ihn leise und beobachte sein Gesicht.

Er dreht seinen Kopf zu mir und mustert mich. Ich habe das Gefühl, er nutzt die Gelegenheit um mich anzusehen. Dann schüttelt er en Kopf. „Nein, nur zwei wunderhübsche Augen, eine niedliche Stupsnase und einen bezaubernden Mund." Er beginnt zu grinsen und ich bin überrascht über seine Worte. Aber zugleich fühle ich mich auch ziemlich geschmeichelt.

„Ein paar hier gucken mich an als wäre ich eine Außerirdische oder so.", gebe ich zu und plötzlich fällt mir auf, wie nahe er mir eigentlich ist. Aber durch seien Nähe und Wärme fühle ich mich wohler und sicherer.

„Denke dir nichts dabei. Die gucken einfach nur, weil du neu bist und du mit zwei so heißen Jungs hier auftauchst.", meint er locker und sieht mich wieder an.

Ich rolle mit den Augen und beginne aber zu grinsen. „Oh Gott, ihr zwei mit eurem Riesenego."

Riley lacht und führt mich auf zu einem freien Platz. Und Gott sei Dank neben Cady. Sie springt auf als sie mich entdeckt und umarmt mich stürmisch.

„Ich freue mich, dass du hier bist.", begrüßt sie mich. „Ich wusste, wenn dir Riley schreibt, kommst du sicher mit."

Ich reiße meine Augen auf und sehe mich um. Aber Riley begrüßt gerade ein Mädchen mit langen braunen Haaren und hat Cadys Bemerkung nicht gehört.

„Halt die Klappe.", lache ich und stupse sie leicht. Cady erwidert mein Lachen und drückt mir eine Flasche in die Hand. Ich blicke darauf und sehe, dass es Bier ist.

„Trink das. Dann wirst du lockerer.", meint sie und ich setzte mich neben sie. Ich erlaube es mir nochmal zu Riley zu blicken. Er steht immer noch bei dem Mädchen und unterhält sich mit ihr. Ich würde zu gern wissen, wer sie ist und wie nahe sie sich stehen. Aber im nächsten Moment wird meine Frage beantwortet, in dem sich das Mädchen um Rileys Hals wirft. Er erwidert nur leicht die Umarmung, löst sich aber schnell wieder von ihr. Als er von seiner Flasche in der Hand trinkt, fliegt sein Blick zu mir. Sein Blick durchfährt meinen Körper und ich sehe hastig weg. Wieder streiche ich mir meine Haare hinters Ohr und stelle selbst fest, wie nervös ich gerade bin. Die Begutachtung der ganzen Leute hier hat mich etwas aus dem Konzept gebracht und das Riley sich sehr nett mit diesem Mädchen unterhält macht die ganze Sache auch nicht besser. Ich zwinge mich einen großen Schluck von meinem Bier zu nehmen. Dann wende ich mir zu Cady.

„Kann ich dich etwas fragen?", flüstere ich an ihr Ohr und Cady nickt. „Wer ist das Mädchen mit dem Riley da spricht?"

Cadys Augen fliegen zu Riley und dann beginnt sie zu lächeln. „Mach dir keine Sorgen. Die will etwas von Matt. Sie weiß, dass Riley sein bester Freund ist und naja du weißt, ja mit den Freunden gut stellen hilft immer.", sagt sie und zuckt mit den Schultern.

„Und nur damit du es weißt, ich mach mir keine Sorgen. Ich war bloß neugierig.", versuche ich uns beide zu überzeugen.

Cady mustert mich einen Moment lang, dann dreht sie sich ganz zu mir um und faltet die Hände in ihrem Schoß. „Julie, du brauchst mir nichts zu erzählen. Ich weiß, dass du Riley magst ... vielleicht etwas mehr."

Ich seufze und lasse die angestaute Luft aus meiner Lunge. „Als er mich küssen wollte, habe ich mich zurückgezogen und bekam irgendwie Panik. Ich wusste, wenn ich es zulassen würde, bringe ich ihn gar nicht mehr aus meinen Gedanken.", gestehe ich. „Ich habe gerade so viel um die Ohren und ich muss einiges mit mir selber klären. Ich kann gerade keine Beziehung haben, es ..."

Cady mustert mich die ganze Zeit und als ich stoppe, nickt sie leicht. „Hast du ihm das auch gesagt?"

Langsam schüttle ich den Kopf. Ich habe ihm nur gesagt, dass ich es nicht will. Ich habe ihm nicht erklärt, warum. Aber muss ich das überhaupt? „Nein habe ich nicht."

„Weißt du, ich kenne Riley schon lange und wenn er etwas überspielt, dann schafft er das ziemlich gut. Er mag dich sehr Julie, und das weißt du auch. Wenn du wirklich nicht willst, das zwischen euch etwas läuft, dann sage ihm auch warum."

Ich sehe Cady an und nicke. „Ich habe einfach nur das Gefühl, dass er mich küssen will um Betty zu vergessen."

„Glaub mir, das schafft er auch so.", murmelt sie. Cady sieht ans andere Ende der Gruppe und ich folge ihrem Blick. Riley steht nun neben Matt und kippt das Bier ziemlich schnell hinunter.

„Früher hat er sich nie betrunken. Er hörte immer vorher auf und trank nur ein bisschen etwas. Aber seit diesem Sommer habe ich schon zu oft betrunken erlebt. Ehrlich gesagt, kenne ich das gar nicht von ihm."

„Meinst du es ist wegen seiner Mom?", frage ich sie und sehe wieder zu ihr.

Aber Cady zuckt mit den Schultern. „Kann sein. Aber ich habe das Gefühl, dass bei ihm gerade alles drunter und drüber geht.", sagt sie und sieht mich an. „Matt hat mir erzählt, dass er von zuhause abgehauen ist und nun bei Matt wohnt. Anscheinend hat er sich ziemlich heftig mit seinem Dad gestritten."

Ich führe meine Flasche zu meinem Mund und nehme einen kräftigen Schluck. Ich erlaube mir es wieder zu Riley zu sehen und plötzlich verspüre ich Mitleid mit ihm. Das mit seiner Mom ist echt heftig und dazu kommt noch, dass ihn Betty so fies hintergangen hat.

Ich starre ins Feuer und muss im nächsten Moment an Jackson denken. Mir kommt sein Lachen in den Sinn, spüre plötzlich seine Berührungen auf meiner Haut. Jackson hat mir oft wehgetan, aber irgendwie wünschte ich mir gerade ich wäre bei ihm. Ich wäre meinem richtigen zuhause ein Stück näher. Ich würde mich besser fühlen.

Ich murmle Cady zu, dass ich gleich wieder hier bin. Bevor ich mich vom Lagerfeuer entferne, nehme ich mir noch ein Bier mit und ziehe meine Schuhe aus.

Ich lasse die Gruppe hinter mir und laufe durch den Sand. Er fühlt sich noch warm an von der Sonne. Ich lausche den Wellen und gehe Richtung Meer. Ich gehe so weit, bis das Wasser meine Füße kitzelt. Er ist kalt, aber angenehm. Ich starre hinab und sehe eine Weile zu, wie das Wasser immer wieder über meine nackten Füße hinweg schwappt.

Dann nehme ich mein Handy aus meiner hinteren Hosentasche und öffne den Chat mit Jackson. Plötzlich fällt mir wieder die Falsche Bier in meiner Hand ein und ich nehme einen kräftigen Schluck. Die kühle Flüssigkeit rinnt meine Kehle hinab und ich merke, dass ich mehr davon will. Das erste Bier vorhin habe ich etwas zu schnell getrunken aber es fühlt sich gut an, wie es mein Kopf etwas benebelt. Dann blicke ich wieder auf mein Handy und tippe auf das kleine Anruf-Symbol. Ich halte mein Handy an mein Ohr und merke plötzlich, wie meine Hand zittert. Es klingelt das erste Mal. Dann ein zweites Mal. Und plötzlich höre ich Jacksons Stimme ganz nahe an meinem Ohr. So deutlich und so klar, wie schon lange nicht mehr.

„Julie?" 



SAVE ME (Band 1)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt