Kapitel 51

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J u l i e

„Im ernst? Du warst noch nie in der Nacht im Meer baden?", frage ich ihn und werfe einen Seitenblick zu ihm.

Ich kuschle mich mehr in die Decke hinein. Riley und ich sitzen in seinem Auto, beide in Decken eingewickelt. Ich ähnle wahrscheinlich einem Burrito, Riley hat sich ein Shirt angezogen und die Decke über seinen Schoß geworfen.

Ich werfe einen kurzen Blick zum Fenster und sehe das wir gleich bei mir zuhause sind. Bevor wir losgefahren sind, habe ich Riley hundertmal gefragt, ob er auch fahren, weil er ja getrunken hat. Aber er meinte er ist wieder ziemlich nüchtern. Nachdem ich mich auch überzeugt habe, er kann wirklich noch fahren, habe ich genickt und wir sind eingestiegen.

„Nein, keine Ahnung warum. Aber es hat was, ehrlich.", sagt er und biegt ab.

„Also bitte, gern geschehen. Wäre ich nicht in dein Leben getreten, hättest du das nie gemacht.", triumphiere ich herum und strecke die Nasenspitze etwas in die Höhe.

„Ja ja, und von mir reden, dass ich ein zu großes Ego hätte.", murmelt er zurück und hält den Wagen am Straßenrand an.

Keiner von uns beiden macht Anstalten auszusteigen. Langsam drehe ich den Kopf zu ihm und mustere sein Gesicht. Es ärgert mich, dass es so dunkelt ist, ich will ihn sehen.

„Ähm das kommt jetzt vielleicht unpassend oder falsch rüber, aber ... könnte ich heute Nacht bei dir pennen? Matt ist mit Serina verschwunden also schätze ich mal der wird sein Zimmer für sich alleine haben wollen und na ja ... Nach Hause kann ich nicht.", sagt er leise und sieht mich dann an.

Ich beginne zu grinsen, weil ich froh bin, dass ich mich jetzt nicht von ihm verabschieden muss. Anderseits frage ich mich, ob es gut, wenn er hier schlafen würde. Wäre es unpassend? Wir haben uns zwar heute mehrmals geküsst aber ist es nicht irgendwie zu bald?

„Ich kann auch auf dem Boden schlafen.", unterbricht er sofort meine Gedanken. Ich nehme meine Hände runter und lehne mich vor, mit dem Ellbogen stütze ich mich auf der Mittekonsole ab.

„Okay verstehe ich das jetzt richtig, du bist zuerst mal davon ausgegangen, dass du bei mir im Bett schlafen kannst?", sage ich und nähere mich seinem Gesicht mit einem süffisanten Grinsen.

Langsam verformen sich seine Lippen zu einem wundervollen Lächeln. Dann nickt er enthusiastisch. „Ehrlich gesagt schon. So wie du mich heute an dich gezogen und mich geküsst hast, dachte ich kurz, wir treiben es hier in meinem Auto."

Ich schlucke schwer und sehe ihm in die Augen. Für ihn ist die Sache ziemlich klar, aber ich kann da nicht mitmachen. Ich brauche Zeit. „Riley ich ähm ..."

„Das war ein Scherz, Julie.", lacht er leise.

„Das weiß ich. Aber ich ... ich möchte nichts überstürzen. Es war wundervoll dich heute zu küssen, ich könnte es die ganze Zeit machen, aber ich muss mir erst über ein paar Sachen klarwerden und versuchen meine Vergangenheit zu vergessen. Da sind zu viele Dinge, die ich nicht zwischen uns stellen will.", sage ich und hoffe er versteht mich oder fragt nicht zu sehr nach. Ich möchte nicht, für meine Vergangenheit hier Platz machen. Meine Vergangenheit hat hier nicht verloren. Es ist ein Neustart.

Langsam nickt er. „Okay. Verstehe ich und du solltest wissen, dass ich dich zu nichts dränge.", flüstert er zurück.

Erleichtert atme ich aus und nicke. „Danke.", sage ich. „Und du kannst bei mir im Bett schlafen, ich lasse dich doch nicht am Boden schlafen." Bevor er etwas sagen, kann steige ich aus und hole meine Sachen von der Rückbank.

„Und was sagst du deiner Tante?", fragt er als ich zu ihm auf die andere Seite des Autos gehe.

Gute Frage. Ich habe keine Ahnung, ob ihn meine Tante rausschmeißen und Hausverbot bekommen würde, oder ob sie das eher lockerer sieht.

„Keine Ahnung, aber das sehen wir ja dann morgen früh." Ich zucke mit den Schultern und gehe ins Haus. Riley folgt mir.

***

Ein bekanntes Geräusch erfüllt meine Ohren. Mit geschlossenen Augen tapse ich neben mich und ergreife mein vibrierendes Handy. Strak blinzle ich dem licht entgegen und versuche den Namen zu entziffernd er auf meinem Display aufscheint.

Cady ruft an.

Aber ich habe noch nicht so viel Leben in mir, um mich jetzt zu unterhalten. Ich muss erst mal wach werden bevor ich überhaupt kommunizieren kann. Langsam und voller Mühe, die ich gerade aufbringen kann, rapple ich mich etwas hoch. Und sehe neben mich.

Wenn ich mich recht erinnere sollte neben mir Riley liegen, aber die Decke ist zurückgeschlagen und keine Spur mehr von ihm. Irritiert reibe ich mir meine Augen und sehe nochmal auf mein Handy. Aber keine Nachricht von ihm.

Es ist schon fast Mittag. Oh Gott ich habe nicht mal gemerkt, wie er mein Zimmer verlassen hat, so fest habe ich geschlafen. Als wir gestern nach Hause und in mein Zimmer gekommen sind war ich einfach nur fertig. Gerade noch so habe ich es geschafft meine Schuhe auszuziehen und mich ins Bett zu legen. Da fällt mir auf, dass ich immer noch meine Sachen von gestern trage. Und immer noch Make up im Gesicht habe. Ich wette ich sehe aus wie ein Zombie oder so etwas in der Art. Ich wette, deshalb ist Riley auch verschwunden.

Ich schlage die Decke zurück und plötzlich fällt mir ein kleiner abgerissener Zettel in den Schoß. Ich nehme ihn in die Hand und erkenne die kindliche unbeholfene Handschrift von Riley.

Guten Morgen Kanada,

ich wollte dich nicht wecken. Aber ich bin schon früh raus, weil die Wellen heute gut sein sollen. Wir sehen uns später. R.

Grinsend lege ich den Zettel auf meine Kommode und beschließe eine heiße Dusche zu nehmen, um wach zu werden. Während ich unter der Dusche stehe, füllen Erinnerungen von gestern Abend meinen Kopf.

Riley und ich haben uns geküsst. Mehrmals.

Und ich habe keine Ahnung wo wir stehen. Obwohl ich ihm gesagt habe, dass ich mit mir einige Dinge klären muss und ich es langsam angehen will, bin ich mir dennoch unsicher. Aber wenn ich daran denke, wie verdammt gut er küssen kann und wie perfekt seien Lippen auf meine passen, bin ich mir nicht ganz sicher, ob ich langsam schaffe. Ich spüre immer noch seine Lippen auf meinen und seine Hände, die er auf meine Rücken gelegt hat und mich an sich gezogen hat.

Bevor ich zu viel darüber nachdenken kann, wo Riley und ich stehen, verlasse ich fast fluchtartig die Dusche und mache mich fertig. Mit geföhnten Haaren und frischer Kleidung, macht sich mein leichter Kater gar nicht mehr bemerkbar. Fehlt nur mehr Kaffee.

Auf dem Weg zum Strand, habe ich noch zwei Becher Kaffee besorgt. Ich steige von dem Skateboard und beginne durch den Sand zu stapfen. Ich sehe immer wieder zum Meer hinaus und beobachte die paar Surfer genau. Es sind nicht viele also sollte ich Riley schnell mal finden.

Ich komme an einem der blauen Rettungshäuschen vorbei und entdecke ein paar Sachen, die daneben im Sand liegen. Dann entdecke ich ein Shirt und ich weiß, dass es Riley gehört. Auch seine Schuhe liegen herum. Ich sehe wieder zum Meer und ich kann nur mehr drei Surfer entdecken. Zwei von ihnen nähern sich dem Strand und kommen schließlich aus dem Meer. Der linke von ihnen ist Riley. Ich erkenne ihn sofort anhand seiner Statur und den Haaren, die im etwas wirr in die Stirn hängen. Er unterhält sich mit dem anderen der rechts von ihm herläuft. Der Typ ist noch größer als Riley und hat einen ziemlich breiten Oberkörper. Und Rasterlocken.

Die beiden kommen näher und als sie fast vor mir zu stehen kommen, entdeckt mich Riley erst. Er hat sich mit dem Typ unterhalten, und gar nicht gemerkt, dass jemand bei seinen Sachen auf ihn wartet.

Als sich unsere Blicke treffen, kann ich nicht anders und beginne zu lächeln. 

Hallo meine Lieben, freue mich auf eure Sternchen und Kommentare. Bis bald. 

SAVE ME (Band 1)Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt