-Riley-
Mein Körper wird von der immer weiter aufsteigenden Wut gesteuert. Ich kann nicht anders. In meinem Kopf spielen sich alle möglichen Szenarien ab, was die beiden getrieben haben, hinter meinem Rücken die ganze verdammte Zeit. Ich schüttle den Kopf und verbanne diese Vorstellungen und konzentriere mich darauf wo ich lang laufe. Immer wieder höre ich die Stimme von Betty hinter mir, aber als sie meine Hand ergreift schlage ich sie sofort weg. Ich bin fast am Feuer angekommen. Meine Augen suchen hastig nach Jason ab und sofort erblicke ich ihn. Lachend zwischen seinen Freunden. Noch lacht er, noch.
Ich stürme auf ihn zu, packe ihn von hinten und zerre ihn hoch. Er reißt Hilfe suchend seine Hände zur Seite, aber er greift ins Leere. Als er steht lasse ich ihn los, hastig dreht er sich zu mir um. Seine Augen blicken mich geschockt an und er tritt einen Schritt von mir weg. Andere haben sich auf gerichtet und warten ab was passiert. Durch mein Auftreten haben alle mit dem reden aufgehört und plötzlich ist es still. Alle Augen sind auf uns gerichtet.
"Du beschissener Penner. Ich wusste schon immer das du ein Arsch bist, aber das ging zu weit." Ich gehe auf ihn zu und fletsche meine Zähne. Boa, wie ich diesen Arsch hasse.
Langsam entspannt sich sein Geischt, weil er genau weiß wovon ich rede. Dreckig grinst er und verschreckt die Arme vor der Brust.
„Ach komm, Riley. Wir machen doch alle Fehler. Spiel dich hier nicht so auf, ich hab bloß deine Kleine mal zufrieden gestellt, wenn du es schon nicht schaffst."
Jetzt reicht es. Er ist definitiv zu weit gegangen.
Ich hole mit meiner Hand aus, balle beide zu Fäusten, so fest das es weh tut. Aber ich ignoriere den Schmerz in den Händen. In weniger als zwei Sekunden landet meine Faust mitten in seinem Gesicht. Jason stolpert leicht zurück.
„Oh mein Gott, Jason." Betty schreit auf und eilt zu ihm. Doch er beachtet sie nicht sondern erwidert meinen hasserfüllten Blick. Er hält seine Fingern auf die aufgeplatzte Lippe, aber er lacht. Im nächsten Moment kommt er einen Schritt auf mich zu, dicht steht er vor mir. Er sieht mich eindringlich an, seine Lippen umspielen immer noch diese dreckige unverschämte Grinsen. Aus seiner Nase rinnt Blut aber er ignoriert es.
„Glaub mir, das war es wert, sie zu vögeln.", flüstert er. Ich presse mein Kiefer aufeinander, leise knirschen meine Zähne. Meine schweißnassen Hände ballen sich wieder zu Fäusten und ich schlucke schwer. „Und soll ich dir noch etwas sagen? Sie macht ihre Sache verdammt gut."
Sein Grinsen wird breiter und ich platze regelrecht vor Wut. In den letzten paar Sekunden konnte ich mich noch halten, aber jetzt brennt mir die Sicherung durch. In dem Moment als er sich umdrehe will, hole ich wieder aus. Aber ich schaffe es nicht, mich auf ihn zu stürzten und ihn fertig zu machen. Zwei Hände halten mich davon ab. Sie werden hinter meinen Rücken gedrückt und ich spüre den festen Griff um meine Handgelenke.
„Glaub mir, Riley, lass es. Er ist es nicht wert." Ich höre Matts Stimme dicht hinter mir. Ich versuche mich noch zu wehren, weil seine Worte für mich in diesem Moment keinen Sinn ergeben. Ich will mich einfach auf diesen Arsch stürzten und ihm das antun, was er verdient hat. Aber Matts Griff ist fest, zu fest und ich komme nicht von ihm los.
Ich gebe schließlich auf mich zu wehren, weil mich Matt erst dann los lassen wird, wenn ich mich beruhigt habe. Ich sehe Jason zu, wie er mit Betty verschwindet. Ich senke den Kopf und schließe meine Augen.
„Lass mich los Matt.", bitte ich ihn. Kurz zögert, lockert aber dann seinen Griff. Ich befreie mich aus seinem Fängen und öffne die Augen wieder. Betty und er sind verschwunden, kurz verspüre ich einen Stich im Herz, aber er hat sich schnell verflüchtig. Ich bin nicht traurig, einfach nur stinksauer, vor allem auf Betty. Warum hat sie das nur getan?
Alle starren sie mich an. Ein paar sogar bemitleidend. Ich muss von hier weg. Ich will alleine sein um meine Gedanken irgendwie zu ordnen.
„Ich verschwinde.", murmle ich zu Matt, drehe mich um und gehe an ihm vorbei. Ich hoffe er kommt mir nicht nach. Matt würde versuchen mich aufzuheitern, was ein bester Freund nun mal macht, aber er ist schlecht darin. Er redet in solchen Momenten immer zu viel und ich habe keine Lust darauf. Ich stapfe durch den Sand, entferne mich von dem Feuer und die beginnenden stimmen werden leiser, bis sie schließlich völlig verstimmen. Nur das Rauschen der Wellen füllt meine Ohren und ich konzentriere mich darauf.
Mein Körper bebt immer noch vor Wut. Imme eisender tauchen in meinem Kopf Bilder auf, von Betty mit ... ihm. Mit diesem Arsch. Ich frage mich die ganze Zeit was ich falsch gemacht habe. Es lief gut zwischen uns, naja dachte ich zumindest. Sie will mich nicht mehr, stattdessen will sie Jason. Ich verstehe es nicht, wir waren ein Team. Haben zusammen gelacht, verrückte Dinge unternommen. Ich habe sie geliebt, habe ihr vieles anvertraut. Sie kannte mich und ich kannte sie. Aber darüber bin ich mir nicht mehr so sicher.
Ich bleibe schließlich stehen und sehe mich um. Ein Baywatch Haus sticht mir ins Auge und ich steuere darauf zu. Ich nehme die Rampe und lasse mich schließlich an der hellblauen Holzwand nieder. Ich stelle meine Füße auf, und stütze meine Hönde auf den Knien ab. Meinen Kopf lasse ich an die was hinter mir und ich schließe meine Augen. Mein Körper fühlt sich schwer an, völlig erschöpft. Genau wie mein Kopf. Ich versuche das zu verarbeiten, was in der letzten halben Stunde passiert ist. Heute Nachmittag dachte ich noch, Betty und ich hätten ich eine Chance alles wieder in den Griff zu bekommen. Stattdessen wollte sie mir bloß sagen, dass sie mich betrogen hat. Sie hat mit Jason geschlafen. Dieser Satz beherrscht meinen Kopf. So sehr ich mich bemühte ihn zu verdrängen, um so präsenter würde er. Ich lasse meinen schweren Kopf nach vor fallen und stütze ihm mit den Händen ab. Ich vergrabe mein Gesicht in ihnen und versuche entspannt zu atmen.
„Hier."
Ich fahre hoch und blicke vor mich. Zwei Beine füllen mein Blickfeld und ich sehe hoch. Ich erkenne diese Augen, diese vollen Lippen sofort wieder. Es ist das Mädchen, das mit Cady gekommen ist. Schwach lächelt sie und blickt mir genau in die Augen, während sie mir eine Flasche Bier vor die Nase hält. Als ich keine Anstalten mache sie zu nehmen, unterbricht sie den Blickkontakt.
„Hab gehört, soll helfen. Also nimm sie schon.", sagt sie. Ihre Stimme klingt weich und zärtlich. Ich sehe auf die Flasche und nehme sie schließlich entgegen.
„Danke.", murmle ich.
„Ich will dir nicht zu nahe treten, aber ich dachte du willst vielleicht darüber reden.", beginnt sie wieder und ich spüre ihre deutlichen Blicke auf mir. Ich nehme einen Schluck von dem Bier und sehe dann zu ihr auf. Sie steht immer noch auf dem selben Fleck und rührt sich nicht. Locker zuckt sie mit den Schultern. „Soll ganz gut tun, wenn man darüber redet, anstatt alles in sich hinein zu fressen."
Ich will auch jetzt noch nicht reden. Die Leute wollen einem immer helfen, aber eigentlich wissen sie nicht was sie tun. Sie nerven. Sie nerven damit, die Dinge gut zu reden, aber es ist nun mal so, Betty hat mich verarscht und sie will mich nicht mehr.
Plötzlich setzt sie sich neben mich und nippt an ihrem Bier. Stirnrunzelns sehe ich zu ihr, aber sie blickt auf das Meer hinaus. Viel ist nicht zu sehen, weil es dunken ist. Nur das tausche hört man.
„Weißt du, eine Freundin von mir wurde ebenfalls von ihrem Freund betrogen. Er war echt ein ... Idiot." Sie hält kurz inne und ich sehe, wie sie angewidert das Gesicht verzeiht. „Sie hat nicht mit jemanden darüber geredet, sondern versucht alleine damit klar zu kommen. Aber sie wurde dann irgend wie völlig verrückt, ist total durch gedreht und landete dann so ziemlich mit jedem Kerl im Bett." Nun dreht sie den Kopf und sieht mich an. Unsere Blicke treffen sich. „Ich will dich zu nichts drängen, aber ich finde du solltest jemanden dein Gefühlschaos erzählen, damit du nicht auch verrückt wirst so wie meine Freundin."
Sie unterbricht den Blickkontakt und sieht wieder zum Meer.
„Und mit jemanden meinst du dich?", frage ich schließlich. Sie zuckt wieder mit den Schultern.
„Nein, ich wollte dir bloß das Bier bringen weil ich denke, du hast es nötig hast. Und dir Gesellschaft leisten, weil ich dachte du willst nicht alleine sein."
Ich wende mich von ihr ab und lehne meinen Kopf wieder an die Wand hinter mir. „Doch, ich." Kurz habe ich die Hoffnung sie lässt mich wieder alleine aber, sie rührt sich kein Stück. „Nein, um ehrlich zu sein hatte ich mehr Sorge, dass du dich im Meer ertränkst oder so einen Schwachsinn. Deshalb bin ich dir nach."
„Ich spielte kurz mit dem Gedanken, ja." Es stimmt wirklich, der Gedanken ist mir tatsächlich gekommen. Aber nur in dem Moment als ich Jasons Grinsen vor meinem geistigen Auge sah. Aber dann fiel mir ein, dass ich mich an dem Penner irgendwie rächen muss. Also wäre das keine gute Idee gewesen.
Eine Weile sitzen wir schweigend nebeneinander. Normalerweise ist so ein schweigen ausgesprochen unangenehm, aber das hier war es keineswegs. Ich weiß nicht wie ich es sagen soll aber ich gewöhne mich an ihre Anwesenheit und es war gut nicht alleine zu sitzen. Aber auch nur irgendwie.
„Ich hab dich gestern gesehen.", sagt sie schließlich. Es ist fast ein Flüstern. Ich sehe zu ihr. Leicht senkt sie den Kopf und sieht auf ihre Hände hinab. „Ich meine ich hab dich gesehen, im Wasser auf dem Surfbrett." Nun sieht sie mich auch an. Neugierig mustert sie mein Gesicht, lächelt aber im ochsten Moment. „Das sah echt unglaublich aus. Wirklich, es war als ... würdest du nichts anderes tun."
Ich wende den Blick von ihr und muss schmunzeln. Leicht nicke ich. „Danke."
Nun wendet sie sich mit dem ganze Oberkörper zu mir, stellt das Bier zur Seite und sieht mich an. „Nein im Ernst. Wie lange stehst du schon auf dem Board? Ich meine es sah so ... einfach aus.", sprudelt es aus ihr heraus. „Also ehrlich gesagt, die anderen Surfer um dich herum sahen echt mies aus. Als hättest du ihnen keine Chance gelassen es besser zu machen." Ein Lachen entkommt ihrer Kehle und ich muss wieder zu ihr sehen. Strahlend sieht sie mich an. Ich habe keine Ahnung wer sie ist, woher sie kommt aber irgendwie bin ich froh, dass sie neben mir sitzt. Nicht weil sie mir ihren Komplimenten schmeichelt, nein weil sie mich etwas vergessen lässt was gerade vor einer halben Stunde passiert ist.
„Also ersten, nochmal Danke und ich glaube ich bin das erste mal auf einem Brett gestanden da war ich 7? Ja ich glaube schon.", beantworte ich höre Frage. Unauffällig mustere ich ihr Gesicht. Diese perfekt geschwungen vollen Lippen machen ihr Gesicht noch femininer. Es ist zwar dunkel, aber ich kann leicht ihre Augen leuchten sehen. Ihre Wangen sind etwas rot gefärbt und ihre kleine süße Stupsnase macht alles perfekt.
„Wie bist du zum Surfen gekommen?", fragt sie weiter und lässt mich keine Sekunde aus den Augen. Bevor ich antworte nippe ich wieder an dem Bier.
Etwas zucke ich mit den Schultern. „Na ja ich lebe in Santa Monica."
„Ach komm, das glaube ich nicht. Da ist sicher mehr dahinter.", sagt sie während sie die Augen zu Schlitzen verzeiht. Um ehrlich zu sein, ja es gibt einen Grund warum ich surfe. Es ist mir mit 7 nicht einfach so eingefallen sondern ich habe es meiner Mutter zu verdanken.
Ich sehe zu ihr. „Lassen wir es besser sein. Ich will nicht darüber reden.", sage ich schlicht und sehe schnell weg. Meinen Rücken rinnt es kalt hinab und ich schlucke schwer, um den Gedanken aus meinem Kopf zu verdrängen.
„Oh okay. Tut mir leid, ich wollte nicht ..."
„Schon okay. Kannst du ja nicht wissen." Kurz erwidere ich ihren Blick und sie nickt leicht.
Hallo meine Lieben. Sorry für das Warten aber ich habe länger an dem Kapitel herumgebastelt. Hoffe es gefällt euch. Lässt mir eure Meinungen hier, würde mich sehr freuen. Bis bald
Eure SummerOF_Love
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SAVE ME (Band 1)
Romance!laufend Updates! Julie Dallas ist auf der Flucht. Auf der Flucht vor ihrem zu Hause. Und vor ihrem Freund. Sie hat alles verloren, ihre Welt brach zusammen, von der sie glaubte wahr zu sein. Alles war eine Lüge und sie findet sich in einer Welt von...
