10. Kapitel

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10. Kapitel

Mein Herzschlag beschleunigte sich und mein Atem wurde uneben; wir waren uns wirklich viel zu nahe für meinen Geschmack.

Außerdem war ich selten, okay, so gut wie nie, in solchen Situationen und hatte keine Ahnung, wie ich damit umgehen sollte.

Die Zeit schien irgendwie still zu stehen, oder zumindest alles um uns herum. Es fühlte sich an als gäbe es nur noch ihn und mich; seine stechend blauen Augen, dessen Blick meinen praktisch fesselte.

Ich schluckte und rührte mich nicht. Sollte ich weitermachen? Sollte ich auf Abstand gehen? Sollte ich überhaupt etwas machen?

Denn eigentlich hoffte ich darauf, dass er irgendwas machen würde. Einen Witz reißen, um die Atmosphäre aufzulockern und uns irgendwelche Unannehmlichkeiten zu ersparen.

Oder dass er seine beinahe hypnotisierenden Augen von mir abwenden würde, denn ich konnte es irgendwie nicht.

Wenn es sein musste, konnte er mich auch wegschubsen, ob ich dabei vom Tisch fallen würde oder nicht, nur sollte einfach irgendetwas passieren.

Und tatsächlich passierte etwas, doch ich wusste nicht ob ich dies als positive oder negative Wendung dieser Lage sehen sollte:

Seine Augen hüpften für einen kurzen Moment zu meinen Lippen, dann wieder zurück.

Eine Hitze stieg in mir auf, und ich hoffte nur, dass sich dies nicht mit einer gewissen Röte in meine Gesicht zeigte.

Plötzlich hob sich sein Kopf leicht vom Tisch ab und er näherte sich, unsere Nasen fast berührend.

Und nun hatte ich keine Wahl mehr, kein Überlegen ob ich das hier wollte oder nicht; stattdessen reagierte ich einfach und legte meinen Kopf leicht schief.

Ein lautes Schrillen, dass die angespannte Stille im Raum auf die wohl schrecklichste Weise zerstörte, ließ uns erschrocken auseinanderzucken, wir saßen beide wie vorhin einander gegenüber am Tisch, beide mit roten Wangen und aufgerissenen Augen.

„Ich...", begann ich, doch mehr fiel mir nicht ein. Sollte ich etwas dazu sagen, oder einfach so tun als wäre das nicht gerade fast passiert.

„Tja.", unterbrach mich Louis und nahm mir damit meine Entscheidung ab. „Damit ist die heutige Stunde wohl um."

Vielleicht kam es mir nur so vor, aber die Spannung im Raum war, trotz Louis' Überspielung des vergangenen Geschehens, deutlich spürbar.

Er stieß sich von der Tischplatte und ging auf seine Tasche zu, ich tat es ihm gleich und packte mein Textbuch ein, hing meinen Rucksack über meine Schulter.

Danach standen wir uns wieder auf unangenehme Weise gegenüber; wortlos und ständig dem Blick des anderen ausweichend.

„Okay.", ergriff Louis wieder das Wort. „Wir sehen uns dann morgen."

„Ja, schätze schon.", murmelte ich, nahm mich etwas zusammen und sah schließlich auf. Er gab mir ein kleines Lächeln und wollte gerade aus dem Raum gehen, als sein Blick nochmal auf mich fiel und er kurz zu zögern schien.

Plötzlich schritt er auf mich zu und schloss mich in eine kurze Umarmung, die ich überrascht erwiderte.

„Bis morgen.", murmelte er und löste sich von mir, bevor er aus dem Raum ging, und mich mit einem Grinsen und einem Kribbeln im Bauch zurückließ.

~*~

Vor der Probe am nächsten Tag war ich ziemlich nervös, da ich Angst hatte, dass das Ganze zwischen uns immer noch irgendwie komisch sein würde.

Opposites - Larry Stylinson AUGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt