Anna
Ich schreckte auf und schaute mich in dem hellen Zimmer aus Holz um. Einige Sekunden brauchte mein Gehirn, um zu realisieren wo ich mich befand. Ich war dankbar für das weiche Bett unter meinem Körper und ein Dach über dem Kopf. Wer immer ein warmes Bett und ein Zuhause hat, lernt es nie zu schätzen.
Bevor ich meinem Körper etwas zu Essen gab, schrieb ich Leyla: „Guten Morgen meine Liebe. Ich hoffe du hast gut geschlafen. Wir werden uns heute sowieso noch sehen oder hast du unser Projekt schon vergessen."
Dass ich nun kein wirkliches Zuhause hatte, strebte mich noch mehr an das Projekt zu gewinnen. Wenn ich nämlich nicht auf diese Universität gehen kann, weiß ich nicht was ich mit meinem Leben machen kann. Ein Plan B ist doch nur für Verlierer. Ich träumte schon davon mein eigenes Haus zu haben und dort den ganzen Tag Kunstwerke zu kreieren. Genau das war das Leben, welches ich wollte.
„Macht es dir aus, wenn wir uns kurz unterhalten?", ich schenkte gerade mein Kaffee in eine Tasse, als mich Mark das fragte.
„Nein, rede!", mit dem heißen Kaffee in der Hand setzte ich mich zu ihm auf den Küchentisch. Seine Wohnung sah, soweit ich sie gesehen habe, aus wie eine Suite in einem teuren Hotel. Nirgends befand sich Dekoration oder sonstiges persönliches. Man könnte meinen, diese Wohnung sei ausgeräumt und stünde bereit zum Verkauf.
„Bitte nimm es dir nicht zu sehr zu Herzen, was deine Mutter zu dir sagte.", ich blickte zu ihm fragend.
„Leyla hat es mir erzählt.", erklärte er.
„Alles gut.", ich rührte mit dem Löffel meinen Kaffee um, obwohl ich nicht einmal Zucker drinnen hatte.
„Ich weiß, wie scheiße es sich anfühlt, wenn man das Gefühl hat kein Zuhause zu haben. Ich weiß, dass du dir denkts, es wird niemals besser und du zweifelst an dir. Ich weiß aber auch, dass alles wieder gut wird und du im Leben so viel mehr schaffen wirst, als du dir jemals vorstellen kannst."
Mein Blick erfasste sein Gesicht und mir wurde klar, wie sehr dieser Mensch mir in meinem Leben weitergeholfen hat.
Ein leises „Danke." gab ich von mir, denn mehr Kraft hatten meine Stimmbänder momentan nicht.
„Brauchst du eine Umarmung?", fragte er suchend nach einem Ausdruck in meinem Gesicht. Ich nickte, stand auf und er nahm mich in den Arm. Ich hätte ihn so gerne als Vater gehabt. Ich würde ihn gegen meinen Vater eintauschen. Doch es ist merkwürdig, wenn dein Lehrer auch gleichzeitig eine Vaterfigur für dich ist. Der Fakt, dass ich Mark schon vor dem Schulbeginn kannte, machte es etwas weniger komisch.
Nach unserem Gespräch stieg ich in die Dusche und ließ das warme Wasser mich in eine Hülle von Geborgenheit packen. Als ich geschminkt das Haus verließ fühle ich mich viel besser als die Tage zuvor. Es schien, als hätte das Wasser wieder einmal all meine schlechten Gedanken und Sorgen den Kanal runtergespült.
Ich fuhr mit dem Auto auf einem Parkplatz in der Nähe von Annas Haus. Dort wartete ich auf sie. Ihre Eltern wollte ich so gut es geht vermeiden, deshalb fuhr ich nicht vor ihr Haus. Auch wenn noch einige von meinen Klamotten in ihrem Haus waren, wollte ich keinesfalls hineingehen. Ihre Eltern würden mich doch nur verurteilend anschauen und es würde ein komische Stimmung herrschen.
Einige Minuten saß ich wartend in meinem Auto, bis ich Leyla in ihrem pinken Shirt und ihrer schwarzen Hose kommen sah. Die leicht rötliche Farbe auf ihren Wangen, ließ sie unglaublich süß aussehen.
„Hey, Engel.", Ich gab ihr einen Kuss auf die Wange, als sie auf dem Beifahrersitz saß.
„Was willst du heute machen?", fragte sie.
„Graffitti? Essen gehen?", ich startete den Motor und fuhr in Richtung Stadt.
„Meine Eltern lassen mich nicht dieses eine Tattoo stechen, welches ich schon immer wollte.", mir fiel das Bild wieder ein, welches sie mir letztens gezeigt hatte.
„Das Haus?", hackte ich nach.
Sie nickte. In meinem Gehirn befand sich nun diese eine dumme Idee, die ich nicht aussprechen sollte, aber es doch tat.
„Ich kann auch Tattoos stechen. Und das auch noch gratis.", ich wollte diesen Vorschlag nicht bringen. Ich hätte ihr nicht anboten sollen, dass ich ihr ein Tattoo steche, denn wenn ihr es nicht mehr gefällt, ist es meine Schuld.
„Du bist dir sicher, dass du es gut kannst?", ich versicherte es ihr und ging daraufhin in das Einkaufszentrum mit ihr, indem wir Tinte, eine Nadel, Desinfektionsmittel und sonstiges kauften.
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Die rosarote Stadt
RomanceImmer wenn Anna mit Leyla zusammen ist, verwandelt sich die sonst so graue Stadt in eine rosarote Metropole. Leyla will alles über Anna erfahren, doch diese hält ihre Geheimnisse tief verschlossen. Zwischen Sonnenuntergängen und Graffittis wollen b...
