Leyla
Leute verarbeiten ihren Trauer auf verschiedene Arten. Manche liegen stundenlang im Bett und heulen, bis sie keine Tränen mehr erzeugen. Andere wiederum probieren für die Angehörigen da zu sein und diese zu unterstützen. Weitere zerstören sich selber mit Drogen und anderen schädlichen Verhaltensweisen, da diese den Tod ihrer Geliebten nicht wahrhaben wollen. Es gibt Personen, wie Annas Mutter, die abhauen und nicht mit dem Tod der Verstorbenen konfrontiert werden wollen. Sie haute nach der Beerdigung ab. Wo sie sich jetzt befindet, weiß ich nicht. Andere verfallen in einen Wahn. Einen Arbeitswahn. Sie lenken sich ab und überarbeiten sich.
Mein Zimmerboden war voll mit Bildern von Graffitti und Sonnenuntergängen. Ich drückte jedliche Bilder meiner Kamera aus, sogar die verschwommenen. Einige große Blätter lagen mit einer Schere und einem Klebstoff ebenfalls auf dem Boden. Stunden verbrachte ich damit die Bilder anzuschauen und ich vergaß jedliches Konzept der Zeit. Die Musik im Hintergrund blendete mein Kopf komplett aus, da mich die Bilder zu sehr in ihrem Bann zogen.
Ich heftete zuerst die A drei großen Seiten zusammen, wie bei einem Kalender. Als Cover nahm ich dieses wunderschöne Bild, welches ich an dem Tag von Annas Beerdigung machte. Die Stadt sah nicht wie üblich aus, sondern hatte eine bestimmte Magie an sich. Man könnte meinen dieses Bild stammt von einem fantasy Film. Es wirkte bearbeitet, denn man konnte kaum glauben, dass die Natur in der Lage war, solche kraftvollen Farben zu erzeugen. Zuerst betrachtet man nur den schönen Sonnenuntergang. Erst bei dem Zweiten Blick bemerkt man die schwarzen und rosanen Schriftzüge auf den Gebäude, Zügen und Türmen der Stadt. Ich konnte kaum glauben, dass ich dort hinaufgeklettert bin.
Das Cover reichte schon fast aus, um zu gewinnen. Trotzdem blätterte ich die Seite um und klebte auf die nächste weiter Bilder, die ich mit Anna zusammengemacht habe. Es entstand eine Collage. Als ich die besten Bilder auf die Blätter klebte, blieben nur noch wenige übrig. Das Papier zeigte einige weiße Stellen, die überklebt werden müssen. Meine Hand griff beinahe automatisch zu diesem einen wunderschönen Bild. Es zeigte Anna darauf. In dieser einen ganz besonderen Nacht ist es entstanden, als noch alles in Ordnung war und ich sie noch in meinen Armen halten konnte. Ihr Gesicht war mit Neonfarbe geschmückt und sie lachte. Ihr Falten unter den roten Augen waren zu süß. Als ich das Bild länger betrachtete, fühlte es sich so an, als wäre sie noch bei mir. Ich dachte, ich höre sie lachen, wie sie an diesem Abend auch lachte. Das Bild war sehr intim und privat, da wir nach dem aufzeichnen des Bildes Sex hatten. Es gab mir ein Stich in den Magen, da ich realisierte, dass ich nie mit einer Person so guten Sex mehr haben werde. Wir waren nämlich auch auf der zwischenmenschlichen Ebene tief mit einander verbunden und drückten diese Liebe, welche wir für einander spürten durch Sex aus.
Ich ertappte mich schumnzeln, als ich mich an diesen Abend zurückerrinnerte. Sie zeichnete damals Die Caféterrasse am Abend" von Vincent van Gogh auf meinen Körper. Doch nicht in gelber Farbe, wie sie Herr van Gogh so liebte, sondern in pink. Ich konnte immer noch nicht glauben, dass ich sie nie wieder sehen werde.
Als es draußen schon stockdunkel war, beschloss ich die Bilder von Anna ebenfalls auszukleben, denn sie selbst war ein Kunstwerk und passte perfekt zu den rosaroten Sonnenuntergängen, der Architektur und dem Graffitti. Das einzige was das Bild von ihr von den anderen Bildern unterschied war, dass sie ein viel schöneres Kunstwerk war.
In der nächsten Woche gab ich Herr Grüner mein Kunstwerk ab, denn er zeigte es schließlich den Begutachtern, welche drei Kunstwerke auswählen, die dann vor der ganzen Schule präsentiert werden. Die Schüler können abstimmen wer gewinnt, denn Herr Grüner meinte, das Publikum muss schließlich die erstellten Kunstwerke mögen und kaufen.
Als Herr Grüner dann verkündigte, dass mein Kunstwerk zu den besten drei zählte, war ich nicht überrascht. Ich gab mir schließlich sehr viel Mühe und mir gefiel es selber. Ich fand mein Kunstwerk schöner, als jedes Bild von Van Gogh oder von Da Vinci. Doch nicht wegen meinen Graffittis, sondern wegen dem einen Bild von Anna.
Bis spät in die Nacht überlegte ich, ob ich, falls ich gewinnen würde, den Studienplatz annehme. Es war schließlich Annas Wunsch und sie wollte nichts mehr, als auf dieser Universität zu studieren. Anfangs des Jahres wollte ich auf keinen Fall dort studieren, doch Anna zog mich in die Tiefen der Kunst. Mit ihrer Faszination überzeugte sie mich ebenfalls von den Werken großer Künstler. Ich dachte sehr lange darüber nach, doch kam zu keinem Ergebnis. Sie sagte, ich soll meinem Traum nachgehen und das machen, was ich will. Andererseits war sonst ihre ganze Arbeit umsonst. Schließlich beschloss ich es spontan zu entscheiden, denn es gab noch andere zwei Leuten, die gewinnen konnten.
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Die rosarote Stadt
RomanceImmer wenn Anna mit Leyla zusammen ist, verwandelt sich die sonst so graue Stadt in eine rosarote Metropole. Leyla will alles über Anna erfahren, doch diese hält ihre Geheimnisse tief verschlossen. Zwischen Sonnenuntergängen und Graffittis wollen b...
