Leyla
Heute war der erste Tag seit einigen Wochen, an dem ich wieder in die tolle Schule gehe.
Ich hatte überhaupt keine Lust. Zudem hatte ich auch noch Angst vor den anderen Personen. Das Ding ist nämlich, dass ich keine Freunde mehr habe.
„Noch eins.", sagte meine Mutter, bevor ich ausstieg, „Leon wirst du nie wieder sehen müssen."
Dies munterte mich etwas auf. Leons Vater war in dem Gefängnis, das hieß, dass sie nicht mehr so reich waren und somit mussten sie ihr Haus verkaufen. Sie zogen in eine andere Stadt.
Als ich die Schule betrat schauten mich viele mit einem mitleidigen Blick an. Manche sagten, es täte ihnen Leid.
„Wo warst du bei der Beerdigung?", fragte Jana. Sie war anscheinend dort. Sie war dort, obwohl sie nichts mit Anna zu tun hatte. Klar war es nett, dass viele Leute zu ihrer Beerdigung kamen, doch trotzdem machte es mich wütend. Ich ignorierte Jana, die anscheinend wieder mit mir befreundet sein will. Froh war ich dann in der fünften Stunde, als ich einen anderen Kurs als sie hatte.
„Mein Beleid. Anna war so ein guter Mensch.", sagte ein Mädchen aus meinem Kurs. Sie blieb neben mir stehen. Mir fiel auf, dass ich zuvor nie mit ihr geredet habe. Natürlich wusste ich nicht, was ich antworten soll, deshalb schwieg ich ganz einfach.
„Ich bin so traurig, dass sie tot ist.", Wut kochte in mir auf. In letzter Zeit war ich oft wütend, besonders dann, wenn jemand Annas Namen in den Mund nahm.
„Du kennst sie doch nicht wirklich.", murmelte ich, fixiert auf meine Zeichnung. Ich widmete ihr keinen Blick.
„Okay, chill. Ich wollte doch nur nett sein.", sie ging weiter auf ihren Sitzplatz.
„Jeder tut so, als hätte er Anna so gerne gehabt, doch in Wirklichkeit war sie euch sowas von egal!", mein Blick erfasste nun das Mädchen.
„Du bist nicht die einzige, die traurig sein darf.", konterte sie. Ich bohrte meine Nägel in meine Hand, um meine Wut unter Kontrolle zu haben.
„Wenn sie dir etwas bedeuted hätte, wärst bei ihrer Beerdigung erschienen.", fügte nach einigen Sekunden Stille der Junge, welcher neben dem Mädchen saß, hinzu.
„Willst du mich verarschen?", ich schob den Stuhl, welcher fast umfiel zurück und stand auf.
„Ich war verdammt nochmal ihre Freundin und du ein scheiß Fremder.", seine grünen Augen musterten mein Outfit. Ich hatte heute die Lederjacke von Anna an, welche sie mir damals bei der Party gab.
„Wie du meinst.", sein Blick schwankte nun auf den leeren Tisch.
„Hört verdammt nochmal auf so leichtfertig über Anna zu reden. Ihr tut so als wäre ihr Tod eine weiter Möglichkeit und Aufmerksamkeit und Mitleid zu bekommen nach dem ihr euch alle so sehnt.", schrie ich schon fast. Jeder starrte mich nun an, doch es war mir egal.
„Und du brauchst zu mir nicht sagen, dass ich chillen soll.", mein Blick wanderte zu dem Mädchen, „Ich habe Anna geliebt und jetzt ist sie weg und das für immer.", meine Stimmbänder hatten keine Kraft mehr meine Stimme laut klingen zu lassen. Ich klang verzweifelt und traurig statt wütend.
„Was ist hier los?", die Tür wurde zugeschlagen und der Lehrer kam rein. Jeder schwieg und starrte auf den Boden. Die lauten Gespräche und Diskussionen wurden abrupt gestoppt. Da niemand etwas sagte, fing Herr Grüner mit seinem Unterricht an. Auf meiner Handfläche zeichneten sich rote Strimen von meinen Fingernägeln. Ich betrachtete diese.
„Leyla.", plötzlich zuckte ich zusammen und sah Herr Grüner. Er fragte, ob es in Ordnung sei, dass er mit mir nach dem Unterricht redet. Ich nickte und widmete mich wieder den roten Striemen auf meiner Handinnenfläche. Als die Glocke schließlich läutete, packte ich in Zeitlupe meine Sachen in meinen Rucksack und ging zu Herr Grüner vor. Er stand neben der Tür und hebte für die Schüler diese auf.
„Wie geht es dir?", fragte er, nachdem er die Tür sanft schloss.
„Wie soll es mir denn gehen?", ich stellte diese Gegenfrage in den Raum. Seine Finger strichen über die Stoppeln in seinem Gesicht.
„Anna ist meinetwegen gestorben.". mir nahm dieser Satz wortwörtlich den Atmen. Mein Herz wurde unendlich schwer und ich schnappte nach Luft. Eigentlich hätte ich eine Träne erwartet, die meine Wange runterfloss, doch meine Augen waren trocken.
„Es ist nicht deine Schuld! Rede dir das nie ein, denn du wirst dich damit nur selbst zerstören.", er lehnte sich an dem Pult an und ich stand ihm gegenüber.
„Verstanden?", sagte er, als ich keine Reaktion zeigte.
„Ich probier es.", ein gezwungenes Lächeln schmückte nun mein Gesicht.
„Ich wollte dir sagen, dass du das Projekt nicht abgeben musst.", mit seinen Händen hielt er sich an dem Tisch, als hätte er Angst runterzufallen, „Ich werde dich auf keinen Fall durchfallen lassen, denn du bist eine wirklich gute Künstlerin."
„Danke für das Angebot.", ich überlegte, ob ich es annehmen soll, doch ich hatte wunderschöne Bilder. Diese würden sonst nur daheim liegen.
„Annas Wunsch war aber diesen Kontest zu gewinnen und ich werde sie nicht im Stich lassen.", ich nahm einen tiefen Atemzug, denn endlich bekam ich wieder besser Luft, „Sie hat sich so viel Mühe gegeben und ich werde es jetzt fertigstellen."
Die großen Augen, welche er machte, zeigten, dass er nicht mit dieser Antwort gerechnet hätte. Verständnisvoll nickte er und gab ein Brummen von sich.
„Wenn du reden willst, bin ich immer da. Ich verstehe deine schlimme Situation und werde dir so lange zuhören wie du willst.", Hitze stieg in meinem Körper auf und meine Wangen erröteten sich.
„Danke.", flüsterte ich.
„Du wirst das schaffen.", mit einem Klopfen auf die Schulter ließ er mich schließlich gehen.
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Die rosarote Stadt
RomanceImmer wenn Anna mit Leyla zusammen ist, verwandelt sich die sonst so graue Stadt in eine rosarote Metropole. Leyla will alles über Anna erfahren, doch diese hält ihre Geheimnisse tief verschlossen. Zwischen Sonnenuntergängen und Graffittis wollen b...
