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Es dauert nur wenige Minuten, um zu realisieren, dass uns New York doch nicht so ganz zu Füßen lieg ...
Hotels sind in dieser Zeit natürlich restlos ausgebucht. Darüber haben wir uns bis jetzt keinerlei Gedanken gemacht.
Nach der vieren Abweisung stehen Bradyn und ich mit hängenden Schultern und müdem Blick auf dem Bürgersteig und schauen in den erleuchteten Himmel hinauf.

"Tja. Und jetzt?", frage ich, so langsam etwas entnervt. Es wird kalt in meinen Stiefeln.
"Wir werden schon etwas finden."
Bradyn geht voran, ich folge mit den Händen in den Taschen. Die Menschen, die jetzt noch unseren Weg kreuzen, kommen ganz deutlich von der Arbeit oder sind auf dem Weg dorthin.

Oder sie taumeln völlig betrunken auf unsere Seite herüber und lachen schrill auf, wenn sie nicht mal eine Entschuldigung herausbekommen.
Ich presse mich an Bradyns Seite, als wieder ein Mädchen ohne Orientierungssinn die Spur verliert.
Schützend legt er einen Arm um mich.

Ich will ihn nicht anlächeln, aber es ist wie ein Reflex, den ich nicht unterdrücken kann.
Das sechste Hotel kostet ein halbes Vermögen, aber wir beschließen, dass wir zu müde sind, um noch weiter herumzuirren.
"Wir teilen die Kosten einfach, dann wird das schon klappen."
Ich nicke nur.

Ich bin zu müde und meine Beine gleichen Eiszapfen.
Die Frau hinter der Rezeption reicht Bradyn ein Formular und grinst mich an, während Bradyn einen Stift über das Papier zieht.
Dankend nicke ich ihr zu, als sie mir eine Schlüsselkarte überreicht.

Ich schultere meine Tasche und warte, bis Bradyn zu mir aufgeschlossen ist.
Jetzt fällt mir auf, dass seine Hände bis auf seinen Rucksack leer sind.
"Wo ist dein Zimmerschlüssel?"
"Da."
Er deutet auf meine Hand, ohne mit der Wimper zu zucken.

"Was? Ist das dein Ernst?"
Das würde dann auch den Blick von der Dame am Empfang erklären.
"Glaubst du, ich kann es mir leisten, einen Vollpreis zu zahlen?", lacht er.
"Moment."
Ich drücke ihm meine Tasche in die Hand und steuere erneut die Rezeption an.

Auch wenn ein großer Teil von mir einfach hinnehmen will, dass Bradyn und ich uns für die Nacht ein Zimmer teilen, kann ich meiner Fassade nicht nachgeben.
"Mica."
Ich erstarre.

"Willst du wirklich 430$ die Nacht zahlen?"
Ich mache wieder kehrt. Ich denke, ich habe es deutlich gemacht, dass ich nicht gerade erfreut bin, mit Bradyn in meinem Bett zu schlafen.
Meine Zähne bohren sich in meine Wange, um das süffisante Grinsen nicht preiszugeben.

"Nach dir", sage ich schlicht.
Bradyn grinst mich an und schultert unsere Taschen. Auf seinen breiten Schultern balanciert er meine Reisetasche, während er den Knopf des Aufzuges betätigt.

In einvernehmlicher Stille warten wir auf das vertraute 'Bing' und fahren in den sechsten Stock.
"Willkommen, Willkommen!"
Mit diesen Worten stößt Bradyn majestätisch die schwere Tür zu unserem Zimmer auf.
Ein kleines Lächeln stiehlt sich auf meine Lippen, als ich hinter ihm eintrete.

Bradyn steckt die Karte in den Lichtschalter und vor uns erleuchtet sich ein Hotelzimmer der Extraklasse.
"Wow", entweicht es mir.
Atemlos mache ich einen weiteren Schritt in den Raum.

Links vom kleinen Flur steht ein Boxspringbett mit gepolstertem Kopfende, über das sich gestickte Lilien ziehen.
Vor dem Bett steht eine kleine Bank mit denselben Stickereien.
Wir blicken über die Straße, auf der wir noch vor Kurzem umhergeirrt sind.
Andächtig lasse ich meine Hand über die Eichenkommode fahren.

Darüber hängt ein Spiegel, aus dem mich ein Junge mit geröteten Wangen und glänzenden Augen ansieht.
Ich zeihe meine Mütze vom Kopf und zum Vorschein kommen meine braunen Wellen, die in alle Himmelsrichtungen abstehen. Aber das nimmt mir nicht diesen gesunden, frischen Anblick.
Ich glaube, ich bin glücklich.

magical boy✨[boyxboy] ✔Geschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt