Barbara.
Sie hat sich ihre langen Haare abgeschnitten und ihre nussbraunen Locken liegen jetzt auf ihren Schultern.
Ihr Blick trifft meinen und sie lächelt. Ein ehrliches Lächeln, eines das ich schon seit so vielen Jahren kenne.
Das Grün ihrer Augen erinnert mich an das ihres Sohnes und es macht mich verlegen, ihr ins Gesicht zu blicken.
Sie sieht älter aus, etwas von ihrem Leuchten ist verloren gegangen. Ich frage mich, ob ich etwas zum Tod ihres Mannes sagen soll, aber ich will ihr Lächeln nicht verblassen sehen.
Ohne ein Wort zu sagen, kommt Barbara zu mir und nimmt mich in den Arm.
"Wie gut du aussiehst", sagt sie, als wir uns gelöst haben und sie ihre stechend grünen Augen über mich hat gleiten lassen.
Ihre Stimme ist immer noch so samtweich, wie ich sie in Erinnerung habe.
"Du auch, Barbara. Ich mag den Haarschnitt."
Ich lächle.
Im Gegensatz zu Hillary und Robert reicht Barbara Emil die Hand ohne zu zögern oder zu fragen, wer er ist.
"Barbara, eine langjährige Freundin", stellt sie sich vor.
"Emil. Ich bin mit Mica hier."
Ich schnaufe. Fällt ihm jetzt vielleicht auf, wie bescheuert es ist, nicht einfach zu sagen: 'Ich bin sein Freund'?
"Bradyn hat mir von eurem Ausflug nach New York erzählt", wendet sich Barbara wieder zu mir.
Ich verkrampf mich und schaffe es noch nicht mal mehr, den Arm zu heben, um mir durch die Haare zu fahren.
"Ja ... hat er das?", frage ich verunsichert.
"Er meinte, ihr hatte so viel Spaß! Danke, dass du mit ihm gefahren bist. Ich habe das Gefühl, dass er das wirklich gebraucht hat."
"Davon hast du mir ja gar nichts erzählt", sagt Emil mit einer süßen Stimme. Ich weiß, was sie bedeutet: Angriff.
"Ja, ich ... muss es vergessen haben. Du bist ja auch noch gar nicht lange hier."
"Kommst du auch aus Kalifornien?"
Barbara hat sich inzwischen auf dem freien Stuhl neben mir niedergelassen.
"Ja. Mica und ich haben uns dort vor ... fünf Jahren?", er blickt mich fragend an, "kennengelernt."
Die Frau vor uns gibt einen zustimmenden Laut von sich.
Sie ist ein Ebenbild von Bradyn. Ihre vollen Lippen zucken bei jedem noch so kleinen Schmunzeln, ihre Haare müssen so geschmeidig sein wie seine und ihre Augen ... ihnen fehlt die Unendlichkeit.
Dennoch bilde ich mir für einen Moment ein, in Bradyns Gesicht zu starren.
"Und hast du eine Freundin, Mica?"
Die Frage aller Fragen. Es hat sie ja nicht allzu viel Zeit gekostet, um sie endlich auszusprechen.
"Nein, ich, ähm wir sind ..."
Ich zeige zwischen Emil und mir hin und her.
"Oh!"
Barbara lehnt sich vor und lacht.
"Entschuldige, das wusste ich nicht. Weißt du, seitdem sich Bradyn endlich verlobt hat, sehe ich nicht mehr links und rechts. Für mich gibt es nur noch Rosen, weiße Spitze und das fünf Gänge Menü."
Sie greift nach meinem Arm und tätschelt ihn kurz.
"Ja, ich ... ich habe von seiner Verlobung gehört", presse ich hervor.
Emil zieht sich aus unserem Gespräch zurück, sichtlich interessiert.
"Hat er dich schon eingeladen?"
Ich ziehe meine Stirn in Falten.
"Nein. Hat er nicht."
Barbara schlägt mit der Hand auf den Tisch.
"Hiermit bist du eingeladen. Und ich erwarte, dass du kommst - ich will dich nicht erst in drei Jahren wiedersehen."
"Ich kann nichts versprechen, aber ich werde es versuchen."
Bradyn dabei zuzusehen, wie er zum Altar schreitet und seine Lebenslüge besiegelt? Nein Danke!
Jos Geschichten genügen mir, ich muss sie nicht live miterleben.
Diese Stadt würde mich nie wiedersehen, so leid es mir um Barbara und ihre Hoffnung tut, aber das hier würde ich kein zweites Mal durchhalten.
Ich kenne Männer wie Bradyn.
Sobald ich wieder hier wäre, würde er schwach werden und eine Nacht ohne Verpflichtungen und Bedeutung einfordern.
Und ich weiß, ich würde ihm und seinen Augen nachgeben. Ich würde schon bei der ersten Berührung seiner warmen, kommandierenden Hände dahinschmelzen und alles tun, was er will.
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magical boy✨[boyxboy] ✔
RomantizmMica muss über die Weihnachtstage in seine beschauliche Heimatstadt Schenectady zurückkehren. Vor drei Jahren war der das letzte Mal hier und seitdem hat sich nichts verändert. Nur er. Mica ist erwachsen geworden und stehe zu sich selbst, zu den Din...
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