Die letzten zwei Wochen des Juli vergehen. Langsam aber sicher.
Bradyn versucht immer wieder seine Mutter zu erreichen, doch sie geht nicht ans Telefon.
Mittlerweile handhabe ich es wie sie: Ich hebe nicht mehr ab, wenn mich Ben oder Mila anrufen.
Ich habe aus den Fehlern der letzten Zeit gelernt. Nachdem die Hochzeit endgültig gecancelt war, versuchten sie mit mir zu reden.
Ich habe sofort abgehoben, als ich ihre Namen auf meinem Display aufleuchten sah; nur um Vorwürfe und enttäuschte Wortschwalle über mich ergehen zu lassen.
Ich dachte, wenigstens Mila würde halbwegs hinter mir und Bradyn stehen und verstehen, dass man sich die Liebe nicht aussuchen kann und das die Welt verdammt beängstigend sein kann, wenn man gelernt hat, sich sein ganzes Leben lang zu verstecken.
Doch sie versuchte mir ins Gewissen zu reden. Immer und immer wieder setzte sie von neuem an, dass Bradyn und ich etwas Fundamentales in Tiffanys Leben zerstört haben und das Bradyn zurückkommen solle - dass ich ihn gehen lassen solle.
Als ob es an mir liegen würde, dass Bradyn nicht zurück nach Schenectady kommt.
Ich lehne mich gegen die kühle Wand des Treppenhauses und warte.
Wobei ... Stück weit ist es meine Schuld. Aber ich kann nichts für meine Gefühle. Ich habe mir doch nicht ausgesucht, Bradyn zu ... lieben.
Ich wende meinen Kopf zur Wohnungstür, durch die Bradyn in diesem Moment tritt.
Er tastet seine Hosentaschen ab, prüft, ob er auch nichts vergessen hat.
Als er aufblickt und seine grünen Augen auf mich treffen, lächelt er breit.
"Fertig?", frage ich.
"Ja. Lass uns los."
Er zieht schwungvoll die Tür hinter sich zu und holt zu mir auf.
Sein Körper strahlt eine Wärme und Sicherheit neben mir aus.
Auch wenn ich es versuche, ich schaffe es nicht; ich betrachte sein Profil und höre Bens angespannt Stimme.
Ich bin wirklich enttäuscht. Weißt du, Mica, damals im Laden beim Weihnachtsgeschenke kaufen ... ich dachte wirklich, wir könnten eine Beziehung aufbauen. Aber dann musst du ja mal wieder mit deiner Art alles kaputt machen! Hast du überhaupt eine Ahnung, was hier los ist?
Ob ich eine Ahnung habe?
Ich schaue im Vorbeilaufen aus einem der großen Fenster des Treppenhauses. Strahlend blauer Himmel verspricht einen heißen Sommertag.
Und wie ich Ahnung habe. Ich weiß, wie verletzt und hintergangen sich Tiffany und Bradyns Mutter fühlen müssen.
Aber haben sie auch eine Ahnung, wie wir uns fühlen?
Wir haben Mut bewiesen, stehen zueinander, wagen es endlich. Und werden dafür angeprangert.
Wie Bradyn sich fühlt? Er hat es endlich geschafft zu sich zu stehen und ist aus seinen alten Mustern ausgebrochen. Und niemand will ihn verstehen, niemand versucht es.
Und wie ich mich fühle? Als der perfekte Buhmann - jedenfalls für meine Familie.
Fast jeden Tag mache ich mir Vorwürfe, mich geoutet zu haben.
Hätte ich ihnen nicht gestanden, dass ich schwul bin, hätten sie niemals eins und eins zusammenzählen können.
Ich war so dumm, als ich es ihnen sagte, darauf vertraute, dass es nicht negativ auf mich zurückkommen würde.
Wir können nur froh sein, dass Tiffany dicht hält. Unser Leben in dieser Stadt wäre sonst vorbei!
Bens Stimme war so kalt, als er mir das ins Ohr sagte.
Plötzlich scheine ich nicht mehr, der große Bruder zu sein, den er endlich richtig kennenlernen will.
Mit einem Mal bin ich zur Schande geworden.
"Guten Morgen Mr. Walker!"
Ich schrecke bei Bradyns lauter Stimme aus meinen Gedanken.
"Bradyn! Wie schön dich zu sehen. Guten Morgen Mica."
Mr. Walker richtet sich auf und stütze sich neben der Tür ab, die er gerade ölt.
"Ich hoffe, dein Mitbewohner sucht sich bald eine eigene Bleibe."
Der Ton des Mannes ist verspielt, aber dennoch verkenne ich die Drohung darin nicht.
"Wir sind dran, Mr. Walker", verspreche ich.
"Bald müssen sie mich nicht mehr so oft sehen", witzelt Bradyn.
Wir verlassen den Wohnkomplex und auch wenn die Luft hier draußen viel stickiger ist, als im Treppenhaus, atme ich erleichtert auf.
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magical boy✨[boyxboy] ✔
RomantizmMica muss über die Weihnachtstage in seine beschauliche Heimatstadt Schenectady zurückkehren. Vor drei Jahren war der das letzte Mal hier und seitdem hat sich nichts verändert. Nur er. Mica ist erwachsen geworden und stehe zu sich selbst, zu den Din...
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