Ihre sicht
08:00
Als mein Wecker klingelt, gehe ich duschen und mache mich fertig. Gerade als ich mir ein halbwegs gescheites Outfit aussuchen will, klingelt es mehrmals an der Haustür. Seufzend laufe ich die Treppen hinunter. Das muss Cassy sein. Cassy ist ein sehr produktiver Mensch, weshalb sie auch schon früh unterwegs ist – sei es, um Brötchen zu holen, spazieren zu gehen oder zu arbeiten.
An der Tür angekommen sehe ich jedoch nicht Cassy, sondern ihn: Doruk. Ich kann ihn nicht leiden. Immer wieder versucht er, mit mir zu flirten, und ist dabei unglaublich aufdringlich. Ich habe ihm schon tausendmal erklärt, dass ich kein Interesse an ihm habe, aber er lässt einfach nicht locker.
„Guten Morgen, Geburtstagskind. Alsooo, was steht an? Was machen wir an diesem besonderen Tag?“, fragt er gut gelaunt und lächelt mich an.
Doruk sieht nicht schlecht aus, er ist sogar sehr gutaussehend. Wenn er lächelt, kommen seine süßen Grübchen zum Vorschein. Er hat braune Haare, braune Augen, ist ungefähr 1,80 groß und hat einen guten Körperbau.
Nichtsdestotrotz ist und bleibt er für mich ein normaler, nerviger Nachbar.
„'Wir‘ werden an diesem besonderen Tag schon mal gar nichts zusammen machen, und du solltest aufhören, mich ständig zu nerven“, betone ich das wir, bleibe dabei aber dennoch höflich, während ich ihm einen Korb gebe. Er gehört zu dieser Sorte Typ, die denkt, man könne jede Frau mit ein paar Worten rumkriegen.
„Ach, Luna, komm schon, sei nicht immer so stur. Ich habe mich extra für dich schick gemacht. Also geh hoch, zieh dich an und komm runter – obwohl, im Bademantel gefällst du mir auch“, grinst er frech und mustert mich von oben bis unten.
Im nächsten Moment kommt Cassy mit einer Tüte vom Bäcker auf uns zu. „Was ist denn hier los?“, fragt sie verwirrt und stellt sich neben Doruk.
„Ich bin dabei, meine Süße zu verführen. Aber du weißt ja, wie stur sie ist“, rechtfertigt er sich grinsend.
Ich packe Cassy am Arm und ziehe sie in die Wohnung. Bevor ich die Tür schließe, wende ich mich ein letztes Mal an Doruk. „Also, ich habe keine Zeit für dich. Bitte such dir jemand anderen. Aber danke, dass du an meinen Geburtstag gedacht hast.“
Dann schließe ich die Tür hinter mir und umarme Cassy. Ihr süßer Duft steigt mir in die Nase. Ungewollt lasse ich sie wieder los und sehe ihren Blick, der mir verrät, dass sie denkt, ich sollte mich vielleicht mal mit Doruk austauschen. Das geht schon lange so, aber ich habe ihr jedes Mal klargemacht, dass ich nichts mit ihm zu tun haben will.
„Sorry, aber er nervt mich einfach. Ich muss in genau drei Stunden im Café sein und habe keine Ahnung, was ich anziehen soll. Such du mir bitte schnell ein Outfit aus, ich mache Frühstück und Ria muss ich auch noch aufwecken“, erkläre ich, ohne zwischendurch richtig Luft zu holen.
„Mach mal langsam. Das kriegen wir alles hin, entspann dich“, sagt sie beruhigend. „Ich meine, du hast heute Geburtstag. Du bist 18 geworden, das müssen wir feiern. Aber wie geht es dir wirklich?“
Sie setzt sich aufs Sofa und zieht dabei ihren schwarzen Mantel aus, den sie neben sich legt.
„Ja, mir geht’s …“, ich zögere kurz und frage mich selbst, wie es mir eigentlich geht, weiß es aber nicht genau. „So wie immer. Alles gut. Danke, dass du fragst.“ Dabei versuche ich, ein Lächeln aufzusetzen. Um ehrlich zu sein, habe ich gerade einfach keine Zeit, um über mich selbst nachzudenken.
„Jetzt geh schon Ria aufwecken, mir geht’s wirklich gut“, sage ich erneut. Kichernd steht Cassy auf und geht los.
Ich wende mich dem Frühstück zu und mache nichts Besonderes, wie immer nur die Basics. Nachdem ich den kleinen Tisch mit den drei Stühlen gedeckt habe, kommt auch schon mein kleiner Engel auf mich zugelaufen.
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Lovely Silence To Death
RomanceDurch ein Missverständnis trifft sie auf ihn. Vasco Garcia. Der skrupellose Mafiosi vor dem sich jeder und alles fürchtet. Er will sie nicht mehr gehen lassen. Ist es liebe oder doch nur das Gefühl macht über sie haben zu wollen? Textausschnitt: Er...
