Ihre sicht
Mein Wecker hat um 9 Uhr geklingelt. Gleich danach habe ich mich fertig gemacht und Frühstück gemacht. Ria und Cassy sind auch schon wach, wobei Cassy am Kofferpacken ist.
„Cassy, wann fährt dein Zug ab?“
„In genau 30 Minuten, deswegen muss ich jetzt auch schon los“, erhebt sie sich.
„Warte – wir begleiten dich zum Bahnhof. Ria, steh auf und hol deinen Rucksack, danach bringe ich dich zum Kindergarten“, sage ich zu Ria, die gleich aufsteht und ihre Sachen holt.
Schnell räume ich das Geschirr in die Spülmaschine und ziehe mir meine Jacke an.
„Cassy, wo bist du? Wir müssen los, sonst verpasst du deinen Zug.“
„Jaaa, ich komme schon, ich finde nur mein scheiß Handy nicht“, ruft sie von oben, während ich laut aufseufze.
„Ria, geh deine Brotbox holen und deine Wasserflasche, die liegt in der Küche.“
„Ja, aber da ist gar nichts drin“, meint Ria auf einmal.
„Cassy, hast du Ria kein Brot gemacht?!“, rufe ich von unten und schaue verwirrt in die leere Brotbox.
„Fuck, ich hab’s vergessen, sorry“, kommt sie aus ihrem Zimmer zu uns runter.
„Warte, Ria, ich mache dir schnell was“, seufze ich und sehe dann Cassys Handy auf dem Esstisch.
„CASSY, dein Handy ist hier!“, schreie ich genervt und sehe, wie sie fluchend auf mich zukommt.
„Arghhh, ich Tollpatsch“, schlägt sie sich auf die Stirn und Ria lacht sie aus.
Nachdem ich Ria ihre Brotbox gegeben habe und wir fertig aus der Wohnung laufen, nehme ich Cassys Fluchen wahr.
„Fuck, wir sind zu spät – ich verpasse den Zug.“
„Mit dem Bus wären wir trotzdem noch zu spät, scheiße“, fügt sie hinzu, bevor sie Marco erblickt, der gerade in einem Anzug aus seinem BMW aussteigt.
Nein, nicht er.
Plötzlich schaut mich Cassy an.
„Nein, Cassy, nicht er, nein.“
„Hör zu, wenn wir laufen oder mit dem Bus gehen, sind wir trotzdem zu spät. Aber mit einem Auto könnte ich es noch schaffen. Bitte, das ist einmalig, ich muss“, protestiert sie.
Ganz ehrlich, das ist nicht meine Entscheidung, und ich kann ihr auch nicht verbieten, mit ihm zu reden, auch wenn es das Beste wäre.
„Na gut, aber was sollen wir denn sagen?“
„Ich mach das schon“, meint sie und geht auf ihn zu, gefolgt von mir und Ria.
„Geht klar, wohin?“, fragt Marco plötzlich.
Überrascht schaue ich zu Cassy, die es tatsächlich geschafft hat, ihn zu überreden.
„Zum Bahnhof, aber du musst schnell fahren. Und ja, die zwei kommen mit“, fügt sie hinzu und deutet auf uns beide, wobei sein Blick bei mir stehen bleibt.
Was auch immer er gerade denkt – er versteht das alles falsch.
Cassy und Ria steigen ein.
„Ich fahre jetzt nur mit, weil wir in Zeitnot sind, also bild dir nichts ein“, erkläre ich ihm, bevor auch ich einsteige.
Ich bekomme keine Antwort, sondern nur ein freches Grinsen.
Was ein Arsch.
…
Am Bahnhof angekommen, steigen wir alle aus und haben nur noch fünf Minuten, um uns zu verabschieden.
„Cassy, ich werde dich unheimlich stark vermissen. Am liebsten würde ich dich hier behalten, aber ich freue mich so sehr für dich. Ich hab dich lieb und vergiss nicht, mich anzurufen, wenn du ankommst“, nehme ich sie ganz doll in den Arm.
„Ich habe dich auch sehr lieb. Ich werde dich anrufen, keine Sorge“, drückt sie mir einen Kuss auf die Wange und widmet sich Ria.
„Tschüss, Cassy. Wenn du wiederkommst, dann machen wir Tacos, Deal?“
„Oh ja, das werden wir machen. Bis dann, meine Süßen.“
Als sie in den Zug einsteigt, sammeln sich Tränen in meinen Augen, die ich wegblinzle, und setze ein gespieltes Lächeln auf. Bevor der Zug abfährt, winkt sie aus dem Fenster noch Marco zu, der hinter mir steht und zurückwinkt. Meine Augen bleiben bei ihr, bis der Zug letztendlich abfährt und Cassy nun weit weg ist.
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Lovely Silence To Death
RomanceDurch ein Missverständnis trifft sie auf ihn. Vasco Garcia. Der skrupellose Mafiosi vor dem sich jeder und alles fürchtet. Er will sie nicht mehr gehen lassen. Ist es liebe oder doch nur das Gefühl macht über sie haben zu wollen? Textausschnitt: Er...
