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Ihre sicht

Vasco läuft in seinen Club, gefolgt von mir. Als die ganzen zugedröhnten Personen ihn erblicken, machen alle plötzlich Platz und verstummen teilweise.
Wow … wer zur Hölle ist dieser Mann?

„Belleza, setz dich und warte auf mich. Sei brav“, kommt er mir näher und verschwindet mit einem leichten Grinsen.

Ohne Plan gehe ich zur Bar, wo ich mich setze, und bemerke, wie alle Blicke auf mir liegen. Etwa, weil ich im Schlafanzug in einem Club voller overdresster People sitze – oder aber wegen Vasco?

„Señora, was bekommen Sie?“, fragt mich plötzlich der Barkeeper, den ich erst jetzt bemerke.
„Uhm … nur ein Wasser, bitte“, sage ich leise.

Ich beobachte, wie er das Glas Wasser vor meine Nase auf den Tisch stellt. Mit einem Danke trinke ich das Wasser leer und drehe mich wieder Richtung Tanzfläche. Hier sind so viele bunte LED-Lights und laute Musik, dazu dieser Rauch, der Geruch von Alkohol und vor allem Männer, die mit Frauen rummachen, sich an Frauen ranmachen.
Ich bin hier definitiv am falschen Ort.

Unauffällig schaue ich nach Fluchtwegen, da ich unbedingt Ria aus New York wegbringen muss. Sie ist wegen mir in Gefahr, und da ich nicht weiß, mit wem ich es zu tun habe, sollte ich vorsichtig sein, denn ich habe gesehen, wozu diese Leute fähig sind.

Gerade richtig setzt sich ein Mann neben mich und tippt auf seinem iPhone herum.
„Entschuldigung, könnte ich … uhm … jemanden anrufen? Leider habe ich mein Telefon zu Hause vergessen“, stottere ich leise, ohne ihm direkt in die Augen zu schauen während er mich fragend anschaut... naja eher mein Outfit.

Er sieht ziemlich gut aus. Er hat kastanienbraune Haare, grüne Augen – dieselben wie er. Außerdem ist er groß und ganz gut gebaut, jedoch erinnern mich seine Augen an Vasco.
„Ja, klar“, lächelt er freundlich und reicht mir das Handy.

Schnell tippe ich die Nummer ein und erhebe mich, schließlich muss nicht jeder davon mitbekommen. Ich hoffe einfach nur, sie geht ran.

„Hallo, wer ist da?“, ertönt plötzlich die Stimme von Melissas Mutter.
„Ich bin’s, Rias Schwester. Sie müssen jetzt das tun, was ich sage. Bitte tun Sie es einfach, ohne Fragen zu stellen“, fange ich direkt an weil ich nicht weis wie viel Zeit mir noch bleibt.
„Aber was ist denn los, mein Kind?“, fragt sie besorgt.

„Verlassen Sie New York. Fahren Sie zu Ihrer Großmutter und nehmen Sie Ria mit. Ich werde Ihnen alles erklären, aber jetzt nicht. Tun Sie es einfach.“
„Ich verstehe nic—“
„Verlassen Sie New York, am besten jetzt sofort, und bitte kümmern Sie sich gut um meine Ria. Sie sind in Gefahr, aber wenn Sie noch heute New York verlassen, dann nicht mehr. Also bitte … ich bitte Sie, fahren Sie jetzt los“, erkläre ich ihr, während mein Herz wie verrückt rast. Ich wünschte ich könnte jetzt bei meiner kleinen Ria sein.

„Das mache ich, aber melde dich bitte. Ich bin gerade echt verwirrt“, meint sie durcheinander, gibt letztendlich aber nach.
„Ich weiß. Sagen Sie Ria, dass ich auch bald bei ihr sein werde und mir gut geht. Danke, wir sehen uns.“

Ich lege auf und schaue immer wieder, ob Vasco kommt. Ich bin ihr so dankbar, dass sie mir vertraut.

Ich gehe zurück und gebe dem unbekannten Typen sein Telefon zurück. Davor lösche ich natürlich die Nummer und den Anruf.
„Vielen Dank“, nuschele ich eher vor mich hin und bemerke nebenbei seine ständigen Blicke auf mir.

„Mein Name ist Alonzo. Wie heißt die Dame?“, fängt er charmant an.
„Luna“, sage ich kurz und knapp, schaue ihm jedoch nicht in die Augen.
„Schöner Name. Willst du was trinken?“
„Nein, danke. Ich trinke nicht“, antworte ich ihm mit einem freundlichen Lächeln.

Lovely Silence To DeathGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt