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Ihre sicht


„Belleza, warum so aggressiv?“

Sofort verstumme ich. Diese tiefe Stimme kenne ich doch. Er ist doch nicht – er ist doch nicht der „besondere Kunde“. Das ist unmöglich. Ich gebe Marco sein Telefon zurück, da ich nicht einmal einen Mucks herausbekomme. Warum schüchtert mich seine Stimme so ein? Ohne einmal zu Marco zu schauen, gehe ich schnell in meine Wohnung und schließe die Tür ab.

„Und, sind die Spasten weg?“, fragt mich Cassy, der ich nichts von dem erzählt habe, was passiert ist.
„Nein, aber sie sind nicht wegen uns hier … also alles gut“, lüge ich sie an. Schließlich sind sie wegen mir hier. Umso weniger sie weiß, desto besser für sie.

Nachdem Marco zu mir ins Bordell gekommen ist, sagte er mir, dass er mich im Auftrag seines Bosses nach Hause fährt. Ich war überrascht, habe ihm nicht geglaubt, aber tatsächlich hat er mich nach Hause gebracht. Nur steht er seitdem vor meiner Wohnung und überwacht mich. Irgendwo muss der Haken sein. Wenn ich alles richtig verstanden habe, ist der besondere Kunde, mit dem ich gerade frech gesprochen habe, der Patrón von Sergio und Marco. Ich verstehe das nicht so ganz. Als er mich zum ersten Mal sah, hat er mir nicht geholfen, ganz im Gegenteil, er hat mich ignoriert, und jetzt hat er mich aus diesem Bordell nach Hause gebracht.

09.30 Uhr

Erschrocken wache ich auf, als ich Ria schreien höre. Schnell renne ich nach unten und sehe sie in der Küche stehen.
„Ria, was ist passiert?“, frage ich besorgt, als ich ihre blutende Hand bemerke. Zum Teil bin ich überfordert, da ich kein Blut sehen kann, aber die Wunde sieht nicht so schlimm aus.
„Es tut so weh, ich– ich wollte eigentlich nur Wasser trinken, aber dann hat jemand geklingelt und ich habe mich erschrocken und das Glas fallen lassen. Dann wollte ich alles sauber machen und habe mich geschnitten“, weint sie.

Ich habe sie schon lange nicht mehr weinen sehen, und das will ich auch nicht, denn es bricht mir das Herz.
„Alles gut, Ria, ich hole nur schnell Cassy, sie versorgt die Wunde“, beruhige ich sie und suche Cassy, die nirgends zu finden ist.

Es klingelt wieder an der Tür. Verwirrt öffne ich die Haustür. Mit großen Augen sehe ich Cassy mit Marco vor mir stehen.

Warte, was?

„Cassy, wa– was machst du da?“, stottere ich und versuche zu verstehen, was hier abgeht.
„Das ist Marco. Marco, das ist meine beste Freundin Luna, und dort hinten ist ihre kleine Schwester Ria. Ria, was ist passiert, warum blutest du?“

Sofort lässt sie von Marco ab und geht auf Ria zu, um sie zu versorgen, während ich vor Marco stehen bleibe.
„Bit– bitte geh weg. Ich will nicht, dass die beiden etwas von dir oder euch mitbekommen“, sage ich und schließe die Tür vor seiner Nase. Das kann nicht sein.

„Cassy, ich will nicht, dass du dich noch mal mit ihm triffst.“
Stirnrunzelnd schaut sie mich an, nachdem sie Ria versorgt hat, und kommt verwirrt auf mich zu.
„Warum nicht?“, fragt sie verständnislos.
„Er ist kriminell“, sage ich nur und weiche ihrem Blick immer wieder aus, denn sie durchschaut mich immer so schnell.
„Woher willst du das wissen? Also, wie kommst du darauf?“, kichert sie und legt eine Hand auf meine Schulter.
„Bitte triff dich einfach nicht mit ihm, tu mir den Gefallen, ja?“

Ich schaue sie bittend an, obwohl ich weiß, dass ich so etwas eigentlich nicht von ihr verlangen kann. Aber ich kann ihr auch nicht erzählen, wer diese Typen wirklich sind.
„Aber Luna—“
„Bitte, Cassy.“
„Auch wenn ich nicht genau verstehe, warum … ist okay“, gibt sie nach und läuft in die Küche.

Zum Glück hat sie nachgegeben und keine weiteren Fragen gestellt.

Tief ausatmend schaue ich auf die Uhr, die mir verrät, dass ich eigentlich gleich arbeiten muss. Nur war ich ein paar Tage nicht da, sie haben mich wahrscheinlich schon gekündigt. Na ja … ein Versuch ist es wert. Ich greife zu meinem Handy und rufe meine Chefin an, die zu meiner Verwunderung sofort abhebt und mich gut gelaunt begrüßt.

Lovely Silence To DeathGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt